Kleingeld-Umtausch

Geschäftsidee: Essener ist auf das Klimpergeld der Leute aus

Carsten Tennler demonstriert seinen Zählautomaten. Mit ihm fährt er zu den Kunden und nimmt ihnen das Kleingeld ab – gegen Scheine, versteht sich.

Carsten Tennler demonstriert seinen Zählautomaten. Mit ihm fährt er zu den Kunden und nimmt ihnen das Kleingeld ab – gegen Scheine, versteht sich.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Wer sein gehortetes Kleingeld loswerden will, muss damit zur Bank, die dafür mittlerweile häufig Gebühren nimmt. Oder er ruft Carsten Tennler.

Bis vor kurzem gab es – wie wohl in tausenden anderen Haushalten – auch bei den Tennlers in Altenessen mehrere Gläser voller Kleingeld verteilt in der Wohnung. Dem Familienvater Carsten Tennler schwante längst: „So viele Brötchen können Sie beim Bäcker gar nicht kaufen, um die Cent-Stücke wieder unters Volk zu bringen.“ Zumal der Bäckerladen nur verpflichtet wäre, maximal 50 Münzen anzunehmen. Und Freunde macht man sich dabei auf beiden Seiten der Verkaufstheke auch nicht gerade.

An einem grauen Dezembertag im vergangenen Jahr setzte sich Carsten Tennler deshalb mit Tochter Jule zusammen, und beide begannen zu zählen. Etwa 180 Euro hatten die Tennlers über die Jahre in den Gläsern und Dosen angesammelt. Ein schönes Extra so kurz vor Weihnachten.

Banken und Sparkassen verlangen mittlerweile Gebühren fürs Kleingeld

Doch wohin jetzt mit dem ganzen Geld? Carsten Tennler ist Kunde einer Direktbank. Zur eigenen Bank bringen, kam also nicht in Frage. Tennler fuhr zur Zweigstelle der Bundesbank in der Moltkestraße und tauschte das Kleingeld gegen Scheine ein. Bei der Bundesbank ist das kostenlos, immer mehr Banken und Sparkassen jedoch verlangen von ihren Kunden dafür Gebühren. Auch werden die Wege zur nächsten Bank gerade für ältere Menschen weiter und somit beschwerlicher, weil immer mehr Filialen schließen.

Beim Zählen des Kleingeldes kam Carsten Tennler deshalb eine Geschäftsidee: „Sicher haben doch noch mehr Menschen Probleme mit ihrem gesammelten Münzgeld!“ Er besorgte sich einen Zählautomaten, entwickelte eine Internetseite und meldete ein Kleingewerbe an. Seine neue Firma nannte er Klimpergeld (www.klimpergeld.com). Sein Angebot: Auf Terminvereinbarung kommt er mit seinem Zählautomaten nach Hause und tauscht die Münzen vor Ort gegen Geldscheine. Der Kunde zahlt ihm dafür neben einer Anfahrtspauschale zehn Prozent Service-Gebühr. Das Münzgeld bringt Tennler anschließend wie gehabt zur Bundesbank. „Ich habe vor allem Menschen im Blick, die nicht die Möglichkeit haben, das Geld zu ihrer Bank oder Bundesbank zu bringen.“

Ähnliche Idee aus Amerika

Tennlers Firma gibt es nun seit fast einem Jahr. Der 48-Jährige räumt ein, dass er bislang damit noch nicht das große Geschäft gemacht hat. „Ich habe noch nicht groß Vertrieb gemacht“, sagt er. Im Hauptberuf ist er selbstständiger Versicherungsvertreter und habe damit gut zu tun.

Fast war Tennlers Begeisterung für seine Geschäftsidee schon wieder erloschen, als er vor einigen Tagen einen Artikel in der Zeitung las. Darin wurde das amerikanische Unternehmen Coinstar beschrieben, das derzeit in Real-Märkten Münzautomaten aufstellt. Kunden können dort ihr Kleingeld einzahlen, erhalten einen Wertbon und können ihn an der Supermarktkasse auszahlen lassen. Zehn Prozent behält auch Coinstar als Gebühr ein und nutzt ebenso die Münzmüdigkeit der Banken. Bei Tennler hat der ­Zeitungsbeitrag neuen Ehrgeiz geweckt: „Durch den Artikel ist mir wieder bewusst geworden, dass meine Idee vielleicht gar nicht so schlecht ist. Wenn ein amerikanisches Unternehmen dafür nach Deutschland kommt.“

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