Coronavirus

Essen: Gastronomen setzen in Corona-Krise auf "Essen To Go"

Lasst es Euch schmecken: Rainer Bierwirth (2. v. re.), Organisator des Gourmet-Spektakels "Essen verwöhnt", unterstützt den To-Go-Service heimischer Gastronomen mit der Online-Plattform essen-geniessen.de

Lasst es Euch schmecken: Rainer Bierwirth (2. v. re.), Organisator des Gourmet-Spektakels "Essen verwöhnt", unterstützt den To-Go-Service heimischer Gastronomen mit der Online-Plattform essen-geniessen.de

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen  Immer mehr Essener Gastronomen bieten in der Corona-Krise Gerichte zum Abholen an. Auf Pünktlichkeit wird bei der Übergabe großen Wert gelegt.

Die Corona-Krise macht erfinderisch. Immer mehr Essen Gastronomen bieten jetzt leckere Speisen zum Mitnehmen an - oder wie es auf Neudeutsch heißt: To Go. Sogar auf das erlesene Gourmet-Ostermenü vom Sternekoch muss der geneigte Feinschmecker nicht verzichten.

Rainer Bierwirth, Organisator des Gourmet-Spektakels "Essen verwöhnt" auf der Kettwiger Straße, hat eigens seine Homepage "essen-geniessen.de" zur Verfügung gestellt, um Gastronomen und hungrige Kunden zusammen zu bringen. "Das ist ein Service, um den Gastronomen in Essen und im Ruhrgebiet in dieser schwierigen Zeit zu helfen", sagt er. In dieser dramatischen Krise gehe es darum, die Existenz zahlreicher Restaurants zu sichern - einschließlich der damit verbundenen Jobs vom Koch bis zum Servicepersonal.

Sieben Restaurants nutzen Bierwirths Online-Plattform: das Acquario und Da Vinci in Steele, Kiepenkerl und "Der Löwe" (Stadtmitte), Trüffel Da Diego (Rüttenscheid), Sengelmannshof (Kettwig) und Gummersbach in Borbeck. "Die Köche haben die Gerichte so gestaltet, dass sie problemlos abgeholt oder geliefert und Zuhause verzehrt werden können."

Nur zwei Tage nach der Zwangs-Schließung bietet das Gummersbach Essen zum Mitnehmen an

Schweren Herzens haben Helene und Klaus Gummersbach die Tür zu ihrem Restaurant am 17. März schließen müssen - so wie alle anderen Essener Gastronomen auch. Doch die gesamte Küchenbrigade in Kurzarbeit schicken und selbst die Hände in den Schoß legen - das kam für das leidenschaftliche Gastronomen-Ehepaar nicht in Frage. Schon zwei Tage später boten die Gummersbachs ihren To-Go-Service an.

Auch Knut Hannappel, Anfang März vom Guide Michelin zum Sternekoch geadelt, setzt auf To Go. 1500 Kundennamen befinden sich in seinem E-Mail-Register. Als er diesen jetzt sein Ostermenü - Gebeizter Eismeer-Saibling, Gänseleber-Terrine, Cremesüppchen vom Spargel, Bäckchen vom Milchkalb und Schokoladen-Pistazien-Brownie mit mariniertem Rhabarber - schmackhaft machte, sei das Echo überwältigend gewesen. "Binnen vier Stunden war das Menü für Ostersonntag ausverkauft, Tags darauf dann auch das für den Montag", berichtet Knut Hannappel - und fügt hinzu: "Essen außer Haus ist für uns völliges Neuland."

Die Verpackungen sind kompostierbar, viele Gericht werden vakuumiert

Ob Gummersbach, Hannappel oder die anderen Gastronomen: Sie alle legen großen Wert darauf, dass die Kundschaft ihre Bestellung pünktlich abholt. Hannappel "fertigt" jeweils drei Kunden im Viertelstundentakt ab. Die Übergabe erfolgt im Lokal, kein Gast komme dem anderen zu nahe.

Die Vorspeisen und das Dessert werden angerichtet und können im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die warmen Gänge verpackt Hannappels Küchenbrigade so, dass sie mit wenigen Handgriffen schnell erwärmt werden können. Vakuumierte Speisen etwa können ganz einfach im Wasserbad erwärmt und sofort serviert werden.

Helene Gummersbach legt dem Kunden die fertigen Gerichte in kompostierbare Verpackungen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass die Gäste zuhause nicht lange warten wollen. "Die meisten Kunden wollen den Deckel öffnen und die Speise sofort auf den Teller legen." Kundenfotos vom gedeckten Tisch mit Kerzenlicht, verschickt im Whatsapp-Messenger, seien der Beweis, dass die To-Go-Offensive ankomme.

Fernsehkoch Nelson Müller hilft der TV-Nation mit einfachen Kochtipps durch die Corona-Krise

Sterne- und Fernsehkoch Nelson Müller ("Schote") hilft der TV-Nation mit einfachen Kochtipps durch die Corona-Krise. Tag für Tag bereitet er vor laufender Kamera ein Gericht zum Nachkochen zu - zu sehen ist der Kochkünstler täglich um 12 Uhr in der ZDF-Mediathek und im Youtube-Kanal "Besser Essen". Und auch der To-Go-Service brummt. Entweder hole der Kunde die Speisen direkt am Rüttenscheider Stern ab oder die Müller-Crew liefere aus. Neuerdings würden auch die Dienste von Lieferando in Anspruch genommen. Ein Ehepaar habe sich sogar für eine ganze Woche mit Gerichten aus der Müller-Küche eingedeckt. "Der Sauerbraten lässt sich ja sehr gut einfrieren", heißt es.

Über ihre wirtschaftliche Situation verlieren die Gastronomen nicht viele Worte. Der To-Go-Service decke allenfalls die Kosten, heißt es hier. Es sei ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zum regulären Betrieb, heißt es dort. Die Gastronomen ertragen die beklemmende Situation mit einer Mischung aus Trotz und Lebensmut. Helene Gummersbach erlebt sogar, dass die Corona-Krise die Menschen bei aller Distanz und Anspannung näher zusammenbringe. "Wir haben tolle Gespräche mit unseren Gästen und spüren viel Herzlichkeit."

Aktuelle Informationen zur Corona-Krise in Essen in unserem Newsblog

Infobox:

Um Dienstleister, Einzelhandel und die Gastronomie in Essen zu unterstützten, hat die Stadttochter Essen Marketing Gesellschaft auf visitessen.de eine Internet-Plattform "#essenhältzusammen" (Gemeinsam gegen Corona) geschaffen. Nach Stadtteilen von Altenessen bis Werden geordnet informieren Restaurants, Pizzerien, Döner-Lokale und Pommesbuden unter Angaben von Telefonnummern, Webseiten, Uhrzeiten, Anschriften über ihren Abhol- und Lieferservice.

Ein informatives Angebot zum Gastronomie-Angebot im Stadtteil liefern auch einzelne Werbe- und Interessengemeinschaften. Umfassend sind etwa die Informationen der IGR auf ruettenscheid.de/corona/

In der Allgemeinverfügung vom 16. März 2020 zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat die Stadt Essen entschieden, dass Restaurants und Gaststätte bis zum 19. April geschlossen bleiben müssen.

Davon ausgenommen sind Lieferdienste und Imbisse für den Außerhaus-Bedarf.

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