Ehrenamtlicher Einsatz

Freiwillige Feuerwehr: Essener blicken auf 50 Jahre Ehrenamt

Sie gehören seit 50 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr in Essen: Brandoberinspektor Martin Jakubek (li.) und Brandinspektor Hans-Joachim Busch.

Sie gehören seit 50 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr in Essen: Brandoberinspektor Martin Jakubek (li.) und Brandinspektor Hans-Joachim Busch.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Freisenbruch.  Großbrände, tragische Momente, gefährliche Einsätze: Martin Jakubek und Hans-Joachim Busch retten, löschen und bergen – ehrenamtlich.

Sie sind in Eiberg aufgewachsen, haben als Kinder auf einer Schulbank gesessen, sind beide hauptberuflich Postbeamte geworden – und haben in ihrer Freizeit Brände gelöscht und Menschen gerettet: Nun sind Martin Jakubek (67) und Hans-Joachim Busch (68) für fünf Jahrzehnte Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr geehrt worden. Eine Ehrung vom Verband der Feuerwehren, die durchaus selten sei, sagte Feuerwehrchef Thomas Lembeck, mit Blick auf die Dauer des ehrenamtlichen Einsatzes.

Was ihre Einheiten betrifft, haben sich ihre Wege schon vor geraumer Zeit getrennt: Brandinspektor Hans-Joachim Busch wechselte zu den Kameraden nach Bergeborbeck; Brandoberinspektor Martin Jakubek blieb in Horst-Eiberg, wurde 1995 Löschgruppenführer und blieb das 17 Jahre lang. Im aktiven Dienst sind sie nicht mehr, aber bis heute verbinden die beiden zahllose Einsätze, zu denen sie gemeinsam ausgerückt sind: um das Feuer in der Apotheke im Hörsterfeld zu löschen („erst kämpften wir uns durch Schnee und Eis, dann flogen uns die Flaschen um die Ohren“) oder in Bergeborbeck gegen die Flammen in der Aluhütte zu kämpfen.

Truppe war so geschrumpft, dass Löschgruppenführer an der Schule um Kräfte warb

Zur Freiwilligen Feuerwehr selbst kamen sie, „weil die Truppe in den 1960er Jahren so geschrumpft war, dass der damalige Gruppenführer vor der Wahl stand, den Laden dicht zumachen oder um Kräfte zu werben“, berichtet Martin Jakubek, der wie seine Mitschüler also einen Brief erhielt. Fünf Achtklässler traten damals ein, die die Feuerwehr insofern kannten, als dass das Fahrzeug sich in der Garage auf dem Schulhof befand. Heute ist die Löschgruppe im sanierten Schulpavillon am Schultenweg untergebracht.

„Ob Räume, Fahrzeuge oder Ausrüstung, wir hätten uns nicht träumen lassen, wie modern die Ausstattung werden würde“, sagt Martin Jakubek und erinnert sich wie auch Hans-Joachim Busch an die Anfänge, in denen sie mit VW-Bus und Pumpenanhänger zu den Einsätzen eilten. Alarmiert wurden sie von der Sirene: Wenn die heulte, sprangen sie ins Fahrzeug (mit Holzsitzen – ohne Funkgerät) und es galt herauszufinden, was geschehen war. Da halfen das Telefon des Nachbarn oder 20 Pfennige für die Telefonzelle, um bei der Leitstelle nachzufragen.

Großeinsatz beim Brand am Steeler Lutherkrankenhaus

Und dann ging es zu manchem Scheunen- und Kellerbrand („eine Zeit lang brannte jede dritte Nacht ein Keller im Hörsterfeld“) sowie 1987 zum Großeinsatz ins Lutherkrankenhaus, wo die beiden Eiberger mit ihren Kameraden zu den ersten Einsatzkräften am Unglücksort zählten. Sie bekämpften den Brand auf dem Dach des OP-Traktes, als das Feuer sich plötzlich ausbreitete. Während Hans-Joachim Busch sich noch vom Dach retten konnte, brach Martin Jakubek ins Bitumendach ein. Doch selbst die Brandverletzungen, die er dabei davontrug, hielten ihn nicht davon ab, nach kurzer Behandlung weiter zu löschen.

Im Gedächtnis sind den Freiwilligen aber nicht lediglich Großbrände, spektakuläre oder kuriose Einsätze geblieben, auch wenn dazu sicherlich das Pferd zählt, das sich mit dem Huf auf den Gleisen in einer Schiene verkeilt hatte und nicht mehr zu retten war, als die S-Bahn kam. Unvergessen bleiben ihnen gleichzeitig ihre Arbeit in Schulen und Kitas, bei der sie die Brandschutzerziehung der Kinder übernahmen. Als leitender Kreisausbilder kümmerte sich Martin Jakubek mit Hans-Joachim Busch als seinem Stellvertreter in dieser Position um die Aus- und Weiterbildung von rund 500 freiwilligen Feuerwehrkräften im Stadtgebiet.

Einsätze bei Martinsumzügen, Kirchen- und Stadtteilfesten

In ihrem Viertel galten ihre Einsätze zudem Martinsumzügen, Kirchen- und Stadtteilfesten – aber auch dem Taubenzüchter, dessen Tiere bei einem Brand verendet waren. Während der noch glaubte, seinen Lebensinhalt für immer verloren zu haben, hatten die Feuerwehrmänner längst beschlossen: „Wir bauen ihnen die Hütte wieder auf.“

Auch die beiden Feuerwehrmänner haben tragische Augenblicke erlebt, als sie etwa dachten, im Bergmannsfeld eine ganze Familie gerettet zu haben, um wenig später ein Kind zu finden, das den Brand nicht überlebt hatte. „Meine Tochter war gerade im gleichen Alter“, sagt Martin Jakubek noch heute tief betroffen. Sie haben diese Einsätze bewältigt, indem sie sich stützten und miteinander sprachen.

Ohne das Verständnis der Familien funktioniert das Ehrenamt nicht

Und sie handelten immer in dem Wissen darum, dass zu Hause ihre Angehörigen warteten und sich durchaus sorgten, wenn sie ihr Leben wieder für andere riskierten. Sätze wie der der zehnjährigen Tochter – „Papa, bei dir kommt erst die Feuerwehr, dann die Post und dann wir“ – ließen Martin Jakubek keinesfalls unberührt, der gleichzeitig dankbar für das Verständnis seiner Familie ist. Ja, gesteht er heute, vielleicht seien sie zu engagiert gewesen. Immerhin gehen mehrere tausend Einsätze auf ihr Konto: „Aber wir wollten Leben retten und das Zuhause der Menschen schützen.“

Eine Motivation, genau das zu tun, „ist auch die enorme Kameradschaft unter den Feuerwehrkräften, die ein Leben lang hält“, sagt Hans-Joachim Busch. Die zwischen ihm und Martin Jakubek zerbrach übrigens selbst dann nicht, als die beiden Jungen einst ins gleiche Mädchen verliebt waren.

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