Bildung

GEW Essen: „Die Hauptschule nimmt den Kindern alle Chancen“

Die GEW kritisiert die Situation an Essens Schulen.

Die GEW kritisiert die Situation an Essens Schulen.

Foto: Julian Stratenschulte

Essen.   Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert scharf die Situation an den Hauptschulen und die neuen Pläne des Landes für die Inklusion.

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Die eklatante Situation an den drei Essener Hauptschulen und die erheblichen Mängel bei der Inklusion an allen Schulen will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Essen stärker in den Fokus rücken: „An den Hauptschulen muss endlich was passieren. So jedenfalls kann es nicht weitergehen“, sagt Henner Höcker, Pressesprecher des GEW-Stadtverbandes. Die größtenteils überalterten Kollegien, etwa 120 Lehrerinnen und Lehrer, mit einem Altersdurchschnitt von Mitte 50, seien mit den vielfältigen Aufgaben überfordert.

Mit zu vielen Kindern Inklusion leisten

„Sie sollen mit zu vielen Kindern Inklusion leisten, sie bekommen eine zunehmend problematischere Schülerschaft in die Klassen gesetzt und müssen mit übervollen Klassen den Unterricht bestreiten“, so Höcker. „Die Hauptschule ist zurzeit ein kaputtes Schulsystem. Es nimmt den Kindern alle Chancen.“ So jedenfalls könne Bildung nicht gelingen. Die GEW fordert deshalb bessere Bedingungen, vor allem kleinere Klassen und mehr ausgebildete Lehrer: „Sonst wird sich die Situation weiter verschärfen.“

Auch bei der Inklusion sieht die GEW Grenzen erreicht. Grundsätzlich, sagt Elisabeth Keim, Leiterin des Arbeitskreises Inklusion bei der Gewerkschaft, könne man 99 Prozent der behinderten Kinder in den Regelschulen unterrichten, dies werde in anderen Ländern auch weitgehend realisiert: „Davon sind wir hier sehr weit entfernt. Unter den jetzigen Bedingungen wäre das auch gar nicht möglich.“ Im Gegenteil: Die GEW geht davon aus, dass sich durch den neuen Erlass die Situation weiter verschärfen wird: „Dabei erzählt uns die Politik, es würde besser. Das Gegenteil ist der Fall.“

Die Zielperspektive ist nicht verpflichtend

Das geplante neue „Gemeinsame Lernen“ bezieht bis auf die Gymnasien alle weiterführenden Schulen verpflichtend in die Inklusion ein. Nicht verpflichtend wird für das Land jedoch die „Zielperspektive“ sein: Nicht mehr als 25 Schüler pro Klasse, davon drei behinderte Kinder, bei eineinhalb Lehrer/Sozialpädagogen-Stellen.

„In Essen müssen mehr Schulen ab Klasse 5 Inklusionsplätze anbieten, um den steigenden Bedarf aufzufangen“, so Keim. „Die Stellen im Landeshaushalt reichen aber bei weitem nicht aus, um die Schulen mit Personal zu versorgen.“ Schon jetzt sind nicht einmal zwei Drittel der benötigten Stellen besetzt, an den Förderschulen fehlen bislang bereits 13 Prozent an Förderschullehrern oder Sonderpädagogen. „Und das Schlimme an dem neuen Erlass ist, dass jetzt alles in die 5. Klassen gesteckt wird, die Inklusionsschüler bis Klasse 10 darüber aber vergessen werden.“

Kinder werden in Förderschulen zurückgetrieben

Statt die Inklusion in der Regelschule voranzutreiben, führe der eklatante Mangel nur dazu, dass die Kinder wieder in die Förderschulen zurückgetrieben werden. Diese Entwicklung beschrieb jetzt auch die Schulaufsicht im Essener Schulausschuss. „Wir haben heute schon einen gravierenden Mangel in allen Bereichen des Gemeinsamen Lernens“, sagt Elisabeth Keim. „Mit dem neuen Erlass wird das nur verschleiert.“

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