Coronavirus

Coronavirus: Wie Essen die Schließung der Gruga verteidigt

Kein Einlass, zunächst bis zum 20. April: Anders ist nach Ansicht der Stadt das geltende Kontaktverbot in der Öffentlichkeit nicht durchzusetzen.

Kein Einlass, zunächst bis zum 20. April: Anders ist nach Ansicht der Stadt das geltende Kontaktverbot in der Öffentlichkeit nicht durchzusetzen.

Foto: Julia Tillmann / FFS

Essen.  Weil man massenhaften Ansturm und große Konflikte auf gesperrten Spielplätzen fürchtete, wehrt die Stadt jede Kritik ab: Die Gruga bleibt dicht.

Essens „grüne Lunge“ – so wird der Grugapark seit je her genannt. Doch ausgerechnet jetzt, da das Coronavirus das öffentliche Leben in Essen und anderswo in nie gekanntem Maße einschränkt, nimmt die Stadt einem auch dort die Gelegenheit, von der Krise mal aufzuatmen. Der Park – seit gut einer Woche geschlossen. Muss das sein? Die Stadt verteidigt jetzt ihre von viel Kritik begleitete harte Linie: Ja, es muss.

Denn die Gruga sei NRW-weit einer der letzten Parks gewesen, der in der vergangenen Woche noch die Tore öffnete: Dortmund hatte zuvor Zoo und Westfalenpark dicht gemacht, Hamm seinen Maximilianpark, Bochum den Tierpark, Gelsenkirchen die „Zoom Erlebniswelt“. Geschlossen auch die Freilichtmuseen der Landschaftsverbände und die Zoos in Duisburg, Münster und Wuppertal.

Die Gruga als einziges geöffnetes Touristen-Ziel weit und breit

Wohin also sollte eine freizeithungrige Gesellschaft bei strahlendem Sonnenschein aufbrechen? Nach Angaben der Stadt kündigten hunderte Personen per Telefon, in sozialen Medien und per E-Mail an, die Gruga zu besuchen. Ein regelrechter Ansturm, sonst hochwillkommen, bei dem einem in Corona-Zeiten aber nur Ärger blüht – davon war und ist Umweltdezernentin Simone Raskob überzeugt: Groß die Sorge, dass es bei Ein- und Ausgängen, an Kassen und Toilettenanlagen zu Menschenansammlungen kommt. Genau das, was es ja eigentlich zu vermeiden galt.

„Wir haben uns das mit der Schließung nicht leicht gemacht“, sagt Oberbürgermeister Thomas Kufen, aber „wir wollten für den ,Corona-Tourismus’ nicht eines der letzten Ausflugsziele sein“ seufzt Raskob – so wie Dortmund zuvor mit seinen Bädern. Dies zumal tags darauf die landesweite Ansage erfolgte, Spiel- und Bolzplätze wegen der Ansteckungsgefahr zu schließen: Die vielen Spielplätze und Sportanlagen abzusperren oder zu bewachen, das sei „organisatorisch und logistisch nicht möglich“.

Wachdienst musste Gruppen aus der Gruga hinauskomplimentieren

Und wenn, führe dies zu großen Konflikten: Bereits in den Tagen vor Schließung der Gruga kamen zahlreiche Besuchergruppen über der zu diesem Zeitpunkt noch erlaubten Zahl von 15 Personen in den Park. Selbst nach der offiziellen Schließung gab es Ärger, der Wachdienst musste Gruppen, die sich unerlaubt Zugang verschafft hatten, aus dem Park verweisen.

So beginnt der Gruga-Frühling unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Fast jedenfalls: Um den Bürgern ein bisschen Naturgefühl zu vermitteln, veröffentlicht der Park über soziale Medien Fotos, Videos und Hintergrund-Berichte. Eine Art künstliche Beatmung durch die grüne Lunge, die manchem nur ein müdes Lächeln abringt, aber durchaus sein Publikum findet: Mit knapp 40.000 Zugriffen hat sich deren Zahl mehr als verdreifacht.

Ein Blick auf den Gruga-Frühling über den heimischen Computer

„Ich weiß, das ist kein Ersatz“, betonte Umweltdezernentin Raskob am Mittwoch vor der örtlichen Politik im Haupt-Ausschuss des Rates und erntete keinen Widerspruch. „Aber es ist eine Möglichkeit, an der Parkentwicklung teilzunehmen.“ Sie warb dafür, ruhig einmal die anderen Grünanlagen und Parks der Stadt zu entdecken. Die seien „alle in einem sehr guten Pflegezustand“.

Und die Gruga? Achselzucken beim OB: In den kommenden Wochen blieben die Tore sicher noch geschlossen.

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