Holsterhauser Bürgerbund

Diskussion um Arbeit des Holsterhauser Bürgerbundes hält an

Der Nachmittagsmarkt auf der Gemarkenstraße zählt für viele Holsterhauser Bürger zum Pflichtprogramm am Donnerstag. Mehr Veranstaltungen wie diese wünscht sich mancher – und nimmt dafür auch den Bürgerbund in die Pflicht.

Der Nachmittagsmarkt auf der Gemarkenstraße zählt für viele Holsterhauser Bürger zum Pflichtprogramm am Donnerstag. Mehr Veranstaltungen wie diese wünscht sich mancher – und nimmt dafür auch den Bürgerbund in die Pflicht.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Die Kritik am Holsterhauser Bürgerbund hält an. Nun trat SPD-Ortsvereinvorsitzender Benno Justfelder aus dem Verein aus.

Die Kritik war harsch, die Harald Hagen von der Initiative „Wir sind Holsterhausen“ unlängst in dieser Zeitung auch an die Adresse des Holsterhauser Bürgerbundes (HBB) richtete: Sein Vorwurf: Die Holsterhauser und besonders der Verein müsse sich bei der Organisation von Veranstaltungen im Stadtteil mehr einbringen. Nun zieht die Sache offensichtlich Kreise. So hat Benno Justfelder, Ortsvorsitzender der SPD Holsterhausen, seinen Austritt aus dem HBB erklärt – nach gut 10 Jahren.

Mit seinem Austritt bringt Benno Justfelder weniger seine persönliche Unzufriedenheit bezüglich der Arbeit des HBB zum Ausdruck, sondern eher darüber, was der Verein leisten sollte, aber nicht tut. „Als ich in den Verein eintrat, geschah dies ganz bewusst, weil ich den Kontakt zu Vereinen und Akteuren aus dem Stadtteil aufbauen und pflegen wollte.“ Ein Wunsch, der, wie Justfelder sagt, auf Gegenseitigkeit beruhte, „da der HBB neue Mitglieder suchte und vor allen auch Jüngere für den Verein begeistern wollte.“ Heute fällt sein Fazit eher ernüchternd aus: „Mit meinen 63 Lenzen bin ich einer der Jüngeren im Verein. Das ist bezeichnend.“

Warum dies so ist, liegt für ihn auf der Hand: „Der Vorstand hat es nicht verstanden, die zunehmend jüngere Generation im Stadtteil für sich und seine Arbeit zu gewinnen.“ Traditionelle Aktionen des HBB wie der jährliche Spaziergang durchs Malerviertel, das Konzert in der Empfängniskirche und auch die Weihnachtsbeleuchtung seien völlig okay und auch wichtig für den Stadtteil. Was Justfelder fehlt: Die jüngste Kritik Harald Hagens habe deutlich gemacht, dass es dem HBB offensichtlich schwer fällt, sich anderen Akteuren zu öffnen. „Vielleicht“, so vermutet Justfelder, „ist der Verein in seiner Struktur einfach zu verfestigt, um dies zu leisten.“ Doch genau dies sei nötig, um Holsterhausen weiter zu entwickeln.

„Bin mit 63 Jahren einer der Jüngsten im Holsterhauser Bürgerbund

Zu dieser Entwicklung gehört laut Justfelder auch die aktuelle Diskussion um das städtische Netz der Fahrradstraßen, zu der künftig auch die Gemarkenstraße zählen soll. Schon zu Beginn dieses Jahres hatte HBB-Vorsitzende Susanne Groppe in dieser Zeitung betont, dass man eine Fahrradstraße in Holsterhausen nicht brauche. „Das hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Justfelder. Der SPD-Mann hatte sich in der Vergangenheit für die Fahrradstraße Gemarkenstraße stark gemacht und über deren Konsequenzen – auch für den Verkehr vor Ort – nicht nur während eines vom SPD-Ortsverein initiierten Bürgerspaziergangs informiert.

