Familie

Werdener Eltern suchen Wohngruppe für behinderten Nachwuchs

Die Elterngruppe behinderter erwachsener Kinder sucht ein Domizil für eine zu gründende Wohngruppe. Das gestaltet sich mehr als schwierig, wenn die  Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben sollen.

Die Elterngruppe behinderter erwachsener Kinder sucht ein Domizil für eine zu gründende Wohngruppe. Das gestaltet sich mehr als schwierig, wenn die Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben sollen.

Foto: Stefan Arend

Essen-Werden.  Die Eltern der geistig behinderten Kinder wünschen sich größtmögliche Normalität für ihren erwachsenen Nachwuchs. Sie suchen eine Wohngruppe.

Endlich volljährig! Ein neuer Lebensabschnitt. Die Kinder werden flügge und starten den Abflug aus dem „Hotel Mama“. Was jedoch für junge Erwachsene die große Freiheit bedeutet, wird ihren geistig behinderten Altersgenossen verwehrt. Und das nur, weil sie für ein eigenständiges Leben Hilfe benötigen?

Eltern aus Werden und Umgebung haben sich zusammengeschlossen, um das zu ändern. Um ihren heranwachsenden Kindern mit geistiger Behinderung eine Wohnform anbieten zu können, die so „normal“ wie möglich ist. Maria Martin, eine betroffene Mutter, spricht es offen aus: „Die Behinderung geht nicht von unseren Kindern aus, sondern sie werden von ihrer Umgebung behindert.“

Die Eltern wünschen sich größtmögliche Normalität für ihren Nachwuchs. Dazu gehört irgendwann auch, nicht mehr im Elternhaus zu wohnen. Was wäre die Alternative? Ein Behindertenheim? Dort unter Fremden in der Fremde leben? Das möchten die engagierten Eltern ganz gewiss nicht für Ilka, Josephine, Learchos und Ruben. Junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren, mit unterschiedlichsten geistigen Behinderungen, dazu teilweise noch Down Syndrom und Autismus.

Kinder sollen in ihrem vertrauten Umfeld bleiben

Ihre Eltern sind jetzt alle noch fit, jedoch gibt Maria Martin zu bedenken: „Wir lieben unsere Kinder über alles. Wir wissen aber, dass wir nicht ewig für sie da sein können.“ Wann wäre der richtige Zeitpunkt für den Auszug? Markus Boegershausen sieht das so: „Wir wünschen uns für unsere Kinder Hilfe zum Leben. Wir spüren das, wenn sie so weit sind.“ Cecile Karamanlis lächelt: „Also wir wären soweit, haben da kräftig dran gearbeitet.“

Rosmarie Trilling kämpft seit Jahren um einen Platz für ihre Tochter. Hat unzählige Einrichtungen besucht und einmal sogar gedacht: „Hier könnte die Ilka leben.“ Doch in der Nähe war bisher nichts zu finden. Ilka und ihre Freunde sollen in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und in einer Gemeinschaft zusammen wohnen dürfen. Im wahrsten Sinne des Wortes „mittendrin“ leben.

Ein Mehrgenerationenhaus mit Studenten wäre ideal

Ideal wäre da die Möglichkeit, an eine bestehende oder neu zu bauende Kita anzudocken, sagt Maria Martin: „Unsere Kinder sollen ein Teil der Gesellschaft sein. Wir möchten, dass man sie einbindet. Als ein Vorzeige-Integrationsmodell.“ Und Cecile Karamanlis denkt sich: „Warum nicht ein Mehrgenerationenhaus, vielleicht mit Studenten? Wir können uns da vieles vorstellen.“

Seit Jahren klopfen die Eltern mit ihrem Konzept einer Wohngemeinschaft an unzähligen Türen. Erlebten immer wieder Rückschläge, immer neue Hürden. Hatten schon häufiger begründete Hoffnungen. Wurden dann doch wieder enttäuscht, weil irgendein Puzzleteil nicht passte.

Die Anforderungen an Betreutes Wohnen sind hoch, hier hat der Gesetzgeber wohl auch zu recht höchste Standards vorgeben. Und wenn dann ein Garten fehlt oder die zu erwartenden Mieteinnahmen die Investition nicht deckeln? Dann kommt wieder eine Absage.

Projekt bei den Kamillanern in Heidhausen scheiterte

Die Kamillaner in Heidhausen waren sehr aufgeschlossen, doch dieses Projekt scheiterte an baulichen Gegebenheiten. Und weiter geht die verzweifelte Suche, sagt Rosmarie Trilling: „Vielleicht haben wir Glück und jemand weiß, wo ein Grundstück frei ist. Oder vermietet uns ein Haus, welches wir nach unseren Bedürfnissen umbauen dürfen. Die Architekten dafür hätten wir.“

Nicht zuletzt: Wie gelangt man an die nötigen finanziellen Mittel für Um- oder Neubau? „Wenn wir zum Beispiel eine Kirchengemeinde finden würden, die uns unterstützt. Die bei der Inklusion hilft und unsere Kinder bei sich integriert. Da wären wir schon einen gewaltigen Schritt weiter.“ Damit Ilka, Josephine, Learchos, Ruben und auch andere dem großen Ziel näher kommen: Möglichst normal und „mittendrin“ zu leben.

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