Kirmes

Kirmes: Warum sich ein Essener ein Karussell gekauft hat

Schausteller Romano Lehrmann hat vor einem Jahr den Twister „Heartbreaker“ gekauft.

Schausteller Romano Lehrmann hat vor einem Jahr den Twister „Heartbreaker“ gekauft.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Jung-Schausteller Romano Lehrmann ist zum zweiten Mal mit seinem Twister beim Sommerfest an der Grugahalle. Ein Einblick in das Kirmes-Leben.

Von seinem Sitz im Kassenhäuschen blickt Romano Lehrmann direkt auf die Grugahalle, davor dreht sich sein Karussell. „Ich bin verdammt gerne hier. Die Kulisse ist beeindruckend. Ich kann als Essener mein Karussell vor der Grugahalle aufbauen.“ Lehrmann ist 30 Jahre alt, Schausteller aus Altenessen, und hat vor einem Jahr den Twister „Heartbreaker“ gekauft. Zum zweiten Mal ist der junge Familienvater beim Sommerfest an der Grugahalle dabei.

Lehrmann stammt aus einer Essener Schaustellerfamilie, seiner Mutter gehört die Losbude, die aktuell auf dem Kirmesplatz schräg gegenüber seines Twisters steht. Seine Kindheit hat er auf Rummelplätzen verbracht. Aber: „Meine Eltern haben mich immer zur Schule in Essen gefahren.“ Während der Schulzeit war die Familie auf den Plätzen der Region unterwegs. In den Ferien wurden die Kirmesplätze angesteuert, die weiter weg lagen. „Meine Mutter hat darauf bestanden, dass ich in eine Schule gehe“, erzählt Lehrmann.

Mit 18 Jahren baute er mit seinem Vater eine Crepés-Bude

Wenn die Hausaufgaben erledigt waren, wurde die Kirmes unsicher gemacht: „Meine Klassenkameraden fanden das total toll.“ Für ihn selbst sei das normal gewesen. „Die Kirmes ist mein Zuhause“, während immer wieder Kinder ans Fenster des Kassenhäuschens treten und Chips für die Fahrt mit dem Twister kaufen.

Schnell sei ihm klar gewesen, dass er die Familientradition fortführen und Schausteller werden will. Mit 18 Jahren habe er gemeinsam mit seinem Vater eine Crepés-Bude gebaut. Der kleine Imbisswagen steht heute neben dem Twister vor der Grugahalle.

Irgendwann habe ihm der Crepés-Stand nicht mehr gereicht. Er wollte ein Karussell haben. „Ich fand das immer interessant, hatte aber nie ein Karussell gesehen, das mir gefallen hat.“ Bis er schließlich auf den Twister stößt. Ein Fahrgeschäft aus dem Jahr 1977, ein Klassiker mit Kultfaktor. „Mir hat die Aufmachung so gut gefallen.“ Außerdem wollte er gerne ein Fahrgeschäft haben, mit dem die ganze Familie mitfahren kann, erklärt Lehrmann, während seine kleine Tochter Megan (ein Jahr und 4 Monate) auf seinem Schoss sitzt. Auch vor ihr liegt wohl eine spannende Kindheit auf dem Rummel.

Gerade beim Sommerfest an der Grugahalle sei das Publikum sehr angenehm

Doch bevor er den Twister damals kaufen konnte, schnappte ihm jemand zunächst das Fahrgeschäft direkt vor der Nase weg und der Twister wurde nach England verkauft. „Ich habe ihn aber zurückgekauft“, lächelt er.

Bis zu zwölf Stunden dreht sich das Karussell, das es in der Spitze auf rund 30 Stundenkilometer schafft, beim Sommerfest. Doch auch davor und danach ist jede Menge zu tun, so muss das Fahrgeschäft gepflegt und geputzt werden. Auch im Winter gibt es keine Verschnaufpause: Der Twister muss gewartet werden, unter anderen muss der Schausteller rund 300 Liter Hydrauliköl auswechseln.

Der Lohn für die Arbeit seien unter anderem die vielen Kinder, die lachend aus dem Karussell klettern, nachdem sie in bis zu 14 Meter Höhe durch die Luft gesaust sind. Gerade beim Sommerfest an der Grugahalle sei das Publikum sehr angenehm, weil viele Familien unterwegs seien.

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