IG Ickten

Anwohner setzen Zeichen gegen Bebauung an Icktener Straße

Martin Gropp und Gunter Zimmermeyer rücken dem Unkraut an der Icktener Straße mit Kettensäge und Besen zu Leibe. Das Plakat „Runter vom Gas“ haben die Anwohner selbst aufgehängt.

Martin Gropp und Gunter Zimmermeyer rücken dem Unkraut an der Icktener Straße mit Kettensäge und Besen zu Leibe. Das Plakat „Runter vom Gas“ haben die Anwohner selbst aufgehängt.

Foto: Julia Tillmann / Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Kettwig.  Die Interessengemeinschaft IG Ickten rückt mit einer Grünschnitt-Aktion erneut das Landschaftsschutzgebiet an der Icktener Straße in den Fokus.

Mit einer handfesten Aktion rückten nun Anwohner der Icktener Straße das Landschaftsschutzgebiet (LSG) in Kettwig-Ickten erneut ins Blickfeld von Politik und Öffentlichkeit. Die Interessengemeinschaft „IG Ickten“ will erreichen, dass die Stadt Essen ihre Pläne aufgibt, auf dem Areal des ehemaligen Tennisclubs Wohnhäuser bauen zu lassen.

In einer gemeinsamen Aktion zogen die Mitglieder der IG Ickten los, um den Gehweg entlang des umstrittenen Areals von Gestrüpp und Unkraut zu befreien. Das Ergebnis ihrer Arbeit sollte dann nicht nur Oberbürgermeister Thomas Kufen , sondern auch Ratsmitgliedern sowie Bezirksvertretern präsentiert werden. Die Botschaft: „Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet in Ickten.

Banner verweist auf Tempolimit

Der Einladung der IG Ickten folgten dann allerdings nur zwei Politiker. Wolfgang Freye von der Linken und Klaus Tornedde von der FDP sitzen im Bauausschuss der Stadt und stellten sich vor Ort den Fragen und Meinungen der besorgten und auch erbosten Bürger. Gunter Zimmermeyer, einer der Sprecher der IG Ickten, dazu: „Politiker haben das Landschaftsschutzgebiet immer wieder als Schandfleck bezeichnet. Wir dagegen kümmern uns um den Gehweg.“ Die Stadt als Eigentümerin mache hier wenig bis gar nichts.

Kurzentschlossen verabredeten sich die Nachbarn zum Arbeitseinsatz, schnitten auf den Bürgersteig wuchernde Brennnesseln und anderes Gestrüpp weg: „Jetzt müssen die Mütter nicht mehr mit ihren Kinderwagen auf die Straße ausweichen.“ Am freigeschnittenen Zaun hängen nun große Banner, die für eine angepasste Geschwindigkeit werben: „Denn obwohl hier Tempo 30 ist, fahren viele deutlich schneller.“

Nachbar Martin Gropp ist sauer: „Hier wohnen Kinder und zu viele Autofahrer rasen dennoch. Auf Anfrage hat uns die Stadt aber lapidar mitgeteilt, solange hier nichts passiere, werde sie auch nicht einschreiten.“ Worauf Zimmermeyer ergänzt: „Mit der Botschaft auf den Bannern wollen wir nun ermahnen und motivieren.“

Es wirkt. Zumindest während der Aktion fahren alle passierenden Autofahrer lammfromm und überkorrekt. Ob da schon ein Lerneffekt eingetreten ist? Wohl kaum, denkt sich die Runde. Das sieht Evelyn Rohmahn übrigens genauso: „Die haben unsere Plakate gelesen. Jetzt fahren sie langsam. Aber wir müssen wohl immer wieder daran erinnern.“ In der Tat verlockt die Icktener Straße an dieser Stelle sehr zum Gasgeben: Eine breite Einbahnstraße, die auch noch steil bergab führt. So mancher Raser scheint da seine Mitmenschen zu vergessen.

Doch diesen Icktenern liegt noch etwas anders auf dem Herzen. Sie wollen über die Pläne der Stadt diskutieren, ihr Landschaftschutzgebiet in Bauland umzuwidmen. Mit drei Gebäuden, die nach Meinung der Nachbarn überhaupt nicht ins Umfeld passen. Gunter Zimmermeyer ärgert sich „über die Stadt, die noch nicht gelernt hat, was Sache ist.“ Alle hätten doch betont, aus den Europawahlen gelernt zu haben. Überall würden wichtige Entscheidungen getroffen für den Klimaschutz. Doch in Essen? Statt konkret wertvolle Natur zu schützen, beschäftige man sich mit Dachbegrünung und Steinvorgärten. Aber hier in Ickten solle Natur zerstört werden. Zimmermeyer will es nicht begreifen: „Die Politiker verteilen Tüten mit Blumensamen. Aber es kümmert sie nicht, wenn hier Millionen von Insekten die Heimstatt genommen wird? Deswegen nehmen wir das selbst in die Hand.

Auch der „Kettwiger Nachtwächter“ Armin Rahmann ist wütend. Er saß im Beirat der Unteren Landschaftsbehörde, der sich einstimmig gegen die Bebauung ausgesprochen hatte: „Die Politik scheint das aber nicht zu interessieren. Das ist schon ein starkes Stück. Unter Protest bin ich ausgetreten aus dem Beirat.“

Das stimmt auch Ratsherr Wolfgang Freye nachdenklich: „Für uns ist entscheidend, dass das LSG bleibt. Die zuständige Bezirksvertretung hat es sich angeschaut und dann abgelehnt. Es wäre sogar sinnvoll, den Bachlauf wieder zu renaturieren. Es ist doch Unsinn, hier zu bauen, ein riesiger Aufwand für unterm Strich so wenige Wohneinheiten.“ Man solle viel eher innerstädtisch Baulücken füllen und auch höher bauen.

IG Ickten pflanzte schon Bäume an

Nun kommen die Icktener zum gemütlichen Teil. Das hart erarbeitete Feierabendbier wird verteilt und die Würstchen landen auf dem Grill. Doch Gunter Zimmermeyer kann sich eine letzte Spitze nicht verkneifen: „Ich habe gehört, dass unser Ministerpräsident eine Baumprämie einführen möchte. Da lade ich doch Herrn Laschet mal hier nach Ickten ein und er darf die Bäume bewundern, die wir schon angepflanzt haben.“

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