Corona-Lockerungen

Grugabad-Eröffnung: Sportlern fällt das Schwimmen schwer

Das Grugabad in Essen: Bei der Eröffnung am 21. Mai ziehen Schwimmer wieder Bahnen im Wasser.

Das Grugabad in Essen: Bei der Eröffnung am 21. Mai ziehen Schwimmer wieder Bahnen im Wasser.

Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services

Viele Besucher begrüßen das Freizeitangebot im Essener Grugabad. Sportlern fällt das Schwimmen wegen der Corona-Einschränkungen aber schwer.

Schon eine Stunde vor Einlass stehen die ersten Schwimmfans am Donnerstag (21.5.) vor dem Grugabad-Eingang. Noch ist die Stimmung in der Warteschlange heiter.

Den ersten Platz in der Reihe haben sich drei Schwimmerinnen von der SG Essen ergattert, die normalerweise täglich ihre Bahnen ziehen. Doch seit Mitte März durften sie keinen Sprung mehr ins Wasser wagen: Training und Wettkämpfe wurden vorerst abgesagt. „Die Zeit ohne Schwimmen war schrecklich. Deshalb freue ich mich gerade riesig“, erzählt die 10-Jährige Laura Kohlmann mit ihrem Schwimmbrett unter dem Arm.

Kontaktliste muss wegen der Auflagen ausgefüllt werden

Hinter ihnen trägt sich Christa Möhring gerade in die Kontaktliste ein – eine der pandemiebedingten Auflagen. Sie steht seit über fünfzig Jahren täglich um sechs Uhr auf der Matte des Grugabades. „Endlich ist mein Bad wieder geöffnet“, strahlt sie hinter der Maske in ihrem Bademantel. Beim Einlass werden die Besucher von einer Sicherheitsfirma gezählt. Denn maximal dürfen sich 1000 Gäste gleichzeitig im Freibad aufhalten. Im Vergleich: Normalerweise gewährt das Grugabad rund 8000 Gästen den Zutritt.

Vorerst haben nur die obere Badeplatte mit dem Schwimmerbecken und dem Sprungturm sowie das Planschbecken im unteren Bereich des Geländes geöffnet. Auch am Beckenrand kontrollieren vier Sicherheitsmitarbeiter die Einhaltung der pandemiebedingten Nutzungsbeschränkungen, die sich am Beckenrand postiert haben. Denn im Wasser dürfen sich nur maximal 130 Personen gleichzeitig aufhalten und es gilt auch hier die Abstandsregelung von 1,5 Metern.

Schwimmer sollen hintereinander im Kreis schwimmen

Darüber hinaus sind die Schwimmer aber auch dazu angehalten, hintereinander im Kreis zu schwimmen. Dadurch schlägt die anfängliche Euphorie vor allem bei Sportlern schnell in Missmut um. Die Mutter der SG Essen-Schwimmerin Laura Kohlmann sieht in diesem Punkt deutlichen Optimierungsbedarf: „Dadurch, dass die Schwimmer nicht überholen dürfen, kann das Schwimmtraining leider gar nicht absolviert werden“, erklärt Nicole Kohlmann mit Blick auf das Schwimmerbecken, wo sich in den drei abgetrennten Bahnen immer wieder kleine Staus aus Schwimmern bilden.

Klaus Heimbucher ist extra aus Bochum angereist. Seit sieben Jahren geht er täglich schwimmen. „Selbst an Weihnachten und Neujahr“, betont er lachend, während er sich seine Badekappe aufzieht. Obwohl er gestern schon bei einer Freibad-Eröffnung in Düsseldorf gewesen sei, sei er dennoch aufgeregt: „Ich fühle mich wie ein Süchtiger, der endlich wieder an seine Droge darf“, lacht der passionierte Schwimmer. „Daher nehme ich die Einschränkungen gerne in Kauf. Man muss sich an die Situation anpassen und sich in Geduld üben“, erzählt Heimbucher, während er darauf wartet, dass er ins Wasser darf.

Auch Michael Heinrichs schwimmt normalerweise jeden Tag drei Kilometer, also rund 60 Bahnen. „Ich hatte heute sprichwörtlich Hummeln im Hintern und konnte es nicht abwarten. Es ist zwar nervig, hinter den anderen herzuschwimmen, aber besser als gar nichts“, sagt der 59-Jährige aus Rüttenscheid.

Verantwortliche geben einen kleinen Hoffnungsschimmer

Eine Stunde nach Einlass befinden sich rund 160 Gäste im Grugabad. Thomas Schulte von der Betriebsleitung des Grugabades zieht ein kurzes Resümee: „Das ist für uns alle eine Feuerprobe. Wir müssen mal schauen, wie sich alles entwickelt. Aber vielleicht können wir eine Schnellschwimmer-Bahn eröffnen, damit alle Besucher ihren persönlichen Ausgleich finden.“ Außerdem sei ab Anfang nächsten Monats geplant, auch das Wellenbecken und das Nicht-Schwimmer-Becken zu öffnen. Doch bis dahin müssten die Becken erst noch befüllt werden.

„Wir wurden von der Lockerung ziemlich überrascht, sodass es ein extremer organisatorischer Aufwand war, so schnell wieder zu eröffnen“, erklärt Kurt Uhlendahl von den Sport- und Bäderbetrieben. „Aber es ist ein wunderbares Gefühl, den Bürgern endlich ein weiteres Freizeitangebot bieten zu können“, fügt Sportdezernentin Simone Raskob hinzu.

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