Dresscode

Hitzewelle: Welche Kleidung im Beruf dennoch Pflicht ist

Ein Bankangestellter berät Kunden am Telefon. Für Mitarbeiter bei Banken gelten in der Regel besondere Kleidungsvorschriften.

Ein Bankangestellter berät Kunden am Telefon. Für Mitarbeiter bei Banken gelten in der Regel besondere Kleidungsvorschriften.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Essener Unternehmensverband erklärt, wann der Dresscode im Beruf gilt und wann der Chef ein Auge zudrücken sollte.

Temperaturen von weit über 30 Grad: Und dennoch dürfen Mitarbeiter nicht einfach von Kleidungsregeln abweichen. Was bei Hitze gilt, erklärt Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des Essener Unternehmensverbandes und Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Herr Kanders, darf ich als Mitarbeiter bei dieser Hitze die Krawatte zu Hause lassen und Flipflops auf Arbeit tragen?

Ulrich Kanders: Auch wenn es schwer fällt, selbst bei Temperaturen von über 30 Grad müssen im Büro gewisse Kleidungsvorgaben eingehalten werden. Keine Ausnahme gibt es, wenn das Tragen einer bestimmten Kleidung aus Gründen von Arbeitsschutz- und Hygienebestimmungen vorgeschrieben ist. Das betrifft zum Beispiel Sicherheitsschuhe und Helme auf Baustellen oder medizinische Berufsbekleidung. Grundsätzlich hat Hitze also wenig Einfluss auf die Kleiderordnung im Job. Wenn es in einer Branche einen offiziellen Dresscode gibt, dann gilt er bei jedem Wetter.

Das heißt, mein Arbeitgeber darf mir vorschreiben, was ich zu tragen habe?

Kanders. Arbeitgeber können eine generelle Bekleidungsempfehlung an ihre Mitarbeiter aussprechen. Diese Empfehlung ist im Gegensatz zur Schutzkleidung juristisch jedoch nicht verbindlich, es sei denn, der Dresscode ist im Arbeitsvertrag festgelegt. In erster Linie hängt die angemessene Bekleidung von der Firmenkultur und dem Tätigkeitsbereich der einzelnen Mitarbeiter ab. Streng sind die Regeln bei Berufen mit Kundenkontakt beispielsweise im Bankensektor, bei denen Seriosität ausgestrahlt und Vertrauen aufgebaut werden soll. Kunden haben bestimmte Erwartungen, die erfüllt werden sollen – ganz unabhängig von der Jahreszeit.

Darf ein Mitarbeiter dann noch nicht mal ein kurzärmeliges Hemd tragen?

Kanders: Je nach Branche und Arbeitsposition können auch für Hemden im Hochsommer Regeln gelten. Im Hemd mit kurzen Ärmeln zum Kunden fahren, ist selbst bei 35 Grad im Schatten nicht ratsam. Es gibt aber mittlerweile immer mehr Arbeitgeber, die die Textilregeln an heißen Tagen etwas lockern und auch mal ein Auge zudrücken, wenn der Rock ein Stück kürzer ist. Frauen haben es dieser Tage ohnehin etwas leichter. Luftige Kleider, die kurz über dem Knie enden und offene Schuhe sind erlaubt.

Handelt ein Arbeitgeber aber nicht rücksichtslos, wenn er keine Ausnahmen beim Dresscode zulässt?

Kanders: Einige Angestellte wie Jugendliche, Ältere, Schwangere oder stillende Mütter gelten als besonders schutzbedürftig. Hier empfehlen wir Arbeitgebern grundsätzlich, weitere Maßnahmen zu ergreifen und Erleichterungen beim Dresscode anzubieten. Grundsätzlich können Arbeitgeber aber auch mit ganz einfachen Mitteln ihren Mitarbeitern bei hohen Temperaturen entgegenkommen. Denkbare Maßnahmen reichen vom vorverlegten Arbeitsbeginn am frühen, kühlen Morgen über generell flexiblere Arbeitszeiten bis hin zu kostenlosem Mineralwasser für die Angestellten. Um das aufgeheizte Betriebsklima wieder abzukühlen, hilft dann ein kaltes Getränk oder vielleicht auch einfach ein Eis in der Mittagspause

Gibt es einen Anspruch auf Hitzefrei?

Kanders: Nein, den gibt es für Arbeitnehmer nicht.

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