Online-Petition

Einschulung: Essener Petition für neuen Termin erobert NRW

Für Fünfjährige kann der Grundschulbetrieb überfordernd sein.

Für Fünfjährige kann der Grundschulbetrieb überfordernd sein.

Essen.   Mehr als 1000 Bürger täglich unterzeichnen die Online-Petition einer Essenerin, die eine neue Regelung des Einschulungstermins fordert.

18.000 Bürger in NRW haben in nur zehn Tagen bei einer Online-Petition mitgemacht, die die Wahlfreiheit für Eltern einfordert beim Einschulungsdatum ihrer Grundschulkinder. Die Initiatorin Sylvia Montanino (41) aus Essen ist überwältigt von der Resonanz: „Dass so viele Leute für eine Wahlfreiheit stimmen, hätten wir nie gedacht.“

Viele Fünfjährige in den ersten Klassen

Bislang gilt: Kinder müssen im Sommer eingeschult werden, wenn sie bis zum 30. September eines Jahres sechs Jahre alt werden. Das bedeutet, dass in der jeder Klasse auch einige Fünfjährige sitzen. Nur durch ein ärztlichen Gutachten kann das Kind ein Jahr länger im Kindergarten bleiben. Im Zweifel entscheidet der Schulleiter.

Sylvia Montanino, Mutter einer dreijährigen Tochter, fordert eine Änderung der Regel: „Das Stichtags-Datum muss auf den 30. Juni vorgezogen werden. Eltern von Kindern, die im Juli, August oder September sechs Jahre alt werden, sollten selbst entscheiden können, ob ihr Kind schon in die erste Klasse kommt oder noch im Kindergarten bleibt.“

Seit dem 2. Februar ist die Petition online, verbreitet sich in Windeseile über soziale Medien wie Facebook und Whats-App-Gruppen. Erfolgreiche Vorbilder für die Petition gab es in Niedersachsen und Bayern, wo das Gesetz geändert wurde.

Seit dem Start der Petition bekommt Sylvia Montanino viel Zuspruch von betroffenen Eltern: „Ich höre jetzt sehr oft, dass Väter und Mütter sich gewünscht hätten, ihr Kind ein Jahr lang zurückzustellen zu lassen – Studien untermauern, dass Fünfjährige oft mit dem Grundschulbetrieb überfordert sind.“ Die Folgen: Schlechte Noten, Sitzenbleiben und somit frühe Frust-Erlebnisse am Anfang einer langen Schullaufbahn.

Petition will einen Denkanstoß geben

Sylvia Montanino und die Initiatoren der Petition argumentieren außerdem so: Bis 2008 gab es den Stichtag 30. Juni, er wurde dann schrittweise nach hinten verlagert. „NRW gehört zu den wenigen Bundesländern, die am Stichtag 30. September weiter festhalten.“ Die Petition wolle einen „Denkanstoß“ für eine Gesetzesänderung geben.

Bis Ende August müssen 29.000 Unterstützer mitmachen, damit das Thema im Landtag debattiert wird. „Es sieht so aus“, sagt die Buchhalterin aus Essen, „dass wir dieses Ziel erreichen.“

Land will Regel nicht ändern

Ob die Petition Erfolg hat, steht aber in den Sternen: „Es gibt keine Bestrebungen, Änderungen vorzunehmen“, teilt das NRW-Schulministerium mit. Der Stichtag sei im Jahr 2017 auf Ende September eingefroren worden, und Eltern hätten mittlerweile mehr Mitspracherechte als früher, weil auch sie Gutachten von Ärzten einreichen könnten. Zuvor war allein ein schulärztliches Gutachten ausschlaggebend.

Betül Durmaz, Leiterin einer der größten Essener Grundschulen, der Schule im Nordviertel, hat mit Fünfjährigen in ersten Klassen eine eindeutige Erfahrung gemacht: „In der Regel sind diese Kinder noch zu jung. Ihnen sollte ein Jahr mehr Zeit zum Spielen und Erfahrungen sammeln gegönnt werden.“

Die Petition finden Sie hier.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben