Icktener Tor

Elf Häuser müssen Neubauvorhaben in Kettwig weichen

So soll das Projekt Icktener Tor des Bauvereins Kettwig umgesetzt werden.

So soll das Projekt Icktener Tor des Bauvereins Kettwig umgesetzt werden.

Foto: Kirchner

essen-Kettwig.   Elf sanierungsbedürftige Häuser wird der Bauverein Kettwig abreißen – an Kaienburgsweg und Icktener Straße entstehen 66 geförderte Wohneinheiten.

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Der Bauverein Kettwig hat in seinem Portfolio über 600 Wohnungen in rund 150 Kettwiger Gebäuden. Nun zeigte sich Geschäftsführer Jochen Kraft erleichtert, dass er die im Stadtteil brodelnde Gerüchteküche auflösen konnte: „Da kommen weder ein Asylheim noch ein Hochhaus hin. Wir verkaufen auch nicht. Im Gegenteil, wir nehmen Geld in die Hand und bauen neu.“

Kraft schenkte den Bewohnern der Häuser Icktener Straße 1-11 und Kaienburgsweg 2-10 im Rahmen eines Infoabends reinen Wein ein: „Es geht nicht mehr. Wir müssen abreißen.“ Der Bauverein hat sich die elf Häuser mit ihren jeweils vier Wohnungen angeschaut. 1972 fertiggestellt, waren die Bedingungen damals ideal für große Familien, die ihren Kindern hier viel Platz bieten konnten. Aber die Bausubstanz gibt nichts mehr her: „Wir müssten dringend sanieren. Das würde aber auch nur noch zehn, fünfzehn Jahre halten. Von den Sanierungskosten würden elf Prozent auf die Miete umgelegt. Das wären 2,39 Euro mehr pro Quadratmeter – viel Geld.“

„Wir wir bauen, entscheiden Sie mit“

Jetzt unterbreitete Kraft den Bewohnern ein Angebot, das man kaum ausschlagen könne. Denn eine Investition in Neubau lohne sich, hier soll der Weg des geförderten Wohnungsbaus gegangen werden. Durch Zuschüsse der öffentlichen Hand kann der Mietpreis auf 25 Jahre und je nach Einkommensgruppe gedeckelt werden: „Da wird das Wohnen im Neubau günstiger als nach einer Sanierung.“

Am Ende werden 66 Wohneinheiten in drei Wohnungstypen von 56 bis 106 Quadratmetern angeboten: „Wie wir bauen, entscheiden Sie mit.“

Fragebögen für die Mieter

Jeder Mieter bekam einen Fragebogen, anhand dessen der genaue Bedarf ausgewertet werden kann. Bäder und Küchen werden größer, dafür die Schlaf- und Wohnzimmer angepasst. Durch bessere Dämmung kann Energie gespart werden, die Heizung wird entweder durch Erdwärme oder moderne Wärmespeichertechnik gewährleistet – die alten Nachtspeicheröfen sind dann Geschichte.

Die Häuser Icktener Straße 1-3 sind fast leergezogen, im März zieht der letzte Mieter aus. Dann wird abgerissen und neu gebaut. Danach wären Ende 2018 die nächsten Häuser an der Reihe und so weiter – insgesamt vier Bauabschnitte wird es geben. Durch Modulbauweise kann die Bauzeit verkürzt werden, nach sechs Monaten ist das jeweilige Haus bezugsfertig.

Unterstützung beim Umzug

Doch Dreck, Baulärm und ein zumindest zeitweiliger Umzug sind nicht zu vermeiden. Viele Bewohner wohnen seit über 40 Jahren am Icktener Ortseingang und sehen nun ihre Altersruhe gestört: „Wir sind alle alt. Wie sollen wir da noch umziehen? Müssen wir noch renovieren? Was ist mit unseren Einbauküchen?“ Alles Dinge, die man lösen kann, meint Geschäftsführer Kraft: „Sie haben über ein Jahr Zeit, zu überlegen. Wenn Sie den Umzug nicht alleine schaffen, unterstützen wir.“

Für die Umsetzung des Projektes konnte das Kettwiger Büro Kirchner Architekten gewonnen werden. In Kettwig tragen viele Objekte die Handschrift der Architekten – so die Zwillingshäuser mit den Tonnendächern am Teelbruch oder der Umbau des Möbelhauses Egemann an der Schulstraße zum Wohn- und Geschäftshaus. Aktuell wird am Kringsgat gebaut.

Bezug zur Margarethenhöhe

Nun wird ein weiteres Projekt angestoßen, die Architekten Hans Kirchner und Stephan Scholz präsentierten das Bauvorhaben, Kirchner stellte die Grundidee vor: „Unser Arbeitstitel lautet Icktener Tor, weil das Grundstück am En-tree des Stadtteils liegt.“ Eine zentrale Erschließung der elf Häuser soll Barrierefreiheit für die Erdgeschosse garantieren. Der Weg diene auch der Gemeinschaft: „Da spielen Kinder, da kann man auf der Bank sitzen und quatschen.“

An Anfang und Ende dieses „Kommunikations“-Weges werden zwei „Torhäuser“ die gebaute Umsetzung des Namens darstellen. Hans Kirchner: „Ein nicht unabsichtlicher Bezug zur vielgerühmten Margarethenhöhe.“

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