Feinstaub-Belastung

Böller-Verbot: Stadt Essen sieht weiterhin keinen Veto-Grund

Das jüngste Silvester-Feuerwerk über Essen.

Das jüngste Silvester-Feuerwerk über Essen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Nach Anträgen der Deutschen Umwelthilfe für ein Feuerwerks-Verbot sieht man in Essen keinen Handlungsbedarf. Die Grenzwerte nicht überschritten.

Ein richtiger Knaller wird der Vorstoß der Deutschen Umwelthilfe in Essen wohl nicht: Zwar hat der Verein wie in 30 weiteren Städten auch bei der hiesigen Stadtverwaltung einen formalen Antrag gestellt, privates Feuerwerk an Silvester wegen zu hoher Feinstaub-Belastungen künftig zu verbieten, wie Stadtsprecherin Jasmin Trilling bestätigte. Jedoch sehe die Verwaltung nach wie vor keinen Anlass für ein pauschales Veto.

„Der Antrag wird geprüft“, sagte Trilling, nachdem die Deutsche Umwelthilfe mit ihrem Anliegen beim Städte- und Gemeindebund vorstellig geworden war. Doch bislang heiße die nüchterne Erkenntnis, dass die Grenzwerte für Feinstaub „auch an Silvester eingehalten werden“. Für ein Verbot sozusagen ohne Not brauche es entweder einen Ratsbeschluss oder eine geänderte Landes- und Bundesgesetzgebung, erklärte die Stadtsprecherin. Solange dies nicht der Fall sei, bleibe Essen auf dem bekannten Kurs.

Keine besonders dicke Luft nach Silvester festzustellen

Durch Feinstaubbelastung an Silvester habe es in Essen bislang keine wahrnehmbaren Probleme gegeben, heißt es. Nach dem jüngsten Jahreswechsel wurde nach Auskunft der Stadt am 1. Januar an der Messstelle auf der Gladbecker Straße eine Belastung mit einem Tagesmittelwert von 31 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Der Grenzwert liegt im Tagesmittel bei 50 Mikrogramm. Zuletzt hätte sich die Feinstaubbelastung dem Grenzwert zur Jahreswende 2012/2013 angenähert.

Für ein Verbot müsse die behördliche Verordnung zur Gefahrenabwehr entsprechend geändert werden. Dies könne man jedoch nicht mal eben so machen. Es müsse schon eine Gefährdung auf der Basis von Messungen nachgewiesen werden, machte Ordnungsdezernent Christian Kromberg bereits vor Wochen deutlich. Grundsätzlich seien Verbotszonen für einzelne Quartiere der Stadt, in denen besonders viel Feuerwerk abgebrannt wird, durchaus denkbar. So weit die Theorie. Doch die entscheidende ganz praktische Frage ist: Wer soll ein solches Verbot denn konsequent überwachen? Das städtische Ordnungsamt dürfte dazu personell nicht in der Lage sein. Die Polizei hat zum Jahreswechsel in der Regel andere Sorgen, als Böller sicherzustellen.

Umwelthilfe spricht von archaischer Böllerei in den Städten

Die Deutsche Umwelthilfe begründet ihre Forderung nach einem Verbot mit der gesundheitsschädlichen Belastung durch Feinstaub. „Jedes Jahr aufs Neue verursacht die archaische Böllerei zum Jahreswechsel dicke Luft in unseren Städten“, sagte dazu DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Grundlage für den Vorstoß sei die Überschreitung des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Jahresmittelwerts von 20 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben