Nachbarschaftsstreit

Kettwig: Streit um einen Hühnerstall am Feldrand eskaliert

Theresia Söchting mit Tochter Emilia (5) und Sohn Jeremjah (3) vor den Überresten des Hühnerstalls. Diesen hatte die Familie vor eineinhalb Jahren unter dem Baum errichtet.

Theresia Söchting mit Tochter Emilia (5) und Sohn Jeremjah (3) vor den Überresten des Hühnerstalls. Diesen hatte die Familie vor eineinhalb Jahren unter dem Baum errichtet.

Foto: Vladimir Wegener

Essen-Kettwig.  Nachbarschaftsstreit: Ein Bauer soll einen nicht genehmigten Hühnerverschlag mit dem Traktor beseitigt haben. Die Betroffenen sind entsetzt.

Ein totes Huhn, ein zerstörter Stall, beschädigtes Spielzeug, verstörte Kinder und Erwachsene sowie Anhörungen bei der Polizei und vermutlich ein zivilrechtliches Verfahren sind bislang die Bilanz eines Vorfalls, der sich am Rande eines Feldes an der Meisenburgstraße zutrug. Ein Landwirt soll einen Verschlag mit einem Traktor beiseite geschoben haben – auf seinem Grundstück.

Der kleine Jeremiah hält beim Ortstermin Schneeweißchen im Arm. Das weiß gefiederte Huhn lässt es sich gefallen. „Für meine Kinder sind die Hühner wie Haustiere. Sie haben ihnen zum Teil Namen gegeben“, erzählt Theresia Söchting über die kleine Schar Federvieh, die auf dem hinteren Teil des Areals Meisenburgstraße 266 herumläuft.

Vom Stall blieb nur ein Bretterhaufen – ein Huhn starb

Als ihr dreijähriger Sprössling am Abend des 4. September also laut schreiend „Mama, Mama, der Bauer macht die Hühner tot!“ zu ihr gelaufen kam, war für die 34-Jährige klar, dass die Lage ernst war. „Als ich an unserem Stall ankam, war da nur noch ein Bretterhaufen“, berichtet Söchting. 13 Hühner liefen aufgeschreckt umher. „Das 14. klemmte unter den Brettern fest und starb“, sagt sie.

Was hatte das zu bedeuten? Aus Sicht des Landwirtes hatte er guten Grund, den Hühnerstall mit seinem Fahrzeug wegzuschieben. „Der stand dort unrechtmäßig“, erklärt Heinz-Walter Unterhansberg auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Familie des 68-Jährigen führt den Hof Große Rombeck und züchtet Lämmer. Den Randstreifen seines Feldes an der Meisenburgstraße hatte er im Frühjahr bei der Aussaat näher betrachtet – und festgestellt: Unter einem Baum fand sich ein Verschlag, der da nicht hingehörte. Es war ein Hühnerstall.

Grundstückseigentümer setzte einwöchige Frist

„Früher habe ich das Grundstück einem Landschaftsgärtner zur Verfügung gestellt, der dort seine Sträucher zwischengelagert hat.“ Der Betrieb existierte allerdings schon länger nicht mehr. Jetzt wollte Unterhansberg ernten, deshalb habe der Stall weichen müssen. Mangels Hinweis, wem der Stall gehöre, habe er einen Zettel an die Tür mit der Aufforderung der Beseitigung innerhalb einer Woche gehängt. Und er vernagelte die Hühnerklappe.

„Da waren wir im Urlaub“, berichtet Theresia Söchting, „mein Vater hat sich um die Hühner gekümmert.“ Dieser habe den Zettel gefunden, die Hühner aber mangels anderer Unterbringung wieder in den Stall gelassen. Als die Familie Söchting-Rynkar am 28. August aus den Ferien wiederkam, waren noch ein paar Tage Zeit, bis die Frist ablief. „Aber wohin mit den Hühnern? So schnell haben wir keine Möglichkeit gefunden.“

Familie war sich eines Unrechts nicht bewusst

Dass der Hühnerstall nicht dort stehen durfte, war ihnen nach eigener Aussage erst jetzt – nach eineinhalb Jahren – aufgegangen. „Unser Vermieter hatte uns damals die Fläche zugewiesen“, sagt Söchting. Was der Vermieter auf Nachfrage dieser Redaktion nicht bestätigen kann. Jörg Handke: „Ich habe immer gesagt, das ist nicht mein Land und die Hütte steht im Landschaftsschutzgebiet. Im Zweifelsfall muss die da wieder weg.“

„Wir haben nicht geglaubt, dass so etwas passiert und der Grundeigentümer gleich mit dem Traktor alles abbricht – anstatt mit uns zu reden“, sagt Theresia Söchting. „Und hätten wir vorher von dem Eigentümer erfahren, hätten wir natürlich gar nicht erst den Stall da hingestellt.“

Den Landwirt hat Söchting wegen Sachbeschädigung angezeigt. „Alles Weitere wird wohl zivilrechtlich abgehandelt“, sagt eine Polizeisprecherin. Denn wer wem was erlaubt hat oder nicht, wer in welcher Form welche Fristen setzen darf – das sei kompliziert und noch zu klären.

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