Parkschließung

Essen: Gründe für Park-Schließungen wirken vorgeschoben

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Foto: WAZ

Essen.  Die Kontaktverbote sind enorm wichtig und müssen durchgesetzt werden. Was entbehrlich ist, sind sinnlose Sperrungen zulasten regeltreuer Bürger.

Heerscharen aus allen Nachbarstädten hätten sich also aufgemacht, um den Essener Grugapark zu stürmen, wäre dieser weiter offen geblieben. So berichtet es Umweltdezernentin Simone Raskob und verweist dabei auf „Hunderte“ Telefonate, Mails und Einträge in sozialen Medien...

Nun, das kann man glauben oder auch nicht. Auf der Facebookseite des Grugaparks – immer noch das größte soziale Medium – ist von solchem Ansinnen auswärtiger Bürger jedenfalls nichts zu lesen, und ob die Gruga bei all ihrer Attraktivität wirklich ein „Touristenziel“ ist, für das man massenweise extra aus Hamm anreist, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Die Bürger verhalten sich fast alle regelkonform, warum sollte das im Grugapark anders sein?

Auch die anderen Argumente wirken vorgeschoben. Wer weit über 400 Spielplätze in Essen absperren und überwachen kann, wird wohl auch für die paar mehr in der Gruga noch Flatterband übrig haben. Und wenn die Menschen sich am Baldeneysee, in den Wäldern und in den vielen anderen Essener Parks ganz überwiegend regelkonform und „sozial distanziert“ verhalten, können nur sehr große Misanthropen glauben, dass dann alle ausgerechnet im Grugapark die Sau rauslassen.

Die Umweltdezernentin malt hier Zerrbilder. Jedem kann mal eine falsche Entscheidung unterlaufen, aber man sollte die Bürger dann wenigstens nicht noch für dumm verkaufen.

Wir bestrafen nicht die Regelbrecher, sondern der Einfachheit halber alle

So wie es aussieht, will „Grün und Gruga“ aber weiter nach dem Motto verfahren: Wir bestrafen nicht die Regelbrecher, sondern der Einfachheit halber alle. Anders kann man die Sperrung der Haumannplatz-Wiese nicht interpretieren, die übrigens dem Grugapark direkt benachbart ist. Und das dürfte nur der Anfang sein.

Den Bürgern ausgerechnet der dicht besiedelten Stadtteile ihre Orte der Erholung an frischer Luft zu nehmen, ist aber weder von den Kontaktverboten des Landes NRW noch der Allgemeinverfügung der Stadt gedeckt. Die Bildung von Menschengruppen zu verhindern, ist derzeit notwendig und steht überhaupt nicht zur Diskussion. Übergriffigkeiten wie die Park-Sperrungen leisten dazu keinen sinnvollen Beitrag.

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