Prozess

"Ehrenmord": Anwälte rügen Tippfehler der Anklageübersetzung

Das Gericht verhandelt den "Ehrenmord"-Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Das Gericht verhandelt den "Ehrenmord"-Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

Essen  Zum Großteil sind es Tippfehler, die von der Verteidigung im "Ehrenmord"-Prozess gerügt werden. Jetzt sorgen sie für Verzögerungen.

Der Syrer-Prozess um einen versuchten „Ehrenmord“ mit 13 Angeklagten kommt nur mühsam in Gang. Einige Verteidiger wollen mit Anträgen das Verfahren platzen lassen, weil sie in der arabischen Übersetzung der schriftlichen Anklage gravierende Fehler vermuten. Das Gericht gibt sich gelassen, gewährt jetzt eine längere Pause zur Überprüfung der Anklage. Richter Jörg Schmitt: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“

Es ist das übliche Prozedere zu Beginn eines solchen Mammutprozesses, an dessen Ende hohe Strafen für die Angeklagten drohen. Den Mitgliedern eines syrischen Familienclans wird vorgeworfen, den Tod eines 19-jährigen Esseners geplant zu haben, weil er ein außereheliches Verhältnis mit einer 18 Jahre alten Ehefrau aus dem Clan hatte.

Mit Holzknüppeln und Messer brutal attackiert

Mit Holzknüppeln und Messer sollen sie ihn am 31. Mai 2018 auf einem Hinterhof an der Steeler Straße in Essen übel misshandelt haben. Dass eine Nachbarin laut rief, sie habe die Polizei angerufen, habe ihm das Leben gerettet.

Als Drahtzieher und Antreiber der Aktion sitzen mit Mutter und Tante der 18-Jährigen zwei Frauen auf der Anklagebank, die selbst nicht vor Ort waren. Sie waren von mehreren Zeugen aus der Familie beschuldigt worden, den Tod des 19-Jährigen gefordert zu haben.

Ein Angeklagter ist im Zeugenschutzprogramm

Eigentlich hatten am Montag, zweiter Prozesstag, zwei bislang überwiegend geständige Angeklagte aussagen sollen. Einer von ihm ist im Zeugenschutzprogramm. Sein Aufenthaltsort wird geheimgehalten. Zehn der Angeklagten sitzen in U-Haft.

Doch am Montag geht es um die Übersetzung der Anklage. Einer der Anwälte hat die Fehler, die ihm aufgefallen sind, in einer längeren Schrift aufgelistet. Gerichtsgutachter Khano Khano, seit vielen Jahren als Dolmetscher im Einsatz für Polizei und Justiz, bestätigt einen Großteil der genannten Fehler. Allein: Es sind oft Zahlendreher oder reine Tippfehler. Wer sucht, findet solche Fehler auch in einer deutschen Anklage.

Gericht will sich nicht unter Druck setzen lassen

Das Gericht scheint jedenfalls nicht gewillt zu sein, die geforderte Aussetzung des Verfahrens anzuordnen. Schmitt betont, dass es sich keinesfalls um grobe Fehler des Dolmetschers handele. Er weist auch daraufhin, dass der Anwalt in seiner eigenen Schrift ebenfalls Fehler übersehen habe.

Jetzt fällt der nächste Prozesstag aus. Zeit, um die Anklageübersetzung zu überprüfen. Das Gericht zeigt, dass es sich nicht durch Verteidigeranträge unter Druck setzen lässt und beraumt neue Termine bis in den September an. Ursprünglich hatte das Verfahren im Juli enden sollen.

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