Am Seaside-Beach

„Fanta 4“ bringen die Beats einer Generation zum Baldeneysee

Gemeinsam mit ihren Fans blickten die Fantastischen 4 am Baldeneysee auf eine lange Zeit zurück.

Gemeinsam mit ihren Fans blickten die Fantastischen 4 am Baldeneysee auf eine lange Zeit zurück.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Fantastischen 4 lockten tausende Konzertbesucher an den Seaside-Beach. In den 30 Jahren haben sie eine treue Fangemeinde um sich versammelt.

Michael Bernd Schmidt, besser bekannt als Smudo, stellt es noch mal zum Ende des Abends klar: „Nur mit Euch gemeinsam ging das alles!“ Eine übertriebene Floskel ist das nicht. Denn die „Fantastischen Vier“ blicken von der großen Bühne auf tausende Fans, die zum Seaside Beach am Baldeneysee strömten.

Sie stimmen zum Abschluss den Song „Zusammen“ an, mit dem das Hip-Hop-Quartett und der Sänger Clueso im letzten Jahr die Charts stürmten. Doch es sind vor allem die alten Hits, die bejubelt und mitgesungen werden, Titel wie „Die da“ oder „Sie Ist weg“. Die „Fantastischen Vier“ waren dagegen nie weg. Gemeinsam blicken sie auf eine lange Zeit zurück: Seit 30 Jahren mischen die Stuttgarter bereits das Musikgeschäft auf, Deutschen Rap machten sie erst populär. Die Songtexte durften in den 90er-Jahren auf keiner Party fehlen. „Die fantastischen Vier“ prägten eine Generation.

Fan: „An den Fanta 4 kam man einfach nicht vorbei“

Das hört man an diesem Abend immer wieder von den Fans, die bereits am frühen Abend auf das Festivalgelände pilgern. Einige von ihnen liegen noch auf Decken, weit hinten am Strand. Noch ist Zeit, bis die „Fanta 4“ spielen. „Ich bin ja mit ihnen groß geworden, die waren von Anfang an dabei“ erzählt Carsten Preuß (40). „Für mich ist das daher die geilste Band.“ Seine Schwester Christina (33) ergänzt: „Die hören wir schon, seitdem wir in der Schule waren. Aber mittlerweile hören das alle Generationen.“ Daher hat sie auch ihre Tochter mitgenommen. Die Einjährige trägt jedoch Kopfhörer. Denn um diese Uhrzeit wird es lauter. Ein DJ heizt bereits mit HipHop-Klassikern ein. Während die Publikumsmassen Richtung Bühne drängen.

Simone (31) und Stefanie (33) sind mit der Weißen Flotte über den Baldeneysee geschippert und am Seaside Beach gestrandet, um ihre Idole live zu erleben. „Die haben uns die ganze Jugend begleitet“, erinnert sich Simone. Bereits vor zwei Jahren waren die beiden Kupferdreher beim Konzert in Essen dabei. Für sie ist es einfach Pflichtprogramm, wie Stefanie erklärt: „Bei uns liefen die immer im Radio. An den ,Fanta 4’ kam man einfach nicht vorbei.“

Denise Palma sieht das ganz ähnlich: „Das ist Old School. Die gibt es ja schon mein Leben lang und ich bin von Anfang an dabei.“ Die 32-Jährige reiste sogar mal extra nach Leipzig, um die Band zu sehen. Für sie gilt, möglichst viele Konzerte mitzunehmen: „Man weiß ja auch nie, wie lange sie noch auftreten.“ Nur am Hip-Hop liegt diese Begeisterung jedoch nicht, wie Thomas (62) erklärt: „Eigentlich ist das nicht meine Musik, aber ich mag die deutschen Texte und ihren Humor.“

Die Spaßrapper können auch durchaus ernste Songs

Diese Ironie und der Humor ziehen sich etwa durch Songs wie „Gebt uns ruhig die Schuld“, den die Vier ebenso an diesem Abend zelebrieren. Ihr Auftritt gerät zur Show mit bunten Lichteffekten und flotten Videoaufnahmen, die auf der großen Leinwand zu sehen sind. Zum Glück. Denn bei dem Andrang sind die Idole für viele nur aus der Ferne erkennbar. Manche klettern auf die Bäume, um einen besseren Blick zu erhaschen.

Andere lassen sich einfach in der pulsierenden Menge treiben. Von dort sehen sie, wie Thomas Dürr alias Hausmeister Thomas D und Co. über die Riesenleinwand huschen und sich mit den bekannten Rap-Solos abwechseln. Oder Smudo von der Bühne hinabsteigt. Um die frenetisch johlende erste Reihe für ein lässiges Händeklatschen abzulaufen. HipHop geht bei den „Fanta 4“ nicht ohne diesen coolen Fun-Faktor.

Trotzdem spielen die Spaßrapper auch einen Song wie „Endzeitstimmung“ aus ihrem letztjährigem Album „Captain Fantastic“. „Alles geht den Bach herunter“, sagt Smudo in seiner Anmoderation. Arm und Reich? Driften weiter auseinander. Flucht vor Hunger und Krieg? Nimmt weiter zu.

Ihr aktueller Song kreist um Populismus und die Krisen dieser Welt. „Hundert haben nichts zu trinken, denn das Wasser wird knapp. Während einer im Geld schwimmt wie Dagobert Duck“, heißt es etwa. Haltung statt Hetze. Ohne Festivalstimmung geht das allerdings nicht. Daher die lässige Ansage von der Bühne: „Hände in die Luft“. Alle gemeinsam natürlich. Wie in den vergangenen 30 Jahren.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben