Keramische Werkstatt

Die Keramische Werkstatt auf dem Zollverein-Gelände baut um

Die Keramikerin Daniela Glattki (l.) und Mitarbeiterin Claudia Prien im Verkaufsraum der Keramischen Werkstatt Margarethenhöhe auf Zollverein.

Die Keramikerin Daniela Glattki (l.) und Mitarbeiterin Claudia Prien im Verkaufsraum der Keramischen Werkstatt Margarethenhöhe auf Zollverein.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Stoppenberg.  Im Verkaufsraum muss Platz geschaffen werden: Aus den Beständen werden Teller, Becher, Tassen, Vasen und Schalen angeboten. Ein Besuch vor Ort.

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Die Bauvoranfrage ist durch, im Frühjahr 2020 soll es losgehen: Die Keramische Werkstatt Margarethenhöhe GmbH, die trotz ihres Namens schon seit den 1930er Jahren auf dem Zollverein-Gelände beheimatet ist, möchte den Verkaufsraum umbauen. Der mit schwarzem Holz verkleidete Bau in der Bullmanaue 19 ist ein eigenes Gebäude und stammt noch original aus der Zeit, als die Ruhrkohle AG (RAG) dort ein Baulager für die Zeche betrieb.

Doch wohin mit den Tellern, Schalen, Tassen, Krügen, Vasen und vielen anderen Keramiken? „Wir können sie nicht in der Werkstatt lagern, da ist kein Platz mehr“, sagt Keramikmeisterin Daniela Glattki. Also kam das Team auf den Gedanken eines Ausverkaufs. Der findet nun bis kurz vor Weihnachten zu den üblichen Öffnungszeiten der Keramischen Werkstatt statt.

Seit 1987 ist der Standort an der Bullmannaue

Die Keramische Werkstatt, die 1986 von der RAG in die Hände von Young-Jae Lee und Hildegard Eggemann überging und seit 1993 von Lee geleitet wird, zog 1987 zum Standort Bullmannaue. Aus den Werkstätten für Schreiner und Elektriker wurde die Manufaktur.

Fünf festangestellte Keramiker, drei Auszubildende und ein bis zwei Praktikanten sitzen hier aktuell an den Töpferscheiben. Geschirr geformt, glasiert und gebrannt wird von ihnen auch heute noch nach den formalen Grundprinzipien des Bauhauses. Geliefert wird an Hotels, Restaurants sowie Privatkunden – und das nahezu weltweit.

Einzelstücke sind vielfältig kombinierbar

Dabei ist trotz der Serienproduktion dennoch jedes Stück quasi ein Unikat, wie Daniela Glattki erläutert. „Wir produzieren nicht große Geschirrservices wie die anderen Markenfirmen, sondern Einzelstücke. Diese sind vielfach kombinierbar.“ So, wie sich die Lebensumstände eines Menschen änderten, könne mit dem Programm der Keramischen Werkstatt, das 56 Artikel in 15 Formen beinhalte, das hauseigene Geschirr flexibel angepasst werden, denn „das Leben ist bunter geworden“, findet die Keramikmeisterin.

„Erst ist man allein, hat einen Teller und eine Tasse, dann möchte man Gäste bewirten und braucht Schüsseln oder gründet eine Familie. Unsere Geschirre können jederzeit ergänzt werden“, führt Glattkis Kollegin Shoko Ishioka aus. Sie stammt aus Japan und hat in ihrem Heimatland viele Stammkunden: „Da sind unsere Kaffeetassen der Renner. Denn das sogenannte Henkeln kann nicht jeder Keramiker.“

Ausbildung nach den Prinzipien des Bauhauses

Ausbildung, die Weitergabe des Töpferhandwerks und der -kunst, ist seit der Gründung der Essener Werkstatt oberstes Ziel „Wer, wenn nicht wir, sollte es tun?“, fragt Shoko Ishioka angesichts einer immer uniformer werdenden (Geschirr-)kultur. So lernen die Auszubildenden Form und Funktion zu vereinen unter den Prinzipien des Bauhauses. „Wir probieren dabei vieles aus, verwerfen, ändern“, erklärt Glattki.

Über die Jahre haben so viele Produkte den Bestand vermehrt. Gesellen- und Meisterstücke sind darunter, Krüge, Tassen, Vasen, Services in verschiedenen Tönen. Sie alle werden nun zu günstigen Preisen angeboten. „Und wir hoffen, alle kommen in neue Hände“, so Mitarbeiterin Claudia Prien, die den Abverkauf organisiert.

Die Geschichte der Keramischen Werkstatt Margarethenhöhe

Die Wiege der Keramischen Werkstatt stand in der Gartenstadt Margarethenhöhe. Bereits 1906 von Margarethe Krupp als Stiftung für Wohnungsfürsorge gegründet, sollten nicht nur Werksangehörige, sondern alle Bürger an diesem Ort von besseren Wohnangeboten profitieren.

Die Margarethenhöhe wuchs aber auch zur Künstlersiedlung heran. Hier lebten und arbeiteten in den 1920er und 30er Jahren Künstler aus verschiedenen Sparten: Bildhauer, Emailleure, Maler, Grafiker, Schriftgestalter, Buchbinder und Goldschmiede fanden sich Tür an Tür. Den Anfang machte 1919 das Kleine Atelierhaus für den Grafiker Hermann Kätelhön. Später folgten die Keramische Werkstatt, das Werkhaus und das Große Atelierhaus.

1933 erfolgte der Umzug nach Stoppenberg

Die Bauten der Gartenstadt, so die Idee, sollten mit keramischem Schmuck ausgestattet werden. Hermann Kätelhön, künstlerischer Berater von Margarethe Krupp, initiierte daher 1924 die Keramikwerkstatt und bestimmte den Bildhauer Will Lammert zum Leiter. Lammert, für den eine Bildhauerwerkstatt im Haus Hohlweg 189 geschaffen worden war, erhielt für den Ausbau zur Keramikwerkstatt im selben Haus aus Spenden 25.000 Goldmark. Die Stadt Essen zahlte den Umbau von 8000 Mark. Es folgte wenig später die Gründung einer GmbH.

Qualitätvolle Keramik zu formen, blieb auch unter Johannes Leßmann das Ziel. Der Bauhaus-Keramiker wurde 1927 Werkstatt-Leiter. Das Programm wurde auf die Herstellung von Serienkeramik umgestellt und begründete bei strenger Einhaltung der Formgebungsprinzipien des Bauhauses die Tradition einer Manufaktur für anspruchsvolles Gebrauchsgeschirr.

1933 erfolgte der Umzug in ein Gebäude der Zeche Zollverein. Neue Gesellschafter wurden die Stadt Essen, der Verein für die bergbaulichen Interessen sowie der Verein zur Pflege der Kunst im rheinisch-westfälischen Industriebezirk. Die Anteile der Stadt übernahm die Rheinelbe Bergbau. 1968 ging die Werkstatt in den Besitz der Bergbau AG (später RAG) über.

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