Rettungsdienst

Die Mobilen Retter können in Essen bald an den Start gehen

Eine Schülerin übt die Wiederbelebung an einem Dummy: Nicht viel mehr sollen Mobile Retter lernen.

Eine Schülerin übt die Wiederbelebung an einem Dummy: Nicht viel mehr sollen Mobile Retter lernen.

Foto: Pleul

Essen.   Essens Feuerwehr-Direktor Ulrich Bogdahn rechnet in wenigen Wochen mit der Freigabe. Dann sollen Helfer per Handy-App alarmiert werden.

Eine Minute, die entscheidet, ob der Mensch, der da als Notfall in der Wohnung liegt und dessen Herz aufgehört hat zu schlagen, wieder zurückgeholt wird. „Eine Minute kann über Leben und Tod entscheiden“, sagt Essens Feuerwehr-Chef Ulrich Bogdahn, „oder darüber, ob es danach ein Leben als Pflegefall wird, oder das Leben wieder in die gewohnten Bahnen zurückfindet.“ Das Projekt „Mobile Retter“ soll genau diese Minute bringen.

Sobald Oberbürgermeister Thomas Kufen die entsprechenden Verträge unterschrieben hat, soll die Handy-Hilfe-App in Essen stadtweit an den Start gehen. „Wir rechnen Anfang Mai damit, die Papiere sind noch zur letzten Abstimmung in der Stadtverwaltung auf dem Weg“, sagt Stadtsprecherin Jasmin Trilling.

Die rechtlichen Fragen sind geklärt

Die rechtlichen Fragen sind inzwischen geklärt. Bei einem Menschen, dessen Herz aufgehört habe zu schlagen, könne man nicht viel falsch machen, sagt Bogdahn, „dafür ist die Chance, ihn mit einer Reanimation zu retten, ungleich größer“. Mit mindestens 100 Rettern will Essens Feuerwehr starten. Bogdahn ist optimistisch: „Wir denken dabei natürlich auch an die vielen Pflegekräfte, die in Essen arbeiten, an Krankenschwestern, Polizisten, Arzthelferinnen, das sind alles potenzielle Mobile Helfer.“

Eine Minute drücken kann Leben retten

Das System ist denkbar einfach: Die ausgebildeten Helfer, die an diesem Handy-App-System teilnehmen, werden – wenn sie sich in der Nähe des Einsatzortes befinden – parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Nehmen sie den Einsatz an, werden die Angehörigen, die den Notruf gewählt haben, umgehend informiert: „Da kommt jetzt gleich ein Mobiler Retter zu ihnen.“ Die Idee: Die Helfer leiten sofort die Reanimation ein, bevor die Profis eintreffen: „Eine Minute drücken kann schon entscheidend sein.“

Bei schweren Verletzungen kommen Mobile Retter nicht zum Einsatz, da ihnen dafür die nötige Ausrüstung fehlt und dies auch nicht ihrem Ausbildungsstand entspricht.

„Wir wollen keine Rettungssanitäter schulen“

Denn für die Ausbildung, so Bogdahn, genügt ein Samstag: „Wir wollen ja keine Rettungssanitäter schulen. Es geht uns um die wichtigsten Dinge bei einem Notfall, vor allem um die Reanimation.“ Die Multiplikatoren dafür stehen inzwischen bereit: „Wir würden sie auch gerne in die Schulen schicken. Eigentlich gehört das Thema in jeden Lehrplan.“ Andere Länder seien da schon deutlich weiter.

Immerhin ist Essen mit der Mobile-Retter-App die erste Großstadt, die nach Osnabrück, Ingolstadt, Unna oder Kleve auf das System setzt. Immerhin: In 50 Prozent dieser Städte vergingen weniger als fünf Minuten zwischen Alarmierung und der Hilfe durch Mobile Retter. Bis der Rettungswagen in Essen eintrifft, sind es in der Regel acht Minuten. Dabei steigt die Überlebenschance je nach Art des Notfalls mit jeder Minute um bis zu zehn Prozent.

>>>MOBILE RETTER

  • In zehn aktiven Regionen ist das System eingeführt, rund 2,9 Millionen Menschen können damit erreicht werden. Aktuell stehen 5300 Retter zur Verfügung, bundesweit sind bereits 15.500 Retter registriert. Neben Essen bemüht sich vor allem Bielefeld um einen Aufbau.
  • Mobile Retter wurden bislang in 10.700 Fällen alarmiert, in 4900 Einsätzen leisteten sie tatsächlich auch Erste Hilfe.

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