Stadtarchiv

Essener Stadtarchiv kooperiert jetzt auch mit Grundschulen

Green (9), Caroline Zielonka, Lina (8) und Maya (7), von links, arbeiten an Urkunden im Haus der Geschichte.

Green (9), Caroline Zielonka, Lina (8) und Maya (7), von links, arbeiten an Urkunden im Haus der Geschichte.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.   Das Haus der Geschichte kooperiert jetzt auch mit Grundschulen. „Historische Bildung kann nicht früh genug starten“, sagt die Leiterin des Hauses.

Das Haus der Geschichte kooperiert jetzt erstmals auch mit Grundschulen. Das Stadtarchiv, das Bildungspartnerschaften mit mehreren Gymnasien unterhält, will damit seinen Status als so genannten „außerschulischen Lernort“ festigen. „Historische Bildung ist politische Bildung, und damit kann man nicht früh genug anfangen“, sagt die Leiterin des Stadtarchivs, Claudia Kauertz. Sie ist seit Anfang März im Amt.

Neue Erfahrungen für Kinder

Jetzt waren Jungen und Mädchen der Grundschule am Wasserturm im Haus der Geschichte, um sich mit der Materie vertraut zu machen: Sie bastelten Schatzkisten, fertigten Siegel an und schrieben ihren Namen in Sütterlin. „Wir haben 500 Jahre alte Urkunden in der Hand gehabt, dafür mussten wir extra Handschuhe anziehen“, sagt Schülerin Alin (9) begeistert. „Wir wussten auch nicht, dass alte Fotos und Unterlagen extra kühl gelagert werden müssen, damit sie länger halten“, berichtet Schülerin Mahnaz (9) nach einem Rundgang durch das Archiv. Einen ganzen Tag lang verbrachten die Jungen und Mädchen im Stadtarchiv; sie waren für die Aktion vorher von ihren Lehrern ausgewählt worden.

Besuche erweitern den Radius von Grundschülern

Unterstützt wurde die Aktion vom Verein „Soroptimist International“: „Jeder Bildungsbeitrag ist ein Beitrag für Völkerverständigung und Frieden“, sagt Sabine Reimann, Präsidentin der Soroptimisten Essen-Süd. Möglich wurde der Besuch der Schüler auch deshalb, weil das Haus der Geschichte derzeit eine Praktikantin hat, die die Maßnahme organisieren konnte: „Wir tragen somit zur Integration der Kinder bei, weil sie ihre Heimat besser kennenlernen“, sagt Caroline Zielonka. Monika Josten, beim Haus der Geschichte für Bildungsprojekte zuständig, sagt: „So etwas geht aber nur, wenn genug Personal im Stadtarchiv da ist, das Bildungspartnerschaften mit Leben füllen kann.“

ZZ

Mit Jugendlichen des Carl-Humann-Gymnasiums, der Luisenschule und des Burggymnasiums stellte das Haus der Geschichte bereits eindrucksvolle Ausstellungen auf die Beine, aus denen hervorragendes Unterrichtsmaterial hervorging. Da ging es unter anderem um die Schulzeit während der Nazi-Jahre, um Zwangsarbeit in Essen oder um die systematische Neuordnung des Schularchivs. Mit Grundschülern muss man anders umgehen, findet Monika Josten: „Da geht es um spielerische Elemente und eine Initial-Zündung. Wer als Grundschüler schon mal da war, kommt womöglich als Mittel- oder Oberstüfler wieder.“ Besonders für Schüler der Grundschule am Wasserturm (Südostviertel) ist so ein Besuch eine wichtige Erfahrung: „95 Prozent unserer Kinder haben einen Zuwanderungshintergrund. Ihr Radius ist oft nicht sehr groß, und Kooperationen helfen, diesen Radius zu erweitern“, sagt Winfried Bega, der Schulleiter.

Beide Seiten haben großes Interesse an Kooperation

Wann und wie es mit Grundschulen im Stadtarchiv weitergeht, ist noch offen. „An langfristigen Beziehungen haben wir großes Interesse“, bekundet Bega. Das sieht man im Haus der Geschichte genauso.

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