HBB-Vorsitzende Susanne Groppe hat indes wortstark auf die Kritik Harald Hagens reagiert. In einem knapp zweiseitigen DIN-A4 Brief an Parteien, politische Mandatsträger sowie Projektpartner in Holsterhausen berichtet sie von einem persönlichen Gespräch mit Hagen, das sie „auf Bitte mehrerer Holsterhauser Bürger“ noch am Tag der Veröffentlichung des Artikels geführt habe – jedoch ohne Ergebnis, wie sie betont. In diesem Schreiben, das laut Groppe in Abstimmung mit dem HBB-Vorstand erstellt wurde, wirft sie Harald Hagen vor, von ihm selbst initiierte Arbeitsgruppen zu den Themen Sicherheit, Sauberkeit, Verkehrsplanung und Veranstaltung im Stadtteil zuletzt habe platzen lassen, ohne den HBB, der seine Teilnahme schriftlich hinterlegt habe, davon zu informieren. Stattdessen habe Hagen ein als „Guerilla-Aktion getarntes Straßenmusikfest“ aus der Taufe gehoben, ohne den HBB in seine Planung einzubeziehen. Generell, so Groppe weiter, distanziere sich der HBB schon zu seinem eigenen Schutz von solchen Veranstaltungen – auch im Interesse der Sponsoren und Unterstützer ihres Vereins. Schlussendlich erneuerte die HBB-Vorsitzende im Schreiben ihr Versprechen, Hagen in seinen Aktionen zu unterstützen, „vorausgesetzt, diese stehen mit den gesetzlichen Vorgaben im Einklang.“

Gespräch zwischen Groppe und Hagen von der Initiative „Wir sind Holsterhausen“

Mit den Aussagen konfrontiert, gibt sich Harald Hagen milde, aber auch ehrlich in der Sache: „Grundsätzlich habe ich erstmal gar kein Problem mit den Aktivitäten des HBB und speziell mit Frau Groppe.“ Das Gespräch sei jedoch durch Dieter Michael, einem alten Holsterhauser Sozialdemokraten, vermittelt worden. Er wolle vermeiden, dass Holsterhausen durch mögliche Querelen Schaden erleidet. „Meinen Vorschlag, sich auf einen Kaffee im Fachgeschäft für Stadtwandel zu treffen, lehnte Frau Groppe jedoch kategorisch ab“, erklärt Hagen. Vielmehr legte sie Wert auf eine Unterredung bei sich zu Hause in Haarzopf.“ Die erwähnten Arbeitsgruppen gar nicht mehr gestartet zu haben, bestätigt Hagen. Jedoch nicht, ohne darauf zu verweisen, dass die Resonanz bei den ersten beiden AGs so dürftig gewesen sei, dass er weitere Treffen für nutzlos hielt. Auch legt er größten Wert darauf, dass sich das Straßenmusik-Fest stets in den klar geregelten gesetzlichen Richtlinien bewegt habe. „Die Musiker hatten sogar laminierte Gesetzestexte dabei, um für einen möglichen Besuch des Ordnungsamtes gewappnet zu sein.“

Straßenmusikfestival bewegte sich im Rahmen der Gesetze

Fiel das Straßenmusikerfest also durch das Bewertungsraster des HBB, stellt sich die Frage, warum sich der Verein nicht an der zuvor von Harald Hagen initiierten Blumenampel-Aktion beteiligt habe. „Dazu fehlt uns, um ehrlich zu sein, das Geld“, erklärt Susanne Groppe. Bei einem Vereinsbeitrag von gerade einmal 18 Euro pro Mitglied und Jahr sei der Verein in erster Linie auf Sponsoren, Unterstützer und auch die Bezirksvertretung angewiesen. Oder, wie im Fall des Spaziergangs durchs Malerviertel, auf Fördermittel des Landes. „Die Einnahmen reichen gerade aus, um die eigenen Aktionen zu deckeln“, sagt Groppe. „Wir sind eben keine Privatperson, sondern müssen alles anmelden und auch die laufenden Kosten unseres Vereins bezahlen.“

Zum Etat des HBB gehört auch die Pflege der eigenen Homepage. Klickt man dort auf „Aktuelles“ erhält man die Termine des Vorjahres. „Das ist ein echtes Sorgenkind bei uns“, gibt Susanne Groppe zu. „Bislang wurde die Vereinsseite ehrenamtlich betreut, doch wir bemühen uns um eine Bezahllösung.“

Für Benno Justfelder ist das ein weiteres Indiz dafür, dass der Verein sich nicht weiterentwickelt. Dass er als SPD-Ortsvorsitzender im 19. Jahr das Schreiben vom HBB nicht zugesandt bekam, wundert ihn nicht: „Wahrscheinlich deshalb, weil Frau Groppe schon vorher von meinem Austritt wusste, den ich vor Tagen per E-Mail kundgetan habe. Ich fühle mich dadurch in meinem generellen Eindruck vom HBB bestätigt.“ HBB-Vorsitzende Susanne Groppe will von der E-Mail nichts gewusst haben: „Doch ich bedauere den Austritt.“

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