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Handys für alle erlaubt? Essener Schule rudert zurück

Chatten auf dem Schulflur – das dürfen am Goethe-Gymnasium jetzt nur noch die Oberstufenschüler. Beim Versuch, das Verbot von Smartphones aufzuheben, war keine Schule so weit gegangen wie das Bredeneyer Gymnasium.

Foto: Ulrich von Born

Chatten auf dem Schulflur – das dürfen am Goethe-Gymnasium jetzt nur noch die Oberstufenschüler. Beim Versuch, das Verbot von Smartphones aufzuheben, war keine Schule so weit gegangen wie das Bredeneyer Gymnasium. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Das Goethe-Gymnasium in Bredeney stoppt seinen Versuch, die Nutzung von Smartphones für alle zu gestatten. „Für Jüngere ist da der falsche Weg.“

Das Bredeneyer Goethe-Gymnasium hatte Mitte September stadtweite Aufmerksamkeit erregt, als bekannt wurde, dass die Schule versuchsweise die Benutzung von Smartphones für alle Jahrgänge erlaubt hatte – von den Fünfern bis zu den Abiturienten durften sämtliche Schüler mit ihren privaten Geräten in den Pausen chatten, spielen und im Internet surfen.

Mehrere Wochen lang dauerte das Experiment an, über das Schulleiterin Nicola Haas bereits damals sagte: „Es ist ein Versuch – wenn es nicht funktioniert, gehen wir zur alten Regel zurück.“ Jetzt, nach den Herbstferien, liegen erste Erkenntnisse vor, abgesegnet von einer offiziellen, schulinternen Arbeitsgruppe: „Für die Jahrgänge fünf und sechs ist der freie Umgang mit Smartphones nicht sinnvoll“, sagt Haas.

Schüler selbst bemängelten den zügellosen Umgang

Vor allem ältere Schüler und sogar manche Jüngere selbst hätten bemängelt, dass die Jungen und Mädchen in den Pausen nur noch an ihren Geräten hantierten – und weder richtig miteinander spielten noch sich ausreichend bewegten. „Die Konsequenz ist, dass ab sofort nur noch Oberstufenschüler ihre Handys während der Freistunden und Pausen benutzen dürfen“, sagt Haas.

Grundsätzlich verboten bleibe sowieso die Aufnahme von Fotos, Videos oder Geräuschen; die Nutzung müsse außerdem komplett geräuschlos erfolgen.

Damit reiht sich das Goethe-Gymnasium ein in eine Vielzahl von Schulen, die mittlerweile so oder ähnlich verfahren: Älteren Schülern ist es mittlerweile oft erlaubt, Smartphones auf dem Schulgelände einzusetzen. Auch der „Handy-Führerschein“, mit dem Jugendliche zunächst über die Gefahren von Smartphones aufgeklärt werden, ist mittlerweile ein gangbarer Weg für viele Schulen geworden, ein rigides Verbot für alle aufzuweichen.

Versuch war Teil eines großen Projektes

Der Versuch am Goethe-Gymnasium war Teil eines groß angelegten Projektes zum Thema Digitalisierung im Alltag. Weiter ausdrücklich erlaubt bleibt am Goethe-Gymnasium die Benutzung von Smartphones für alle Schüler im Unterricht – dann, wenn die Lehrer es vorher erlauben, zum Beispiel für Recherche- oder Lernzwecke. „Dieser Einsatz“, betont die Schulleiterin in Bredeney, „wird von uns explizit befürwortet.“

Ansonsten dürfen Kinder und Jugendliche ihre Geräte zwar zur Schule mitbringen, sie müssen aber während der gesamten Schulzeit ausgeschaltet im Ranzen bleiben – das gilt in Bredeney jetzt ausnahmslos für alle Schüler der Jahrgänge fünf bis zehn. „Wir wissen, dass es auch durchaus Schüler der Stufen acht oder neun gibt, die schon verantwortungsvoll mit den Geräten umgehen können“, räumt Nicola Haas ein, „doch ein Verbot nur für die untersten Jahrgänge auszusprechen, erschien uns als nicht praktikabel“.

Keine Schule war so weit gegangen wie das „Goethe“

Auch andere Schulen lockern, wie berichtet, mittlerweile das komplett strikte Verbot im Umgang mit Smartphones – dabei war jedoch keine Schule so weit gegangen wie das Goethe-Gymnasium mit ihrem Versuch.

Experten betonen wiederholt, dass die vorsichtige Lockerung eines Smartphone-Verbots in der Schule durchaus Sinn mache – doch vorher müssen dringend über die Auswüchse wie Mobbing oder Online-Sucht aufgeklärt werden. Oft bemängeln Praktiker, dass Eltern ihre Kinder nicht genügend sensibilisieren, sondern durch eigenen, ungezügelten Konsum schlechtes Vorbild seien.

>>> FÜR SCHÜLER UND PÄDAGOGEN: MEDIENTAGE

An Schüler der Stufen sieben und acht sowie Pädagogen richten sich die „Jugendmedientage“, die die Jugendhilfe ab Mitte November in der Weststadthalle veranstaltet. Auf Schüler wartet ein interaktiver Parcours, der neue Nutzungsmöglichkeiten aufzeigt. Die Schülertage finden vom 21. bis 24. November statt.

An Pädagogen richtet sich der Fachtag am 16. November. Info und Anmeldung online: townload-essen.de/medientage

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