Bombendrohungen

Ditib nach Drohung gegen Moscheen: „Alptraum geht weiter“

Bombendrohung in Essen-Steele: Ein Großaufgebot der Polizei sperrte den Bereich um die Ulu-Moschee an der Westfalenstraße am Mittwoch (12. Februar) ab. Explosive Stoffe wurden nicht gefunden.

Bombendrohung in Essen-Steele: Ein Großaufgebot der Polizei sperrte den Bereich um die Ulu-Moschee an der Westfalenstraße am Mittwoch (12. Februar) ab. Explosive Stoffe wurden nicht gefunden.

Foto: Justin Brosch

Essen.  Der Moscheen-Dachverband Ditib NRW Essen macht rechtsextremistische Kreise für die Bombendrohungen gegen vier Moscheen verantwortlich.

Die anonymen Bombendrohungen vor zwei Tagen (12. Februar 2020) gegen mehrere Moscheen im Ruhrgebiet, darunter auch die Essener Ulu-Moschee, haben nach Angaben des Ditib-Regionalverbandes Essen einen politischen Hintergrund. „Die Mails waren rechtsextremistisch und islamfeindlich motiviert“, erklärt der Religionsverband.

Die an die Ulu-Moschee in der Westfalenstraße (Essen-Steele) gerichtete E-Mail, die dieser Redaktion vorliegt, ist unterzeichnet von einer so genannten „Kampfgruppe 18“. Die Zahl 18 ist typisch für faschistische und rechtsextreme Kreise.

Droh-Mail an Essener Moschee ist unterschrieben mit „Kampfgruppe 18“

Die „18“ steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet: die Initialen Adolf Hitlers. Die Ulu-Moschee wird überwiegend von türkischen und türkischstämmigen Gläubigen besucht. In der Droh-Mail heißt es: „Heute werden wir Rache an den türkischen Parasiten in Deutschland nehmen.“

Das Bundesinnenministerium hat im Januar dieses Jahres eine militante Neonazi-Gruppierung mit der ähnlichen lautenden Bezeichnung „Combat 18“ verboten. Schon nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hatten sich verschiedene Landesinnenminister für die Zerschlagung dieser Neonazi-Gruppe ausgesprochen.

Der mutmaßliche Lübcke-Mörder soll Verbindungen zu dieser Gruppe haben. Als einer der führenden Köpfe von Combat 18 gilt ein Dortmunder Neonazi, der vorübergehend bei einem Essener Bauunternehmen beschäftigt gewesen sein soll.

„Islamfeindlichkeit hat ihren Höhepunkt erreicht“

In der Ditib-Erklärung („Der Alptraum geht weiter“) werden Politik und Gesellschaft zum Handeln aufgefordert, „bevor es zu spät ist“. Der Essener Regionalverband beklagt die seit Jahren andauernden Angriffe auf Moscheegemeinden, die für „Spannung und Angst“ sorgten. „Die Islamfeindlichkeit hat ihren Höhepunkt erreicht“, heißt es.

Wer hinter den anonymen Droh-Mails stecke, sei ungeklärt. Die Polizei habe die Ermittlungen übernommen.

Wie berichtet, richteten sich die Droh-Mails gegen drei zum Ditib-Regionalverband Essen gehörende Moscheen (Essen, Unna, Hagen) und gegen eine Moschee in Bielefeld.

Die Polizei setzte Sprengstoff-Spürhunde ein, die jedoch nicht anschlugen. Die Westfalenstraße in Essen-Steele war aus Sicherheitsgründen mehrere Stunden gesperrt.

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