Nachhaltigkeit

Kettwiger Händlerin verzichtet aus Prinzip auf Online-Handel

Jana Iwan setzt auf nachhaltigen Handel. In ihrem Geschäft „MiniManu“ vertreibt sie seit kurzem auch Produkte für den täglichen Bedarf.

Jana Iwan setzt auf nachhaltigen Handel. In ihrem Geschäft „MiniManu“ vertreibt sie seit kurzem auch Produkte für den täglichen Bedarf.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Kettwig.  Online-Handel ist der Tod des Einzelhandels, sagen viele. Jana Iwan hat sich mit ihrem Geschäft „MiniManu“ bewusst davon losgesagt – aus Prinzip.

Bio, Fair Trade, vegane Ernährung, Regionalität – diese Begriffe sind für umweltbewusste Menschen in den Großstädten nicht mehr wegzudenken. Auch in Kettwig nimmt das Thema Fahrt auf. Jana Iwan, die in ihrem Geschäft „MiniManu“ an der Ruhrstraße fair gehandelte Kinderwaren verkauft, hat ihre Prinzipien und die lebt sie auch. Nachhaltiges Denken und Handeln bestimmt nicht nur ihren persönlichen Alltag. Jetzt zieht sie es auch beruflich durch und verzichtet bewusst auf Onlinehandel – und das, obwohl sie sehr viel Zeit und Mühe in ihren virtuellen Shop investiert und positiven Zuspruch von Kunden aus ganz Deutschland erhalten hat.

„Zu viel Verpackungsmüll und ein enorm hoher Aufwand“, lautet ihre Begründung. Bis jetzt bereut sie den Schritt nicht und verzichtet bewusst auf diese zusätzliche Einnahmequelle. Für sie ist das auch eine Frage der Glaubwürdigkeit: „Man kann nicht auf der einen Seite von einer umweltbewussten Denke predigen und andererseits so viel Müll produzieren. Ich hatte zwar zum Glück wenige Retouren. Aber in der Summe immer noch zu viel Müll“, gibt sie zu.

Einige ortsnahe Onlinekunden schauen jetzt im Geschäft vorbei

Die Gewinnspanne sei – zugegebenermaßen – auch nicht so besonders hoch gewesen, daher sei ihr diese Entscheidung relativ leicht gefallen. Zudem habe sie auch mit Bioverpackungen gearbeitet, welche in der Anschaffung recht teuer seien. Die meisten ihrer Kunden haben Verständnis für die Entscheidung und begrüßen dies sogar. Einige ihrer Onlinekunden aus der näheren Umgebung kommen nun persönlich vorbei und verbinden den Einkauf mit einem Besuch in der Gartenstadt. „Ich werbe aktiv für Kettwig, zum Beispiel für die Feste oder die Langen Donnerstage“, sagt sie. „Und die Kunden kommen gerne und staunen, wie schön es hier ist.“

Naturseifen und Holzrasierer

Die gebürtige Hannoveranerin entschied sich vor drei Jahren für den Schritt in die Selbstständigkeit. In Kettwig vermisste sie als Zugezogene ein Geschäft, in dem es fair gehandelte Kinderware gibt. So baute sie sich ihr kleines Geschäft „MiniManu“ im Erdgeschoss ihres Fachwerkhauses in der Ruhrstraße auf.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon nach kurzer Zeit renovierte sie den hinteren Teil des Ladens und vergrößerte ihr Warenangebot. Im Mittelpunkt stehen dabei Fair-Trade-Bekleidung, Accessoires und nachhaltige Dinge für den täglichen Bedarf. Mit letzteren setzt sie einen neuen Schwerpunkt in ihrem Geschäft, auch um dadurch den Wegfall des Onlinegeschäftes zu kompensieren.

Es gibt zum Beispiel Artikel von einer Naturseifen-Manufaktur, Thermobecher für Unterwegs-Getränke, klebstofffreie Naturzahnbürsten aus Bambus, Rasierer und Kämme aus Holz. Oder spezielle Waschbeutel, welche verhindern, dass Mikroplastik beim Waschen in die Umwelt gelangt. „Nachhaltig durch den Alltag gehen, darauf legen immer mehr Verbraucher Wert und das ist auch gut so. Ich versuche natürlich, viele in Deutschland produzierte Produkte anzubieten, aber das ist gar nicht so einfach“, erklärt die Geschäftsfrau. Daher sei sie dankbar für Tipps, wenn jemand eine kleine Manufaktur empfehlen könne: „Ich sage nur: buy local statt online.“ Und dieses Motto, vor der Haustüre einzukaufen, würden sich immer mehr Konsumenten auf die Fahnen schreiben.

Nachhaltige Workshops vor Ort

Bei der Auswahl der Bekleidung legt sie Wert auf eine sogenannte GOTS-Zertifizierung – das steht für Global Organic Textile Standard. Mittlerweile würden jedoch viele mit dem Begriff Bio Baumwolle werben, bei denen aber dennoch große Mengen Chemikalien für das Färben eingesetzt und oftmals leider auch keine sozialen Standards berücksichtigt würden. „Die GOTS-Zertifizierung gibt Sicherheit, dass die gesamte Herstellungskette – vom Anbau der Baumwolle über das Färben bis zum Transport und Verkauf des fertigen Kleidungsstücks – kontrolliert wird. Ebenfalls werden die Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Sozialkriterien bei der gesamten Prozesskette genauestens überprüft.“

Das Konzept ihres Geschäftes wirkt stimmig. Sehr beliebt sind etwa die Workshops zu verschiedenen Themen. Da kann man es gleich ausprobieren, wie einfach es ist, einfache Hausmittel, Bienenwachstücher für das Pausenbrot oder ein Deo selbst herzustellen.

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