Bürgergarten

Garten am Mehrgenerationenhaus in Essen-Frohnhausen gedeiht

Hinterm Mehrgenerationenhaus in Essen-Frohnhausen gab es früher einen Bolzplatz. Hier wurde im vergangenen Jahr der neue Kistengarten angelegt.

Hinterm Mehrgenerationenhaus in Essen-Frohnhausen gab es früher einen Bolzplatz. Hier wurde im vergangenen Jahr der neue Kistengarten angelegt.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Frohnhausen.  Nach einem Jahr beeindruckt der Bürgergarten am Mehrgenerationenhaus in Essen-Frohnhausen mit üppigem Grün. Die erste Ernte ist aber noch gering.

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Nein, wirklich gemütlich ist es derzeit in dem Garten hinter dem Mehrgenerationenhaus an der Kerckhoffstraße nicht. Denn dazu donnern die Intercitys zu nah auf dem Haupteisenbahnstrang des Ruhrgebiets vorbei, und dazu sind die Abbrucharbeiten in der nahen Kirche auch zu laut. Doch das stört die Hobbygärtner um Susanne Trbovec sowie Arndt und Patrick Sauer nicht.

Sie sind stolz auf „Buntes Grün“. So hatte ein kreatives Team aus Designern, Erziehern und Sozialarbeitern vor einem Jahr den Bürgergarten getauft. Damals hatten sie damit begonnen, auf dem brachliegenden Bolzplatz einen Kistengarten aufzubauen. Jetzt, kurz vor dem zweiten Erntedankfest, ist aus den Anfängen schon eine vielfältige Gartenlandschaft geworden – allerdings fernab von jeder kitschigen Kleingartenidylle.

Mittwochs treffen sich zahlreiche Hobbygärtner aus dem Stadtteil, aber auch aus Rüttenscheid oder Altendorf hinter dem Mehrgenerationenhaus, zum „offenen Gärtnern“. „Unser Ziel ist es, dass wir uns an die Nachbarschaft anknüpfen“, sagt Patrick Sauer. Der 30-Jährige ist Sozialarbeiter im Mehrgenerationenhaus und Sohn von Geschäftsführer Arndt Sauer. „Der Garten soll das verbindende Element für alle unsere Angebote werden, also die Kindertagesstätte, das Mehrgenerationenhaus, die Lutherkirche und die Wohnungen.“

Ein Huhn wurde vom Fuchs geholt

Allerdings sei der Garten hinter dem Mehrgenerationenhaus schwer zu finden. „Man muss wissen, wo wir sind“, sagt Arndt Sauer. Einige Nachbarn wüssten es aber schon. „Jetzt in diesem heißen Sommer sind Leute gekommen, die zu Hause keinen Balkon haben. Sie haben sich ihr Bierchen mitgebracht und sich hier wohlgefühlt.“

Das tun eigentlich auch die Hühner, die im staubigen Boden picken. Der Verein „Rettet das Huhn“ hatte sie vor der Schlachtbank gerettet und den Frohnhausern überlassen. Die Hühner wären geschlachtet worden, weil sie nicht mehr genügend Eier legen – also unwirtschaftlich wurden. Die Vögel sehen grauslich aus – obwohl sie sich schon erholt haben und täglich insgesamt drei, vier Eier legen. Sie tragen kaum noch Schwanzfedern, teilweise ist das Hinterteil blank, die Federn abgehackt. Und der kleine Hahn ist nicht der König auf dem Misthaufen, sondern bemitleidenswert schüchtern. Er kann seinen Hennen offenbar überhaupt nicht imponieren.

Wer sie sieht, vermutet Tiere aus der Legebatterie. Doch das ist nicht richtig. Patrick Sauer weist auf die intakten Schnäbel hin, die auf die Bio-Haltung schließen lassen. Doch auch dort leben die Hühner offenbar auf engstem Raum, so dass sie sich gegenseitig rupfen und weg hacken. Was Arndt Sauer sichtlich erregt und anwidert: „Man fühlt sich betrogen, wenn es um Bio geht. Die Hühner sehen genauso aus wie aus Legebatterien. Als sie zu uns gekommen sind und ich sie gesehen habe, konnte ich lange Zeit keine Eier mehr essen.“ Acht Hühner hatten die Gärtner aufgenommen, nun sind es nur noch sieben. Offenbar hat ein Fuchs den Hühnerstall besucht . . .

Stolz sind die „Buntes Grün“-Gärtner auf ihre vier Bienenstöcke. Sie stehen im Gebüsch am Bahndamm. Patrick Sauer und Susanne Trbovec sind Mitglieder im Imker-Verein und haben in diesem Jahr schon 100 Gläser Honig verkaufen können. Die übrige Ernte scheint im zweiten Jahr des Gartens noch nicht üppig auszufallen. Die Inka-Gurke oder die Zucchini sind noch eher mickrig, „und aus der Aubergine ist nichts geworden“, bedauert Susanne Trbovec.

Doch das ist nur zweitrangig. Wichtiger sei das nachhaltige Gärtnern. So sammeln sie das Regenwasser über eine große, Schatten spendende Plane. Demnächst soll auch das Spülwasser, das im neuen „Food-Truck“, einem alten Bauwagen, anfällt, wieder aufbereitet werden. Überhaupt ist der Garten eine langfristige Angelegenheit. „Es dauert drei bis fünf Jahre, bis er sich etabliert hat“, weiß Arndt Sauer.

Foodtruck kommt auf denGervinusplatz zum „Miteinandertag“

Weitere Werbung für seinen Bürgergarten macht das Mehrgenerationenhaus am kommenden Freitag, 20. September, wenn es im Gervinus-park sowie auf dem Gervinusplatz gemeinsam mit Stadtteilmoderatorin Janna Klompen zum „Miteinandertag“ einlädt. Treffpunkt ist dann von 16 bis 21 Uhr der neue „Foodtruck“, der erstmals zum Einsatz kommt.

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