Bühnenprogramm

Beim Theaterfest wird das Schauspielhaus zur Erlebnisbühne

In Schale geworfen: Die Schätze aus der Kostümabteilung sorgten beim Theaterfest für den großen Auftritt.

In Schale geworfen: Die Schätze aus der Kostümabteilung sorgten beim Theaterfest für den großen Auftritt.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Backstage-Führungen, Kostümverkauf und Programmkostproben: Gemeinsames Fest von Schauspiel, Oper, Ballett und Philharmonie begeistert Besucher.

Wenn Schauspiel, Oper, Ballett und Essener Philharmoniker ein gemeinsames Fest veranstalten, wird es voll: So auch am Samstag, als um 14 Uhr auf der Grillo-Außenbühne das Spektakel zum Start der Spielzeit 2019/20 eröffnet wurde. Das Intendanten-Trio Christian Tombeil (Schauspiel), Ben Van Cauwenbergh (Ballett) und Hein Mulders (Philharmonie) darf stolz sein: Das Interesse an den Aufführungen und Konzerten ist nach wie vor groß, alle Häuser der Theater und Philharmonie freuen sich über hohe Auslastungszahlen. Und beim Tag der offenen Tür kann man sogar mal hinter die Kulissen schauen.

Bühnenmeister Karl-Heinz („Kalle“) Spies zeigt den Besuchern zum Fest sonst verborgene Bereiche. Er ist seit 39 Jahren im Haus. „Und mit 60 fast so alt wie das Theater“, scherzt Sven Seeburg. Der Schauspieler begleitet die Gruppe beim Exklusiv-Rundgang durch die vor 127 Jahren erbaute Spielstätte. Start ist in der Unterbühne. Aus Kirchhellen ist Sigrid Eilert mit einer Freundin dabei. Ins Theater oder in die Oper geht sie gern und auch das ein oder andere Konzert hat sie schon hier besucht. Eine Zwölf-Meter-Drehbühne wie die im Grillo ist selten. „Davon gibt es nur zehn in ganz Deutschland“, erzählt der Bühnenmeister. Hinter den Kulissen kümmert er sich darum, dass Umbauten und Veränderungen auf der Bühne reibungslos ablaufen und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Seit der Spielzeit 2010/11 zählt Sven Seeburg zum festen Ensemble am Grillo-Theater. Auch Garderobenmeisterin Anke Kortmann, seit 18 Jahren am Grillo, gibt Einblicke in ihr Reich. „Sie ist die gute Seele des Hauses“, lobt Seeburg. In dem großen, hellen Raum hängen alle Kostüme der laufenden Theater-Spielzeit. Sie werden hier gereinigt und aufbereitet. Ohne Kortmann und ihre Kollegen könnten sich die Schauspieler nicht so schnell für den Zuschauer zwischen den Szenen umziehen. „Da bleibt oft sehr wenig Zeit“, sagt sie. So muss bisweilen getrickst werden, um den Kleiderwechsel zu beschleunigen. Seeburg erinnert sich an Reißverschlüsse an den Hoseninnenseiten. Das ersparte das Ausziehen der Schuhe. Einmal blieben ihm gerade zehn Sekunden, um sich in ein anderes Gewand zu stürzen. Bewunderung erntet das cremefarbene Kleid aus der Produktion von „Maria Stuart“. Corsage, Flügel und ein Unterbau mit Reifrock und Kissen machen deutlich, dass auch hinter der Bühne Künstler ihres Faches wirken. Das textile Meisterwerk kostete stolze 6000 Euro.

Beim Backstage-Rundgang vom sogenannten Schnür- auf den Rollenboden wird auch das ganze Räderwerk aus Licht-, Ton- und Bühnentechnik sichtbar. Blöcke wie auf Segelschiffen leiten die vielen „Schnüre“ über Rollen an den Wänden und der Decke. 19 elektrische Züge erleichtern die Arbeit. Die Seilwinden lassen sich per Computer steuern. Auf dem durchsichtigen Gitterboden blickt man auf die Bühne in 15 Metern Tiefe. „Eine Takelage wie aus der christlichen Seefahrt haben wir hier“, scherzt Bühnenmeister Spies. Von unten steigt Nebel im blau-grünen Scheinwerferlicht empor. Gerade führen auch die Requisiteure einen Teil ihres Repertoires vor. Wie Zauberer vollführen Leiter Dirk Lücker und seine Kollegen beim TUP-Fest allerhand Kunststückchen – stellen bergeweise Seifenschaum her, lassen Schnee rieseln oder künstliche Gläser zerspringen.

Da haben schon die jüngsten Besucher Freude. Sie können sich zudem professionell schminken lassen oder in der kleinen Dampflok ein paar Runden ums Theater drehen. Beliebt bei den Mädchen: Pappmaché-Hüte aus der Tageszeitung. Sven Tillmann ist Experte für Bühnenplastik. Nach drei Jahren Ausbildung hat er sein Hobby zum Beruf gemacht: kreativ sein. Zum Beispiel aus Styropor stellt er Bühnenausstattung her – von der antiken Statue bis zum Kronleuchter.

Eine blutige Wunde als Mitbringsel

Speziell wird auch die Maske, die sich Jens Leinemeyer am Tisch von Mitarbeiterin Annalena Reinhold anfertigen lässt. Eine blutige Wunde an der linken Hand. „Damit möchte ich gleich meinen Bruder schocken“, erzählt der Gast aus Wetter begeistert. Beifall noch und noch erntete am Abend schließlich die rund 90-minütige Saisonauftakt-Show im Grillo-Theater. Intendant Christian Tombeil als Conférencier in der Rolle der Unternehmers Friedrich Grillo, der den Bürgern 1892 das Theater im Stadtkern gestiftet hatte, führte die Gäste zusammen mit Aalto-Sängerin Marie-Helen Joël einmal quer durch das neue TUP-Programm. Das Zusammenspiel von Grillo-Schauspielern, Aalto-Sängern, den Essener Philharmonikern, Aalto-Chor und Tänzern des Aalto-Balletts erinnert an die Zeit, als das Grillo tatsächlich noch ein Drei-Sparten-Haus war.

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