Musiktheater-Inszenierung

Ensemble Ruhr vermittelt Sehnsüchte aus Essener Stadtteilen

Eine Wand aus Bierkästen diente als Kulisse bei der Musiktheater-Inszenierung „Essener StadtTRÄUME“ im Maschinenhaus der Zeche Carl. 

Eine Wand aus Bierkästen diente als Kulisse bei der Musiktheater-Inszenierung „Essener StadtTRÄUME“ im Maschinenhaus der Zeche Carl. 

Foto: Sven Thielmann

Essen.  Das „Ensemble Ruhr“ wurde für sein Projekt „Essener StadtTRÄUME“ im Maschinenhaus bejubelt. Montagabend kann man es in der Kreuzeskirche erleben

Träume sind Schäume, weiß der Volksmund. Was irgendwie ganz schön zu der riesigen Wand aus Stauder-Bierkästen passte, die bei der Musiktheater-Inszenierung „Essener StadtTRÄUME“ im Maschinenhaus der Zeche Carl die Projektionsfläche für die, nun ja, verträumten Bilder des Filmemachers Klaus Betzl bot.

Illustratives, allzu oft nur schwer erkennbar im Hintergrund vorbeiflimmerndes Beiwerk einer bemerkenswert intensiven Performance des „Ensemble Ruhr“, das unter der Regie von Ines Habich die Sehnsüchte, Wünsche und Gedanken ganz unterschiedlicher Menschen aus sechs Essener Stadtteilen ihrem Publikum vermittelte. Was konzeptionell aus zwei Gründen hochspannend war.

Wurden doch die Stimmen aus Stoppenberg, Byfang, aber auch der Innenstadt oder Rüttenscheid von den absichtlich klischeehaft gekleideten Instrumentalisten, überwiegend jungen Damen, nicht allein visualisiert, sondern auch mit Verve in den Raum gestellt. Was reizvolle Kontraste bei der Rezitation der Textfragmente ergab. Hieß es von der Mutter aus dem idyllischen Byfang: „Wir haben 149 Pferde“, konterte der Stoppenberger Biker in Gestalt des Konzertmeisters Stefan Hempel: „Und wir haben die Nonnen“. Gemeinsame Schnittmenge unisono quer durch die Stadt: „Lieber Gott, bitte lass die Kirche stehen.“

Reizvolle Beziehungsgeflechte zwischen Jung und Alt

So entfalteten sich im Bierkasten-trunkenen, immer wieder gruppenweise bespielten Bühnenbild reizvolle Beziehungsgeflechte zwischen Jung und Alt, Nord und Süd, deren „Stadtträume“ von Banalitäten über anrührende Glücksmomente bis hin zur martialischen Weltveränderungspose zahllose Facetten aufwiesen. Was hinreißend – und damit sei der zweite Aspekt der theatralischen Inszenierung genannt – mit der kammermusikalischen Grandezza des „Ensemble Ruhr“ korrelierte.

Denn wie leichtgängig dieses Streichorchester als Intermezzi von Edgar Elgars „Streicherserenade e-moll, Op. 20“ über Johann Sebastian Bachs „Konzert für 2 Violinen d-moll, BWV 1043“ bis hin zu der nur selten zu hörenden „St. Paul’s Suite“ von Gustav Holst durchaus anspruchsvolle Klangkunst in schön durchgezeichneter Farbigkeit ihren atemlos lauschenden Zuhörern kredenzte, war ein Paradebeispiel moderner Musikvermittlung außerhalb klassischer Musentempel.

Eine starke und begeistert gefeierte Leistung des auch schauspielerisch überzeugenden Ensembles, das heute abend um 20 Uhr mit ihrem Projekt „Essener StadtTRÄUME“ noch einmal zu sehen ist. Dann jedoch in der Kreuzeskirche, was wegen des ganz anderen Ambiente sowohl akustisch wie optisch reizvoll die Erlebnisqualität beeinflussen und womöglich sogar steigern dürfte.

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