Bildung

Schülerschule ist seit 50 Jahren ein freier Lernort

Markus Schmahl, Sara Brock und Hans-Jürgen Wobido (v.l.) sind die drei hauptamtlichen Kräfte der Schülerschule. Sie suchen dringend Ehrenamtliche, die das Team verstärken.

Markus Schmahl, Sara Brock und Hans-Jürgen Wobido (v.l.) sind die drei hauptamtlichen Kräfte der Schülerschule. Sie suchen dringend Ehrenamtliche, die das Team verstärken.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Altendorf/Frohnhausen.   Täglich kommen über 30 Kinder zur Schülerschule. Ehrenamtliche Kräfte begleiten sie kostenlos und kompetent durch ihre Schullaufbahn.

Auf eine ganz besondere Erfolgsgeschichte kann die von der Lehrerin Ria Voswinckel und der Stiftung Böhmer gegründete Schülerschule zurückblicken: Seit nunmehr 50 Jahren begleitet sie Kinder und Jugendliche durch deren Schullaufbahn. Und zwar kostenlos, individuell, kompetent und ehrenamtlich.

Eine, die davon profitiert hat, ist Sedef Kücükuncular: Die 19-Jährige hat im vergangenen Jahr ihr Abitur bestanden – mit der Durchschnittsnote 1,1. „Ich bin seit dem neunten Schuljahr fast täglich zur Schülerschule gegangen. Eine Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht“, erzählt sie. Die ehrgeizige junge Frau hat alles an Hilfe und Unterstützung mitgenommen, was ihr die Schülerschule geboten hat. Jetzt studiert sie als Erste in ihrer Familie. „Ich habe mich für Medizin entschieden.“

„Über 80 Prozent unserer Schüler haben einen Migrationshintergrund“, sagt Markus Schmahl. Der 43-jährige Germanist leitet seit vier Jahren die Schülerschule, die sich im Laufe der fünf Jahrzehnte als schulübergreifender, interkultureller Lerntreff etabliert hat. Vielfach ist die Schule für ihr Konzept ausgezeichnet worden. Schmahl ist einer von insgesamt drei Hauptamtlichen, der Rest des Teams besteht aus über 20 ehrenamtlichen Lehrkräften. „Einige sind Studenten, aber die meisten pensionierte Lehrer und Akademiker“, so Schmahl. Deren Zahl hat sich ein wenig verringert, viele sind aus Altersgründen ausgeschieden. „Deswegen suchen wir ganz dringend Unterstützung für alle Fächer. Besonders für die Grundschulkinder fehlt uns jemand, der mit den Kindern übt und auch mal spielt.“

Manche Schüler kommen jeden Nachmittag

An zwei Standorten wird nachmittags die Lernhilfe angeboten: Montag und Donnerstag in der Stadtteilbibliothek Frohnhausen, Dienstag, Mittwoch und Freitag im Erich-Brost-Berufskolleg an der Dechenstraße. Täglich nutzen im Schnitt zwischen 25 und 35 Schülerinnen und Schüler die Schülerschule, manche kommen sogar an allen fünf Tagen. Dafür stellt das Berufskolleg drei Räume kostenlos zur Verfügung. Die sind nicht nach Altersklassen unterteilt, sondern nach Fächern: „In Raum Eins stehen Sprachen und Geisteswissenschaften auf dem Plan, in Raum Zwei Naturwissenschaften und Mathe und im dritten Raum sind die Grundschüler untergebracht“, erklärt Schmahl. Die Unterstützung, die die Jungen und Mädchen hier erhalten, ist allumfassend. Geholfen wird auch bei Bewerbungen, der Berufswahl, bei Praktikumsberichten wie bei Schwierigkeiten mit Lehrern. „Wir gehen auch schon mal zu Elternsprechtagen“, so Schmahl.

Die Teilnahme ist völlig unverbindlich

Attraktiv ist das niederschwellige Angebot nicht nur, weil es kostenlos ist. Die Teilnahme ist auch völlig unverbindlich: „Zu uns kann jeder kommen. Ohne Voranmeldung. Und ohne sich abzumelden“, sagt Hans-Jürgen Wobido. Der 68-jährige Mathematiker ist der Vorgänger von Markus Schmahl. Trotz seiner Pensionierung kommt er immer noch regelmäßig und hilft bei Mathe und Naturwissenschaften. „Die Arbeit macht mir einfach große Freude. Solange ich es schaffe, bin ich dabei.“ Was auch daran liegt, dass alle Schüler, die hierhin kommen, hochmotiviert und wissbegierig sind. „Sie sind engagiert und dankbar, teilen jedes schulische Ergebnis und Ereignis mit uns“, sagt Wobido.

So wie die drei Abiturientinnen, die direkt nach ihrer Mathe-Abiklausur bei ihrer Schülerschule vorbeischauen. „Dass wir es soweit geschafft haben, liegt auch an der tollen Unterstützung. Die Lehrer hier sind immer für uns da gewesen“, sagen Sumja Muralitharan, Miriam Assidi und Valerie Gawdi unisono. Alle drei sind in der Unterstufe in der Frohnhauser Stadtteilbibliothek durch Zufall auf das Lernangebot gestoßen. Lange Zeit kamen sie täglich, „unser Rhythmus war Schule, Schülerschule, Zuhause“. Jetzt können sie voller Zuversicht in ihre Zukunft schauen: Was nicht nur daran liegt, dass die drei selbstbewussten jungen Frauen schon wissen, wie es beruflich weiter geht. Alle drei werden ihr Abi, wenn alles weiter so gut läuft, mit einem Einserschnitt bestehen.

>>EHRENAMTLICHE DRINGEND GESUCHT

  • Öffnungszeiten der Schülerschule: Montag und Donnerstag, 14.30 bis 18.30 Uhr in der Stadtteilbibliothek Frohnhausen, Sybelstraße 50.
  • Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14.30 bis 17.30 Uhr in dem Erich-Brost-Berufskolleg in Altendorf, Dechenstraße 25.
  • Nicht nur in der Schulzeit, auch in den Ferien hat die Schülerschule geöffnet. Dafür werden die Räumlichkeiten in der Zentralbibliothek zur Verfügung gestellt.
  • Das Team der Schülerschule freut sich über jeden, der sich ehrenamtlich engagieren will. Kontakt: Tel.: 17 14 08 28 oder www.schuelerschule-ggmbh.de.
  • Alle Interessierten können die Schülerschule am Dienstag, 4. Juni beim Tag der offenen Tür (14.30 bis 17.30 Uhr) im Erich-Brost-Berufskolleg kennenlernen.

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