Cap Anamur

Cap Anamur wird 40: Essener Kinderarzt leitet Hilfsverein

Als junger Kinderarzt stieß Werner Strahl zu Cap Anamur. Heute ist der Essener Vorsitzender der Hilfsorganisation.

Als junger Kinderarzt stieß Werner Strahl zu Cap Anamur. Heute ist der Essener Vorsitzender der Hilfsorganisation.

Foto: Heinz-Werner Rieck / FUNKE Foto Services

Essen.   Der Essener Kinderarzt Werner Strahl leitet den Hilfsverein Cap Anamur, der 2019 sein 40-jähriges Bestehen feiert. Er ist seit den Anfängen dabei.

Er nennt Afrika einen hoffnungsvollen Kontinent und schwärmt von den Menschen, „denen die Freude aus jedem Knopfloch guckt“. Dabei hat der Essener Kinderarzt Werner Strahl dort viele Hungersnöte, Seuchen, Unwetter und Bürgerkriege erlebt: Seit ihren Anfängen 1979 arbeitet er bei der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, seit sieben Jahren ist er ihr Vorsitzender. Über die so wichtige wie wechselvolle Arbeit spricht er am Sonntag, 16. Juni, um 11 Uhr in der Volkshochschule am Burgplatz in der Reihe „Reden von morgen“.

Reden von morgen - wer könnte das besser als Werner Strahl, der die Zukunft sieht von Ländern wie Somalia, Sudan oder Sierra Leone, bei allen Problemen, die es dort gibt. Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e.V. arbeitet daran, die Bedingungen vor Ort so zu verbessern, dass die Einheimischen bleiben wollen, bleiben können. „Die wenigsten Menschen wollen doch ihre Heimat verlassen“, sagt Strahl. Cap Anamur wolle ihnen „Leben helfen“, in ihren Heimatländern.

Sie bleiben, wenn sich die Weltöffentlichkeit schon abgewandt hat

„Fluchtursachen bekämpfen“, so lautet das neue Mantra der Bundesregierung – Werner Strahl und seine Mitstreiter machen das seit Jahrzehnten. „Wir sind auch noch in den Ländern, wenn die Weltöffentlichkeit sich abgewandt hat.“ Aktuell etwa in Mosambik, das im März und April von Sturmfluten und Zyklonen heimgesucht wurde, die weite Landesteile überschwemmten, ganze Orte zerstörten. „Das war verheerend, der Aufbau wird noch lange dauern, gerade bauen wir unser Krankenhaus wieder auf“, erzählt Strahl. Es sei bewegend zu sehen, wie nach einer Naturkatastrophe oder einer Epidemie die Wunden in einem Land verheilen und: „Wie die Menschen darauf brennen, etwas zu tun.“

Um das Versprechen dauerhafter Arbeit einzulösen, ist Cap Anamur auf Spenden angewiesen; öffentliche Gelder erhält die Organisation nicht. Nur durch treue Unterstützer, die regelmäßig spenden, überlebe man. Cap Anamur ist berühmt durch das gleichnamige Schiff, mit dem man ab 1979 rund 11.000 vietnamesische Flüchtlinge aus dem Südchinesischen Meer rettete, die Boat-People.

Ein kleiner Verein, der einen großen Namen trägt

Trotz des großen Namens handelt es sich um einen kleinen Verein mit sehr persönlichem Klima. „Es sind immer 25 bis 40 unserer Leute draußen im Einsatz, und die kenne ich alle“, sagt Werner Strahl. Für ein halbes Jahr verpflichten sich die Helfer vorab, doch 60 Prozent verlängern ihren Auslandseinsatz, manche sind schon vier Jahre vor Ort.

Und Strahl selbst? Macht mit 74 Jahren keine langen Auslandseinsätze mehr, ist als Vorsitzender aber weiter in der Welt unterwegs: Hilft bei der Projektentwicklung, verhandelt mit Regierenden. Findet Wege zu helfen, wenn ein Land Cap Anamur nicht einreisen lassen will – oder rauswirft, wie es Nordkorea schon mehrmals getan hat.

Die italienischen Behörden beschlagnahmten die zweite Cap Anamur

Der Kinderarzt gibt nicht leicht auf. Doch er hat auch erleben müssen, wie Cap Anamur an seine Grenzen geriet: 2004 hatte Strahls Vorvorgänger Elias Bierdel mit der zweiten Cap Anamur 37 Flüchtlinge vor der afrikanischen Küste aufgenommen. Die italienischen Behörden beschlagnahmten das Schiff, schoben die meisten Flüchtlinge ab und verklagten Bierdel und zwei weitere Crew-Mitglieder. Fünf Jahre später wurden die drei von einem italienischen Gericht freigesprochen. Die Cap Anamur aber wurde verkauft, der Verein gab die Seenotrettung auf. „Wir sind damit gescheitert, konzentrieren uns seither auf unsere Arbeit in den Ländern.“

Strahl sieht die Erfolge, die Hoffnung, sieht aber auch die „Kriege, Krisen und Klimakatastrophen, die neue Völkerwanderungen auslösen“. Europa sei für viele Afrikaner „Traum und Horror“ zugleich: Losgeschickt von den Familien, überlebten die Hälfte schon den Weg durch die Sahara nicht, andere kenterten mit ihren untauglichen Booten. Und wer tatsächlich hier lande, kämpfe mit Sprache, Startschwierigkeiten und Heimweh.

Als Kinderarzt unterwegs in der Welt – und in ganz Essen

Auch für Deutschland bedeute die Flüchtlingskrise von 2015 eine Riesenaufgabe, sagt Strahl: „Aber eine, die wir mit vereinter Kraft und ohne hängenden Kopf meistern können.“ So wie er selbst, der als pensionierter Arzt, Vater und Großvater noch im Einsatz ist in der Welt und in seiner Heimatstadt. Er mache weiter Praxisvertretungen, auch im Norden der Stadt, sagt der Werdener: „Da begegne ich vielen netten Flüchtlingsfamilien, die unsere Arbeitswelt bereichern werden.“ Essen, eine hoffnungsvolle Stadt.

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