Coronavirus

„Hunderttausenden Kurzarbeitern droht die Arbeitslosigkeit“

Die Wirtschaftsverbände in Essen befürchten, dass hunderttausende Menschen ihre Arbeit in der Coronakrise verlieren könnten.

Die Wirtschaftsverbände in Essen befürchten, dass hunderttausende Menschen ihre Arbeit in der Coronakrise verlieren könnten.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Essener Wirtschaftsverbände warnen in einem Brandbrief vor drastischen Folgen wegen der coronabedingten Produktionsreduzierung.

In einem gemeinsamen Brandbrief der IHK Essen, Mülheim, Oberhausen sowie des Essener Unternehmensverbandes (EUV) an die Spitzenverbände Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Bundesverband der Deutschen Industrie und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag fordern die beiden regionalen Wirtschaftsinstitutionen ein absehbares Ende der aktuellen coronabedingten Restriktionen für die hiesigen Unternehmen.

„Die Krise nimmt inzwischen dramatische Züge an. Bleibt der verordnete Stillstand unverändert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis hunderttausende Kurzarbeiter in die Arbeitslosigkeit rutschen. Der derzeitige Absturz der Konjunktur verbunden mit drohender Arbeitslosigkeit richtet möglicherweise weitaus größeren Schaden an als das Coronavirus selbst“, fürchtet Jutta Kruft-Lohrengel, IHK-Präsidentin.

Mit dem Schreiben erhoffen sich IHK und EUV von ihren Spitzenverbänden eine kurzfristige Exit-Strategie voranzutreiben, um den Exitus des Wirtschaftsstandorts zu stoppen. „In ganzen Branchen sind binnen weniger Wochen beziehungsweise sogar Tage die Umsätze auf null gefallen, während die Kosten weiterlaufen. In etlichen Unternehmen stehen die Bänder und die Verwaltungsabteilungen still. Es geht uns nicht um Wirtschaft gegen Leben“, bekräftigt Dr. Henner Puppel, EUV-Vorstandsvorsitzender. „Es geht uns um die planbare Beendigung des Shutdowns, um das Überleben unserer Region und damit auch darum, das Wohl der Menschen hier mit einer klaren Perspektive zu sichern. Ein `Weiter so` ist keine dauerhafte Option.“

Risikogruppen weiterhin schützen, aber Produktion hochfahren

Ein denkbarer Weg wäre laut IHK und EUV, den Großteil der Gesellschaft zur Normalität zurückkehren sowie die Produktionen und den nationalen wie internationalen Handel sukzessive wieder auf Normalbetrieb anlaufen zu lassen. Dies verbunden mit verschärften Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und Sicherheitsvorkehrungen. Risikogruppen sollten weiterhin besonders geschützt werden, bis ein wirksames Medikament oder ein sicherer Impfstoff gefunden seien.

An ihre Dachverbände appellieren deshalb IHK und EUV, ihren Einfluss auf die Bundesregierung geltend zu machen, um weiteren Schaden von der deutschen Wirtschaft abzuwenden. Wichtig sei es ferner, wirtschaftspolitisch alles Mögliche für die Zeit nach Corona zu mobilisieren, um eine Verselbstständigung der ökonomischen Krise zu verhindern.

„Die Hilfspakete der Bundesregierung für Geschäfte und Unternehmen sind beeindruckend und in ihrem Umfang notwendig. Sie sichern gegen den unmittelbaren Kollaps ab. Aber auch hier fordern wir perspektivisch ein weiterführendes Programm, das den aktuellen Finanzierungserfordernissen im Mittelstand gerecht wird. Denn es hilft wenig, wenn die Unternehmen zum Beispiel jetzt keine Steuern zahlen müssen, es die Rechnung vom Finanzamt dafür aber in ein paar Monaten gibt“, schließen Kruft-Lohrengel und Puppel unisono.

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