Grabsteine

Grabsteine als Poller: Inschrift irritiert Friedhofsbesucher

Auf manchen Gräbern stehen Findlinge als Grabsteine wie hier in Freisenbruch, nach Ablauf der Nutzungsfrist werden diese Steine mitunter wiederverwendet.

Auf manchen Gräbern stehen Findlinge als Grabsteine wie hier in Freisenbruch, nach Ablauf der Nutzungsfrist werden diese Steine mitunter wiederverwendet.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Freisenbruch.  Rund 33.000 Euro kostete die Stadt 2018 die Entsorgung von Grabsteinen. Einige werden zu Pollern – in Freisenbruch blieb eine Inschrift lesbar.

Einige Friedhofsbesucher staunten kürzlich, als sie die Gräber ihrer Angehörigen auf dem städtischen Friedhof in Freisenbruch pflegen wollten: Da lag ein Stein vor dem Eingangstor, die Inschrift gut lesbar. Aufgefallen ist das etwa Rainer Lochthofe, der sich fragt: „Verwendet die Stadt die Steine wieder?“ Dagegen hätte er nichts, aber den Namen darauf zu lassen, das empfindet er doch als pietätlos. „Das war ein Versehen“, erklärt Christina Waimann, Sprecherin von Grün und Gruga.

„In der Regel werden die Steine durch Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung abgeräumt, zerschlagen und kostenintensiv entsorgt“, erklärt Christina Waimann das Vorgehen auf städtischen Friedhöfen. Findlinge würden hingegen wegen ihrer Größe und ihres Gewichtes auf der Grabstelle „gesprengt“ und die Inschriften entfernt. „Die kleineren Teile werden dann häufig als Poller oder Sperren benutzt, um Autofahrer an die Durchfahrt zu hindern bzw. das Befahren der Rasenfläche zu unterbinden“, sagt sie.

Der Stein lag samt gut lesbaren Namen des Verstorbenen als Poller vor dem Eingang

Genau das passierte offenbar auf dem Freisenbrucher Friedhof, allerdings lag der Stein samt gut lesbarem Namen des Verstorbenen als Poller vor dem Eingang. „Der Stein sollte jedoch mit der Inschrift zum Boden liegen, so dass die Schrift nicht zu erkennen gewesen wäre“, hat die Sprecherin von den Zuständigen vor Ort erfahren. Dann müsse der als „Poller“ dienende Stein aber bewegt worden sein.

Zum Vorgehen bei abgelaufenen Grabstellen erklärt Christina Waimann weiter: „Sofern die Hinterbliebenen eine weitere Verwendung für das Grabmal hätten, könnten sie dies auch selbst abräumen.“ Aus Sicht der Stadt würden lediglich erhaltenswerte Grabmale auf dem Grab verbleiben oder an einer anderen Stelle neu aufgestellt. Zudem würden die Grabmale den Steinmetzbetrieben kostenlos zur Wiederaufbereitung angeboten, jedoch nur mit mäßigem Erfolg.

Entsorgung der Grabsteine kostete die Stadt im Vorjahr knapp 33.000 Euro

Auf den insgesamt 23 städtischen Friedhöfen mit mehr als 256.000 Grabstellen und mehr als 125.000 Grabmalen bzw. Grabmalanlagen sind es jedes Jahr mehr als 1000 Grabsteine, die abgeräumt werden. „Dann sind Nutzungsrechte der Grabstellen abgelaufen, entzogen oder vorzeitig durch die Hinterbliebenen zurückgegeben worden“, erklärt Christina Waimann. So sind im Vorjahr allein für die Entsorgung der Steine – ohne Personalkosten – rund 32.700 Euro angefallen.

Bei der katholischen Friedhofsverwaltung der Pfarrei St. Josef Ruhrhalbinsel wiederum sind die Nutzungsberechtigten selbst für das Abräumen der Grabmäler verantwortlich, wenn die Zeit für ein Grab ausläuft. „Die Steine werden von den Verbliebenen entsorgt“, sagt der Klaus Mehring von der Pfarrei. Findlinge seien auf den Friedhöfen eher die Ausnahme. „Meistens stehen polierte Marmorsteine auf den Gräbern, die eignen sich ohnehin nicht zur Wiederverwendung als Poller oder Ähnliches“, sagt Mehring.

Steinmetze nutzen abgeräumte Grabsteine eher selten

Gibt es keine Hinterbliebenen, dann werde der Friedhofsgärtner mit dem Abräumen des Steines beauftragt. „Früher haben wir die Grabmale an Steinmetze gegeben, die dann die Rückseite aufarbeiten konnten“, berichtet Klaus Mehring. Doch sei die Inschrift auf der Rückseite mitunter noch gut zu sehen gewesen, auch wenn der Stein neu aufgestellt wurde: „Diese gebrauchten Steine wollten Angehörige dann eher nicht.“ Und so würden die abgeräumten Denkmäler nun entsorgt.

Friedhofsbesucher wie Rainer Lochthofe haben für die Wiederverwendung durchaus Verständnis, das hat aber Grenzen: „Namen dürfen keinesfalls erkennbar bleiben.“ Die Inschrift sei inzwischen entfernt worden, versichert Christina Waimann, wie auch der Stein vor dem Eingang.

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