Bundestagsabgeordneter

Hauer (CDU): Nach dem Schwächeanfall nicht weniger Klartext

Sein Schwächeanfall während einer live übertragenen Bundestagsdebatte fand ein bundesweites Publikum – und löste Nachdenken über den stressigen Bundestags-Alltag aus: Matthias Hauer, CDU-Abgeordneter aus dem Essener Süden.

Sein Schwächeanfall während einer live übertragenen Bundestagsdebatte fand ein bundesweites Publikum – und löste Nachdenken über den stressigen Bundestags-Alltag aus: Matthias Hauer, CDU-Abgeordneter aus dem Essener Süden.

Foto: imago images/Sven Simon

Nach seinem Schwächeanfall bei einer Bundestagsrede ist Essens CDU-Abgeordneter Matthias Hauer wieder im Plenum und warnt vor falschen Vorwürfen.

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Herr Hauer, Sie sitzen wieder im Plenum, sind auf Twitter aktiv und schmökern kommenden Dienstag zum bundesweiten Vorlesetag mit den Kindern einer Kettwiger Kita. Alles wieder gut nach Ihrem Schwächeanfall im Bundestag?

Ja, danke der Nachfrage, ich hab’ den Vorfall gut überstanden und mich gründlich durchchecken lassen: Es war nichts Ernstes, das hat mich erstmal beruhigt. Auch wenn ich allen in dem Moment sicherlich einen Schrecken eingejagt habe.

Sich selbst im Zweifel auch, oder?

Klar. Ich habe am Wochenende meine Termine abgesagt, drei Tage alles liegengelassen und steige jetzt nach und nach wieder voll ein. Die Sitzungswoche war fast normal, mit Arbeitsgruppen-und Fraktionssitzungen am Dienstag, mit dem Finanzausschuss am Mittwochvormittag, jetzt geht es im Digitalausschuss weiter. Da kommt unsere Verteidigungsministerin, Frau Kramp-Karrenbauer, es geht um Digitalisierungsfragen bei der Bundeswehr, insofern ist das wieder der normale Rhythmus.

Eine Öffentlichkeit, die am Stammtisch sonst gerne über den Berliner Alltag der Volksvertreter lästert, diskutiert plötzlich die Stressfaktoren der Bundestagsabgeordneten. Zu Recht?

Ich würde jetzt keine Vergleiche ziehen, zwischen unserer Abgeordneten-Arbeit und anderen Berufstätigen. Es gibt in vielen Berufsgruppen Menschen, die das mit sehr viel Engagement betreiben und sehr viel arbeiten. Manche pflegen Angehörige zuhause, haben am Wochenende noch familiäres Programm oder sind ehrenamtlich engagiert. Insofern würde ich nicht sagen: Der eine arbeitet mehr oder weniger. Ich glaube, das ist immer sehr von der jeweiligen Person abhängig.

Schuld der AfD? „Ich mache da jetzt niemandem einen Vorwurf“

Aber eben auch von Arbeitsstrukturen: Nun stellen manche im Bundestag vollgestopfte Tagesordnungen in Frage oder die häufigen Nachtsitzungen...

Stimmt, ich habe als Rechtsanwalt vorher aber auch viel gearbeitet, habe parallel über 19 Jahre ehrenamtlich Politik gemacht. Jetzt gibt es halt als Bundestagsabgeordneter viel zu tun.

Wird man nicht nachdenklich, was man sich zumuten sollte?

Schon deshalb, weil es für mich der erste Krankenhaus-Aufenthalt meines Lebens war. Ich will nicht sagen, dass es mir sonderlich unangenehm ist, ich kann da ja nichts dafür. Aber dass das direkt so medial begleitet wird, hätte ich mir jetzt zugegebenermaßen nicht gewünscht.

Der SPD-Gesundheitsexperte und Arzt Karl Lauterbach macht dabei auch eine politische Komponente aus. Er findet, dass der Bundestag seit dem Einzug der AfD ins Parlament zu viel Zeit auf überflüssige Debatten und Symbolentscheidungen verschwendet. Auch Ihr Schwächeanfall erfolgte ja in der Debatte zu einem AfD-Antrag, das Bargeld zu „retten“.

Natürlich ist das irgendwo fürs Schaufenster gewesen, was die AfD da gemacht hat. Denn niemand will das Bargeld abschaffen; auch wir als Union haben ein klares Bekenntnis dazu abgegeben. Aber das ist das gute parlamentarische Recht dieser Partei. Ich habe die AfD in meiner Rede hart kritisiert, die haben hart gekontert – alles im Rahmen des parlamentarisch Üblichen. Insofern mache ich da jetzt niemandem einen Vorwurf.

„Ein schönes Signal: dass es da auch ein Zusammenstehen gibt“

Sie meinen: abgesehen von den grundsätzlichen Vorbehalten.

Natürlich ist mit der AfD ins Plenum eine Art von Hass und Hetze eingekehrt – mit verbalen Entgleisungen, die wir so im Deutschen Bundestag noch nicht hatten. Bei den Debatten in sozialen Medien erleben wir auch so eine verrohte Sprache, gepaart mit Halb- und Unwahrheiten. Diese Kombination ist sicher nicht gut fürs politische Klima in Deutschland, das sorgt mich schon, und ich hoffe dass wir zur Sachlichkeit zurückkehren. Ich werde jetzt aber nicht den Vorfall zum Anlass nehmen, weniger Klartext zu reden.

Nach der Schonung wieder der Angriff?

Wenn’s nötig ist, werde ich mit der Kritik nicht hinterm Berg halten. Im Übrigen vielleicht noch eine Anmerkung, die mir wichtig ist: Ich habe nach diesem Vorfall sehr viel Anteilnahme an meinem gesundheitlichen Zustand erlebt – von Menschen aus Essen, aber auch von wildfremden Leuten, die die Rede live auf Phoenix gesehen haben. Das fand ich ein schönes Signal: dass es da auch ein Zusammenstehen gibt, auch über Parteigrenzen hinweg.

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