Park-Geburtstag

Grugapark ist seit 90 Jahren ein Herzstück der Stadt Essen

Die Pflanzenschauhäuser und das Aquariumgebäude des Grugaparks in den 1960er Jahren. Heute stehen hier die Orangerie und ein Café.

Die Pflanzenschauhäuser und das Aquariumgebäude des Grugaparks in den 1960er Jahren. Heute stehen hier die Orangerie und ein Café.

Foto: Foto: Ruhr Museum

Im Jahr 1929 wurde der Grugapark eröffnet, geplant ist im August ein großes Geburtstagsfest. Diese Zeitung sucht private Fotos und Erinnerungen.

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Essen. Die Park- und Garten-Moden kamen und gingen, die Gruga bleibt seit nun 90 Jahren, was sie immer war: Ein Park, den fast alle Essener in irgendeiner Form mögen und manche sogar lieben. Im Sommer 1929 wurde die Anlage eröffnet, die zunächst nur rund ein Drittel der Fläche der heutigen Gruga einnahm. Was dann folgte in der damals noch wenig mit Grün gesegneten Stadt war eine eindrucksvolle Abstimmung mit den Füßen: Zwei Millionen Menschen besuchten allein im Eröffnungssommer den neuen Park, der sich sofort einen festen, nie mehr infrage gestellten Platz im städtischen Leben eroberte. Die Grugapark-Leitung nimmt das Jubiläum zum Anlass für ein dreitägiges Geburtstagsfest vom 16. bis zum 18. August.

Und auch diese Zeitung möchte in den nächsten Wochen und Monaten an die bewegte Geschichte der Gruga erinnern und bittet die Leser und Online-Nutzer um Mithilfe. Was haben Sie mit und in der Gruga erlebt, was sind ihre ganz persönlichen Erinnerungen? Besonders dankbar wären wir, wenn Sie uns Ihre privaten Fotoschätze rund um die Gruga anvertrauen. Nirgendwo in Essen ist früher privat mehr fotografiert worden als in der Gruga. Wie uns Ihre Texte und Fotos erreichen, steht in dem kleinen Zusatzartikel am Ende dieses Textes.

Ursprungsplan sah die Gründung eines Stadtwaldes auf der Fläche vor.

„Eine grüne Lunge von unschätzbarem Wert mitten in der Stadt“, jubelte die Rheinisch-Westfälische Zeitung zur Eröffnung 1929 und traf damit den Kern. Dass der Park möglich wurde, war der städtischen Grundstückspolitik zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu verdanken als die Stadt Agrar- und Brachland zwischen Rüttenscheid, Holsterhausen und Fulerum erwarb, wobei der Ursprungsplan die Gründung eines öffentlichen Stadtwalds vorsah. Der Schöpfer des „Haus der Technik“, Heinrich Reisner, brachte Oberbürgermeister Hans Luther dann 1921 auf die Idee, zu den bereits bestehenden Ausstellungshallen der späteren Messe lieber einen Park zu gesellen, der allen Bürgern offenstehen sollte.

Die Dahlienarena war vor der Gruga-Gründung eine Sportarena

Obwohl Jahre der Inflation und der Massenarbeitslosigkeit folgten, blieb die Idee wach und wurde trotz der bescheidenen finanziellen Mittel Stück für Stück umgesetzt. Manches Details in der Landschaft konnten die Gartenbauer auch einfach umwidmen. So hatten die Rüttenscheider Sportfreunde 07 vor der Konkretisierung der Park-Pläne bereits in Eigenregie eine kreisrunde Sportarena mit Stehplatzrängen auf dem Gelände gebaut, die dann als „Dahlienarena“ weitergenutzt wurde - und als Halbrund bis heute eines der Wahrzeichen der Gruga ist.

Von Anfang an paarte sich die mitunter trockene Wissenschaftlichkeit eines Botanischen Gartens mit der „Volkspark“-Idee, die in der noch wenig reizvollen Industriestadt Essen geradezu begierig aufgenommen wurde. Die Autorin Astrid Schroer versetzt sich in ihrem 1997 erschienenen Gruga-Buch in die Empfindungswelt der einfachen Bürger: „So etwas hatte man noch nicht gesehen. Die Besucher flanierten über knirschenden Kies entlang der weitläufigen Sommerblumenterrassen zur kreisrunden Dahlienarena, hörten Musikübertragungen vor dem Radioturm und bewunderten die verschwenderisch installierten Wasserkunstanlagen.“

Nur die Oberschicht konnte sich Reisen leisten

Man muss bedenken: Nur die Oberschicht hatte damals das Geld und die Zeit, um Kurorte und Residenzstädte zu besuchen, die über ähnliche Parkanlagen verfügten, alle anderen kannten dies nur von Bildern. Schnell war jedenfalls klar: Die Große Ruhrländischen Gartenbauausstellung, für sie sich das Kürzel Gruga einbürgerte, war gekommen um zu bleiben.

Für die Reichsgartenschau 1938 wurde das Gelände auf 47 Hektar fast verdoppelt, es entstanden Gebäude wie der „Große Blumenhof“ (heute Kur vor Ort), der Gruga-Turm erhielt eine Aussichtsplattform, und auch die Gruga-Bahn wurde aufs Gleis gesetzt, schon weil nicht jeder den groß gewordenen Park zu Fuß erkunden konnte oder wollte. Der Zweite Weltkrieg zerstörte schon wenige Jahre später die „Ur-Gruga“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Parkgestaltung freier

In den Jahren 1952 und 1965 gab es weitere Gartenschauen, die noch einmal zu Vergrößerungen führten und ihre Handschriften im Park hinterließen. Wo in den Vorkriegsjahren streng gegliederte Gartenkunst mit Wege-Achsen und abgetrennten Parzellen dominierten, wurde die Parkgestaltung nun offener und freier. Die Gruga wurde, wenn man so will, demokratisiert. Zu passivem Genuss und zur entspannten Betrachtung inszenierter Natur kam nun mehr und mehr das Element der aktiven Erholung durch Spiel und Sport hinzu, das Leitlinie der Bundesgartenschau von 1965 wurde und bis heute im wesentlichen blieb. Manches, was in den letzten Jahrzehnten an Bauten und Funktionen hinzukam und Bewährtes ersetzte, darf man kritisch sehen. Unzerstörbar aber ist die Gruga-Idee - bis heute.

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