Digi Camp

Essener Goetheschule setzt Social Media auf den Stundenplan

Filip Josic und Anouk Brunning beim Instagram-Workshop. Die Zehntklässler der Essener Goetheschule lernen im Digi Camp den Umgang mit digitalen Medien.

Filip Josic und Anouk Brunning beim Instagram-Workshop. Die Zehntklässler der Essener Goetheschule lernen im Digi Camp den Umgang mit digitalen Medien.

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Beim Digi Camp lernen Essener Schüler Chancen und Risiken digitaler Medien kennen. Dafür sind auch Youtube- und Instagram-Profis angereist.

Youtube, Instagram, WhatsApp – Jugendliche verbringen heute einen Großteil ihrer Zeit mit dem Smartphone. Das hat Folgen: Haltungsschäden, zu wenig Bewegung, aber auch Isolation und digitaler Stress können zu einer Belastung werden. Beim Digi Camp in der Goetheschule haben Zehntklässler drei Tage lang mit Leuten aus der Praxis über Chancen und Risiken digitaler Medien gesprochen. Und sie haben ganz viel selbst ausprobiert.

Bei Manuel Senke zum Beispiel. Der Youtuber zeigt den Schülerinnen und Schülern, wie man Videos dreht und schneidet. Mit mehr als 550.000 Abonnenten war Senke bis 2016 unter dem Namen „BrokenThumbs“ erfolgreich. Heute ist er online als „Manultzen” aktiv.

Social Media-Bereich bietet gute Arbeitschancen

Als Social Media-Experte weiß Senke um die Risiken der neuen Medien. „Gerade was die persönlichen Daten angeht, muss man ganz vorsichtig sein, was man preisgibt”, sagt er. Bevor man etwas poste, solle man sich bewusst machen: „Jeder auf der Welt kann das nachher sehen.” Doch Senke sieht auch die positiven Aspekte. „Jedes Unternehmen möchte im Bereich Social Media gut aufgestellt sein. Daher gibt es genug Chancen, dass man in diesem Bereich arbeiten kann.”

Alexander Kuklok hat im Youtube-Workshop heute sein erstes Video gedreht. Für den 16-Jährigen eine bereichernde Erfahrung. „Es ist gut, dass uns das jemand gezeigt hat, der weiß, wie es geht“, findet er. Für Schulleiterin Nicola Haas liegt darin der besondere Ansatz des Digi Camps, das schon zum zweiten Mal in der Goetheschule stattfindet. „Wir wollen die Schüler nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren, sondern Menschen zu Wort kommen lassen, die mit digitalen Medien arbeiten und davon leben”, erklärt sie.

Lehrer können mit dem Digitalen nicht Schritt halten

Lehrer und Eltern könnten den Jugendlichen im digitalen Bereich oft nicht optimal zur Seite stehen. „Man kann sich einarbeiten, aber ein halbes Jahr später ist die Welt schon wieder weiter”, sagt Haas. „Die Entwicklung ist so schnell, man kommt nicht hinterher.“ Umso wichtiger sei es, die Schüler im Umgang mit digitalen Medien zu sensibilisieren und zu schulen.

Das Digi Camp beschäftigt sich mit vier Themenbereichen: Internetsucht, gesunde Ernährung, Bewegung sowie Sicherheit und Respekt im Netz. Es gehe um Fragen wie: „Kann man das Handy auch mal ausschalten?“, erklärt Veronika Stumpf vom Veranstalter BG3000. Gemeinsam mit der Krankenkasse Barmer und dem TÜV Rheinland hat das Bonner Unternehmen das Projekt auf die Beine gestellt. In den Seminaren geht es um Sexting, Cyber-Mobbing und Datenschutz, aber auch um Low Carb und Diäten, die in den sozialen Netzwerken angepriesen werden. Aber sind sie auch wirklich gesund?

Direkte Kommunikation wird durch Messenger ersetzt

Auch im Workshop von Dörte Stahl spielt dieser Aspekt eine Rolle. Die Schüler erstellen Präsentationen, unter anderem zur Gesundheit im Netz. Im Seminar von Anne Forman widmen sich die Zehntklässler in kurzen Erklärvideos diesen und anderen Themen. Präsentieren und Videos erstellen seien gefragte Kompetenzen, sagen die Dozentinnen. Sowohl im Studium als auch in Unternehmen.

Doch der Umgang mit digitalen Medien hat nicht nur Vorteile, darüber sprechen die Schüler im Workshop von Unternehmensberater Michael Bednorz. „Die Face to Face-Kommunikation geht verloren, weil wir immer mehr über WhatsApp schreiben”, sagt die 16-jährige Anouk Brunning. Online würde sie jetzt nicht mehr so viel von sich preisgeben, Name, Alter, Wohnort vielleicht. Ein anderer Schüler zieht die Grenze eher: „Name, das sollte reichen.“

Veronika Stumpf wünscht sich, dass die Schüler das Erlernte auch über die drei Tage hinaus mit in ihren Alltag nehmen. Es sei wichtig, sie im Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien zu sensibilisieren. „Denn vor der Digitalisierung kann man sich nicht mehr verstecken.“

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