Nahverkehr

Bei der Ruhrbahn fährt jetzt der Warn-Assistent mit

Bei den Ruhrbahnern im Essener Betriebshof Ruhrallee kommen die neuen Busse schon gut an.

Bei den Ruhrbahnern im Essener Betriebshof Ruhrallee kommen die neuen Busse schon gut an.

Foto: Foto: STEFAN AREND / FFS

Essen/Mülheim.  Die Ruhrbahn macht ihre Busse noch sicherer. Jetzt sind die ersten 45 neuen Linienbusse eingetroffen, die mit Warnassistenten ausgestattet sind.

Die Ruhrbahn will für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. In diesen Tagen sind 45 neu gekaufte Linienbusse aus Mannheim eingetroffen, die über modernste Warnassistenten verfügen. Mit deren Hilfe sollen sowohl Unfälle im „toten Winkel“ als auch Zusammenstöße mit einem vorausfahrenden oder entgegenkommenden Fahrzeug verhindert werden.

Die Ruhrbahn hatte sich nach dem tragischen Unfall auf der Stauderstraße in Essen entschieden, den Einbau von Sicherheitsassistenten zu prüfen. Am 4. Juli vergangenen Jahres wurde eine 31-jährige Mutter von einem abbiegenden Container-Fahrzeug der Entsorgungsbetriebe EBE erfasst und getötet. Die siebenjährige Tochter, die sie in letzter Sekunde noch wegstoßen konnte, überlebte schwer verletzt. Der Leiter der Polizeiverkehrsdirektion Wolfgang Packmohr appellierte daraufhin an Spediteure und städtische Betriebe, ihre Lastwagen und Busse mit Assistenzsystemen auszustatten.

Sensoren sollen Zusammenstöße mit Fußgängern und Radfahrern verhindern

Die Ruhrbahn geht jetzt mit gutem Beispiel voran. Sie gehört deutschlandweit zu den ersten Verkehrsbetriebe, die mit speziellen Sensoren den „toten Winkel“ ausleuchten wollen. Mercedes setzt diese Technik für seinen neuen Bus „Citaro hybrid“ ein. Zwei an der rechten Fahrzeugseite angebrachten Radarsensoren sorgen dafür, dass Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge beim Abbiegen nach rechts auch im normalerweise nicht sichtbaren Bereich erkannt werden. In diesem Moment warnt ein zuerst gelb, dann rot leuchtendes Dreieck-Symbol den Fahrer. Kurz vor einer drohenden Kollision vibriert zusätzlich der Fahrersitz, erklärt Ruhrbahn-Verkehrsleiter Torben Skuballa.

Außerdem befindet sich hinter dem Mercedes-Stern an der Vorderseite des Busses ein weiterer Sensor, der den Bremsassistenten steuert. Er bremst den Bus leicht ab, wenn dieser einem Hindernis vor sich zu nahe kommt. Eine Vollbremsung kann der Assistent nicht auslösen, weil dann Fahrgäste stürzen und sich verletzen könnten. Deshalb dient dieses Instrument nur als Hilfe für den Fahrer, der letztlich selbst den Bus rechtzeitig zum Stehen bringen muss.

Zusätzliche neue Warnlichter an den Bustüren

Eine weitere Neuheit: Lichtleisten an den Türschwellen sollen die Fahrgäste warnen, wenn sie nicht mehr zu- oder aussteigen sollen. Öffnet sich die Tür, leuchtet die Bodenleiste grün, unmittelbar vor dem Schließvorgang stellt sie auf Rot um. „Wir hoffen so, die Unfälle im Türbereich deutlich reduzieren zu können“, berichtet Skuballa.

Ein zweiter Schwerpunkt, den sich die Ruhrbahn für die neue Busflotte gesetzt hat, sind möglichst hohe Umweltstandards. Der „Citaro hybrid“ habe unter den Diesel-Bussen den geringsten Schadstoffausstoß. „Er ist für uns die Übergangstechnologie zur Elektromobilität“, sagt Ruhrbahn-Geschäftsführer Uwe Bonan. Ein kleiner Elektro-Zusatzmotor sorgt für eine Spritreduzierung um rund 8,5 Prozent. Mit Hilfe dieser sogenannten Mild-Hybrid-Technik wird beim Bremsen gewonnene Energie für das Anfahren an der nächsten Haltestelle wiederverwendet und entlastet den Diesel-Motor, erklärt Martin Dreps, Leiter für Fahrzeugtechnik bei der Ruhrbahn. Der Vorteil für die Fahrgäste: Dieser Bus fährt sanfter als seine Vorgänger.

Im nächsten Jahr werden weitere 42 Busse ausgeliefert, zwei davon nach Mülheim. Alle anderen 85 Busse dieser Baureihe sind für Essen bestimmt. Der Kaufpreis liegt bei insgesamt 31,5 Millionen Euro. Die Assistenzsysteme werden bei weiteren Bestellungen in beiden Städten Standard sein.

Ruhrbahn testet bald den ersten Elektro-Linienbus von Mercedes

Auf den Kauf von Diesel-Bussen kann die Ruhrbahn nach eigenen Worten derzeit noch nicht verzichten. Die bisher angebotenen Elektrobusse würden noch nicht die Kriterien für einen „Standardbus“ erfüllen. Vor allem müsse die Reichweite der Elektrobusse vergrößert werden, findet Uwe Bonan und versichert: „Sobald der Markt es hergibt, werden wir unser Konzept umsetzen.“

2023 oder 2024 sollen die ersten E-Busse fahren, bis 2030 will die Ruhrbahn abgasfrei fahren, so das Ziel. Im Juni testet die Ruhrbahn für eine Woche den ersten Elektro-Linienbus „E-Citaro“ von Mercedes.

Von drohenden Fahrverboten wären Diesel-Linienbusse hier nicht betroffen. Derzeit rüstet die Ruhrbahn ihre Bus-Flotte auf die aktuelle Euro VI-Norm um. In Essen werden ab 2022 alle Linienbusse nach diesem Standard fahren, in Mülheim bereits Ende dieses Jahres. dem bevorstehenden Fahrplanwechsel in einem Monat will der Verkehrsbetrieb 229 Busse im Linienverkehr einsetzen.

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