Baustelle

Bauzeit verdreifacht: Rellinghauser Brücke Ende 2019 fertig

Hubertus Möllers vom Amt für Straßen und Verkehr ist für die Baumaßnahme zuständig und erklärt die Verzögerungen.

Hubertus Möllers vom Amt für Straßen und Verkehr ist für die Baumaßnahme zuständig und erklärt die Verzögerungen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Rellinghausen.  Ursprünglich sollten die Bauarbeiten an der Rellinghauser Brücke in Essen acht Monate dauern. Dann explodierten Kosten und Bauzeit.

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Holger Weise hat der Neubau der Rellinghauser Brücke fast in den Ruin getrieben: „Ich habe mir schon Geld geliehen, um meinen Kiosk am Leben zu erhalten. Und ich musste leider meine beiden Mitarbeiterinnen entlassen“, klagt der 52-Jährige. Ursprünglich sollte die Brücke Anfang 2018 fertig sein.

Seit neun Jahren betreibt Holger Weise seinen kleinen Imbiss, in dem man nicht nur frühstücken, sondern auch die klassischen Pommes und Hamburger verzehren kann, direkt an der Ecke Eisenbahn-/Rellinghauser Straße kurz hinter der Brücke. Von dort schaut er jeden Tag auf die Baustelle, die nicht nur für ihn scheinbar kein Ende findet. „Anfangs wurde uns Anliegern vom Amt für Straßen und Verkehr gesagt, nach acht bis zwölf Monaten sei alles fertig. Das ist jetzt drei Jahre her.“ Wären da nicht seine Stammkunden, die Nachbarn und Kindergärten, die ihm die Treue halten, dann hätte er schon längst aufgegeben.

„Es war anfänglich für uns ganz und gar nicht vorhersehbar, dass der Brückenbau so lange dauert“, sagt Hubertus Möllers, beim Amt für Straßen und Verkehr zuständig für die Baumaßnahme. Tatsächlich hat sich die eingeplante Bauzeit verdreifacht. Doch Möllers ist sicher: Die Brücke wird voraussichtlich Ende diesen Jahres fertiggestellt. Aber nicht nur die Zeit konnte nicht eingehalten werden, auch die Kosten sind explodiert: Knapp eine Million Euro mehr als veranschlagt müssen ausgegeben werden, damit belaufen sich die Gesamtkosten auf 2.249.000 Euro.

Brückenbau fand im laufenden Verkehr statt

„Eigentlich hätten wir am liebsten die Brücke abgerissen, die Straße komplett gesperrt und dann neu gebaut“, so Möllers. Doch es kam anders: Die Brücke, die eine wichtige Achse zwischen Bergerhausen und Rellinghausen ist und die Radtrasse überspannt, wurde halbseitig abgetragen, faktisch im laufenden Verkehr. Eine Fahrbahn war immer offen, zumindest für den Autoverkehr. Außerdem verwarf man den Plan eines kompletten Neubaus: Statt abzureißen, wurde nur die Brückenplatte abgebrochen und die tragenden Brückenpfeiler verstärkt.

Langwierige Bohrungen nach Kampfmitteln

Gründe für die Verzögerungen gab es gleich mehrere: Durch die aufwendigere Koordination mit den Stadtwerken und der Ruhrbahn war schon der Start des Brückenprojekts schleppend. Dann bestand eine ausführende Baufirma vor Beginn der Arbeiten auf exakten Bohrungen nach möglichen Kampfmitteln. „Eigentlich war das völlig unnötig. Die Brücke wurde 1923 erbaut und im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Wie hätte dann ein Blindgänger unter die Pfeiler gelangen können?“, sagt Möllers. Kaum waren die zeitaufwendigen Bohrungen vorbei, folgte das nächste Problem: Bei den ersten Bohrungen in die alten Widerlager stieß der Bohrer auf hartes Gestein – und versagte. Ein Spezialgerät musste bestellt werden; da es sich hierbei um ein stark nachgefragtes Gerät handelte, entstand eine erhebliche Wartezeit, ohne dass an anderer Stelle der Brücke sinnvoll gearbeitet werden konnte.

Doch das ist Vergangenheit. Mittlerweile ist eine Brückenhälfte schon fertig, rollt der Verkehr aus Bergerhausen kommend Richtung Frankenstraße über die verstärkte Konstruktion.

Straßenbahn fährt erst 2020

Vom Radweg aus schaut man auf eine schlichte Betonkonstruktion, die so gar nicht zu dem alten Mauerwerk der Pfeiler passt. Schön ist das nicht, aber zweckmäßig. „Der zweite Bauabschnitt verläuft absolut planmäßig. Wir haben damit im März 2019 begonnen und werden Ende des Jahres die Brücke für den Verkehr freigeben“, verspricht Möllers. Allerdings wird bis dahin noch nicht die Straßenbahnlinie 105 über die Brücke rollen: Der Bau der Gleise ist wetterabhängig, vor 2020 wird nicht mit einer Fertigstellung gerechnet.

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