Boule

Boule-EM in Frankreich: Bundestrainer übt in Essen-Kettwig

Daniel Dias (re.) ist Boule-Nationaltrainer und reist schon bald wieder mit der U-23-Mannschaft nach Frankreich. Auf dem Bouleplatz in Essen-Kettwig trainiert und lehrt er regelmäßig den Boulesport. 

Daniel Dias (re.) ist Boule-Nationaltrainer und reist schon bald wieder mit der U-23-Mannschaft nach Frankreich. Auf dem Bouleplatz in Essen-Kettwig trainiert und lehrt er regelmäßig den Boulesport. 

Foto: Martin Horn / FUNKE Foto Services

Essen-Kettwig.  Die Boule-Europameisterschaften stehen an. U-23-Nationaltrainer Daniel Dias von der Kettwiger Boulegemeinschaft hat große Ziele.

Die Vorfreude ist groß: Daniel Dias steckt mitten in den Vorbereitungen zur Pétanque-Europameisterschaft Anfang Oktober in Frankreich. Er ist Bundestrainer der U23-Nationalteams und spielt seit 2018 für die Boulegemeinschaft Kettwig. Auf der Sportanlage an der Ruhrtalstraße geht auch das entscheidende Trainingslager vor der EM über die Bühne. Wir haben dem Chefcoach vorher schon einmal über die Schulter geschaut.

Die Wiege des Pétanque – in Deutschland ist es eher unter dem Namen Boule bekannt – steht in Südfrankreich, doch gespielt wird es weltweit. Beispielsweise in Italien, wo es Boccia heißt. Dabei versuchen zwei Mannschaften, eine bestimmte Anzahl von Kugeln so nahe wie möglich an eine vorher ausgeworfene Zielkugel zu werfen. Boule gilt allgemein als ideales Freizeitspiel, was schon der denkbar einfachen Regeln geschuldet ist. Doch es gibt auch ambitionierte Könner – und zu diesen zählt Daniel Dias zweifelsohne.

Deutscher Boulenachwuchs holte stets EM-Medaillen in den vergangenen drei Jahren

Als Trainer der deutschen Nachwuchshoffnungen ist er jedenfalls höchst erfolgreich. Im vom Französischen dominierten internationalen Boule nennt man das U23-Team „Espoirs“. Und das startet dank der Hilfe von Daniel Dias wieder mit großen Erwartungen ins Turnier. Daniel Dias nimmt nun schon zum vierten Mal als Trainer an einer EM teil: „In den letzten drei Jahren sind wir nie ohne Medaille nach Hause gegangen.“

Ab dem 3. Oktober geht es im nordfranzösischen Saint-Pierre-lès-Elbeuf rund. Der Austragungsort ist Dias in bester Erinnerung. Die riesigen Hallen des dortigen Boulodromes waren Schauplatz des bisher größten Triumphes, als die weibliche U23 sich 2017 den kontinentalen Titel holte. Er blickt zurück: „Ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Einer der bewegendsten Momente in meinem Leben.“

Trainingslager in Kettwig an der Ruhrtalstraße beginnt am 7. September

Gute Voraussetzungen also für die deutsche Equipe. Damit seine Schützlinge bestens vorbereitet ins Turnier gehen, hat Nationalcoach Dias für den 7. und 8. September ein ultimatives Trainingslager in Kettwig anberaumt. An der Ruhrtalstraße wird es Teambuildingmaßnahmen geben, intensive Übungseinheiten und mit Spannung erwartete Matches gegen Sparringspartner aus der Bundesliga: „Meine Spieler bekommen noch Entwicklungsaufgaben mit nach Hause und dann wollen wir gucken, dass wir wieder Metall holen!“

Der in Mülheim geborene Daniel Dias war lange Zeit im Marketing tätig, studierte dann auf Lehramt und ist nun an einem Berufskolleg tätig. Leistungssport spielte immer eine große Rolle in seinem Leben: Erst als Schwimmer und als Judoka auf internationalen Turnieren, danach bei Wildwasserkajak und Golf. Auch beim Hamburg-Marathon ging er schon an den Start. Ein sportbegeisterter Tausendsassa, wenn man so will. Zum Pétanque fand er 2002 und war sofort vom Boule-Virus infiziert.

Im System „Triplette“ wird gespielt bei der EM. Ein Team besteht also aus drei Spielern mit je zwei Kugeln plus Auswechselspieler. Zum Auftakt geht es in den Wettbewerb „Tir de précision“, was Zielschießen bedeutet. Zwei Kandidaten duellieren sich, treffen hell und dunkel markierte Kugeln mit bestimmten Zielvorgaben. Hier holte Deutschland im vergangenen Jahr Silber und Daniel Dias schwärmt: „Das ist höchst spannend und aus meiner Sicht extrem kameratauglich.“ Das könne man sich im TV besser anschauen als das x-te Darts-Turnier oder Pool Billard. Doch seine Sportart hat es noch nicht so recht ins deutsche Fernsehen geschafft. In Frankreich, so erzählter, ist das ganz anders. Die Europameisterschaft wird dort selbstverständlich komplett übertragen.

Boulesport in Deutschland fehlt es leider an Popularität

Daniel Dias ist Coach mit Leib und Seele. Deshalb bietet er Kurse an. Ab dem 21. August steigt in Kettwig so eine „Verrückte Woche Pétanque“ mit technischem Training, aber auch taktischen und mentalen Inhalten. Das Trainierte wird sofort in Wettkampfsituationen angewandt. Dieser Kurs ist – sehr zur Freude des Trainers – längst ausgebucht, da maximal zwölf Teilnehmer aufgenommen werden, um sich gezielt dem Einzelnen widmen zu können.

Solche Aktionen findet Daniel Dias wichtig: „Unserem Sport fehlt der Nachwuchs. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich gerne mal mit Kindern trainieren, die Bock auf Boule haben. So Acht- bis Zehnjährige, die ich dann gezielt über Jahre begleiten würde.“

Boulen hat in Kettwig Tradition. Angefangen hat alles in den frühen 1980erJahren, als hinter dem Fußballtor die ersten Kugeln geworfen wurden. Schon bald trat die Boule-Gemeinschaft Kettwig dem Deutschen Pétanque-Verband bei. Die erste Mannschaft spielt inzwischen sogar in der NRW-Liga, der zweithöchsten deutschen Spielklasse.

Im Breitensport liegt der Fokus ganz klar auf dem Spiel, doch ein wenig wird schon trainiert, wie Geschäftsführer Friedhelm Meiss erklärt: „Eigentlich bin ich Leger, aber ich übe mich zurzeit auch als Tireur.“ Wer diese Fachausdrücke verstehen möchte, stößt am besten mal donnerstags zur Morgenstunde dazu. Eine lustige Truppe Gleichgesinnter trifft sich dann am Boulodrom zum Mini-Turnier. Gäste sind herzlich zum „Reinschnuppern“ eingeladen.

Gespielt wird ganzjährig, denn bei fiesem Wetter kann in die geräumige Boule-Halle ausgewichen werden. Die Boulegemeinschaft nutzt jede Möglichkeit, für ihren Sport zu werben. So wurde die offizielle Eröffnung des benachbarten Sportplatzes genutzt, um Oberbürgermeister Thomas Kufen und die Ortspolitiker einzuladen. Spontan entschieden sich etliche BV-Mitglieder, ein Spielchen zu wagen.

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