Handwerk

Glänzende Aussichten: Innung ehrt Essener Goldschmiedin

Die Goldschmiedin Isabell Kurowski zeigt das Armband, das sie als ihr Gesellenstück entworfen und gefertigt hat.

Die Goldschmiedin Isabell Kurowski zeigt das Armband, das sie als ihr Gesellenstück entworfen und gefertigt hat.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Burgaltendorf.  Isabell Kurowski absolvierte ihre Gesellenprüfung zur Goldschmiedin und erhielt als Beste in ihrem Beruf eine Urkunde der Kreishandwerkerschaft.

Goldschmiedegesellin Isabell Kurowski ist sich sicher: Sie hat ihren Traumberuf gefunden und erfolgreich darin ist sie auch. Für ihr Gesellenstück – ein schlicht-elegantes Armband aus Gold und Silber - wurde sie von der Essener Innung mit einer Urkunde geehrt.

Fingerspitzengefühl, Genauigkeit, Kreativität und handwerkliches Geschick sind im Beruf des Goldschmieds gefragt. Isabell Kurowski bringt alles davon mit. Und sie hat noch einen entscheidenden Vorteil, die Freude an ihrem Tun. „Ich habe den schönsten Job der Welt“, ist die 22-Jährige überzeugt.

Thema lautete Thema „Von innen nach außen – von außen nach innen“

Für die Gesellenprüfung am Ende der dreieinhalbjährigen Ausbildung zur Goldschmiedin hatte die Burgaltendorferin zum Thema „Von innen nach außen – von außen nach innen“ zwei Entwürfe erarbeitet. Zwei Schmuckstücke, ein Armband und einen Anhänger, hatte sie auf Papier entworfen. „Man macht eine vollständige Zeichnung, wie die Sache am Ende aussehen soll.“ Die Pläne präsentierte sie in handgemachten Mappen. Dann hieß es ein paar Tage abwarten. Per Brief gaben die Prüfer im Mai das Armband in Auftrag. „Zum Glück, denn diese Idee gefiel mir einfach besser.“ Vier Tage Zeit blieben, um das Gesellenstück in der Kettwiger Manufaktur anzufertigen. Dann musste sie es abgeben.

Isabell Kurowskis Armband kann sich sehen lassen. Zu dieser Ansicht kam auch die Innung. Mehr noch: In einer Feierstunde für die Lehrlinge in den Ausbildungsberufen erhielt die junge Frau Ende November eine Auszeichnung der Kreishandwerkerschaft, weil sie die beste Leistung unter den Gold- und Silberschmieden erzielt hatte. „Bei der Bewertung geht es aber nicht ums Gefallen, sondern um die Umsetzung des Entwurfs.“ Sämtliche Maße wurden mit den eingereichten Zeichnungen verglichen. „Auch die Oberflächenbearbeitung, also das Finish wird streng begutachtet. Und ob der Entwurf zum Thema passt.“

Essenerin absolvierte ein ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kultursektor

Nach dem Fachabitur am Essener Hugo-Kükelhaus-Berufskolleg in 2015 absolvierte die damals 18-Jährige zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kultursektor. Dafür ging sie nach Paderborn und lernte die Arbeit in einer traditionsreichen Glasmalerei kennen. In den Werkstätten werden vielfältige Projekte fürs In- und Ausland ausgeführt. Das Künstlerische gefiel ihr. „Aber ganz das Richtige war es noch nicht für mich.“ Bei einem Vergoldermeister in Steele hatte sie parallel zur Schule schon Gefallen an der Restauration gefunden. Aber allein reichte ihr auch das nicht.

Als Kind malte und bastelte sie gern und war geschickt mit Werkzeug. Sie entwickelte früh eine Vorliebe für Goldschmuck. „Vor allem für schlichte Ringe und Ohrringe.“ Auf einmal entstand aus diesem Puzzle ihr Wunschberuf: Goldschmiedin. Kurowski suchte eine Lehrstelle. Bald stellte sie sich in einer Manufaktur vor und wurde genommen. Glänzende Aussichten taten sich auf, alles reihte sich Glied für Glied aneinander, wie an einer Kette. Oder an Isabell Kurowskis Gesellenstück. Das besteht aus neun Scheiben, deren obere Seiten sind aus 750er Gold, die unteren aus 950er Silber. Man kann das Armband von beiden Seiten tragen, passend zum Outfit. Die mattierten Glieder sind innen hohl und haben einen Durchmesser von je 20 Millimetern. Raffiniert ist der kaum sichtbare Verschluss.

Mathe und Chemie stehen neben dem Zeichnen auf dem Stundenplan

Seit Juli arbeitet die junge Frau als Goldschmiedin in Rüttenscheid. „Dort gibt es mehr Goldschmiede als in anderen Stadtteilen.“ Insgesamt sei der Beruf eher selten. „In der Berufsschule waren wir nur 15 Schüler aus Essen und Umgebung.“ Die Ausbildung ist ihr leichtgefallen. Manche Lehrlinge aber wundern sich, dass Mathe und Chemie neben dem Zeichnen auf dem Stundenplan stehen. „Man arbeitet viel mit Laugen und Säuren. Das wichtigste Unterrichtsfach ist Technologie. Da erfährt man alles über die chemische Zusammensetzung von Edelmetallen und Legierungen wie etwa Messing, Neusilber oder Bronze.“ Ebenso lerne man den Umgang mit Edelmetallen und Trennverfahren: Sägen, Bohren, Schneiden, Löten, Glühen und Schmelzen.

Vor Weihnachten ist es auch im Rüttenscheider Betrieb voller als sonst. Männer, die ihre Frauen zum Fest mit Schmuck überraschen wollen, berät Isabell Kurowski gern ausführlich. „Ich frage nach Typ, Aussehen, Haar- und Hautfarbe.“ Und auch zum Kleidungsstil sollten die Schmuckstücke passen. „Sonst könnte der Haussegen schnell schief hängen.“ Bei ihr läuft alles bestens: Sie zieht demnächst nach Holsterhausen und möchte in etwa zwei Jahren die Meisterprüfung angehen.

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