Integrationszentrum

„Kreuzer“ in Essen – jüngste evangelische Kirche wird 20

Sie arbeiten im Kreuzer in Bochold zusammen: (v. l.) Christoph Ecker (Pfarrer Borbeck-Vogelheim), Sebastian Stute (Stab Integration Jugendamt Bezirk 4), Tuncer Kalayci (Kommunales Integrationszentrum Essen), Thomas Hartung (Leitung Kreuzer) und Horst Pabst (Vereinsvorsitzender des Kreuzer-Vereins).

Sie arbeiten im Kreuzer in Bochold zusammen: (v. l.) Christoph Ecker (Pfarrer Borbeck-Vogelheim), Sebastian Stute (Stab Integration Jugendamt Bezirk 4), Tuncer Kalayci (Kommunales Integrationszentrum Essen), Thomas Hartung (Leitung Kreuzer) und Horst Pabst (Vereinsvorsitzender des Kreuzer-Vereins).

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Bochold.  Der Kreuzer in Bochold ist Essens jüngste evangelische Kirche. Jetzt feiert er den 20. Geburtstag und blickt zurück auf Kunst, Kultur und Dialog.

Vor zwei Jahrzehnten aus der Taufe gehoben, blickt der „Kreuzer“ zurück: Kunst, Kultur und ein Dialog zwischen vielen Nationen zeichnen die Arbeit in der evangelischen Kirche an der Friedrich-Lange Straße 3 in Essen-Bochold aus.

Wo einst das Stahlwerk stand, begegnen sich seit Ende 1998 die Kulturen. Vielfalt im Stadtteil, Integration und Verständigung beherrschen den Kirchenraum. Er bietet derzeit allein elf Vereinen, Gruppen und Einzelakteuren Heimat. Regelmäßig kommen in der evangelischen Begegnungsstätte Menschen aus aller Herren Länder zusammen und treten in Dialog. Ganz oben dabei stehen Respekt und Offenheit gegenüber anderen.

Jüngste evangelische Kirche Essens wurde 1990 in Bochold errichtet

Jeden Sonntag um 11 Uhr dient die jüngste evangelische Kirche, die 1990 erbaut wurde, noch ihrem ursprünglichen Zweck: Afrikaner feiern dort einen Gottesdienst. „Der geht bis in den Nachmittag“, weiß Thomas Hartung, seit 1981 hauptamtlicher Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim. Allem voran: „Was immer hier getan wird, geschieht aus dem Herzen heraus“, betont Hartung.

Der Kreuzer verfügt über Veranstaltungs- und Ausstellungsräume und hat zudem ein Café. Das macht ihn für viele attraktiv: Der russische Chor Nadeshda, einige afrikanische Vereine, die Tänzer und Musiker des Tamilischen Kultur- und Wohlfahrtsvereins Nayinai Wijayan, aber auch Sprachschüler, muslimische Frauen, Senioren sowie Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil kommen hier zusammen. Künstler geben Konzerte, Studenten aus dem Ausland finden hier fachmännische Beratung, Solokünstler und Bands geben Konzerte. „Grund genug, zum runden Geburtstag mit allen gemeinsam ein großes Fest zu feiern“, fasst Horst Pabst zusammen. Er kümmert sich im Kreuzer seit Jahren ehrenamtlich um die berufliche Integration von Migranten.

Zum runden Geburtstag wird ein Wunschbaum aufgestellt

Partner des interkulturellen Zentrums ist die Stadt. Auch Jugendamtsmitarbeiter Sebastian Stute vom Stab Integration ist regelmäßig vor Ort: „Wir möchten, dass sich die Menschen beim Fest begegnen und sammeln Anregungen.“ So wird ein Wunschbaum am 28. September für die Besucher aufgestellt, an dem Ideen für neue Projekte oder nötige Verbesserungen gesammelt werden. „Die Ergebnisse leiten wir an die Stadt weiter“, betont Stute.

Bei Kooperationstreffen mit Haupt- und Ehrenamtlichen sitzt er hin und wieder im Kreuzer und kennt die Stätte seit vielen Jahren. Ein fester Anlaufpunkt für Geflüchtete ist der evangelische Jugendmigrationsdienst mit sechs hauptamtlichen Pädagogen. Sie betreiben ein Büro im Begegnungszentrum, das jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr besetzt ist. Als Standort verschiedener internationaler Arbeitsgemeinschaften, Migrantenorganisationen und als Stadtteiltreff hat sich der Kreuzer weit über das Quartier hinaus einen guten Namen gemacht. „Natürlich gibt es hier nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen“, räumt Hartung ein. Wo etwa 30 Nationen mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen zusammenstoßen, lassen sich Probleme nicht vermeiden. „Doch die Konflikte werden benannt und verarbeitet“, erklärt Hartung. Das geschehe beispielsweise in Form von Theaterstücken. Dann öffnen sich die großen Vorhänge und der Kreuzer wird zur Bühne.

27 unbegleitete Flüchtlinge wurden im Kreuzer aufgenommen

Und noch etwas haben die Organisatoren vor der Feier zu berichten: In einem Wohnprojekt hat die Kirchengemeinde 2016 unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten stammen aus Syrien und Afghanistan. 20 der 27 jungen Migranten haben mittlerweile eine Arbeit oder Ausbildung gefunden. Ein Erfolg, auf den alle Beteiligten stolz sein dürfen. Einmal im Monat kochen die jungen Leute für die benachbarten Senioren ein leckeres Essen.

Apropos: Zum Fest am letzten September-Samstag dürfen sich Besucher auf ein riesiges Spezialitäten-Buffet freuen – so bunt und exotisch wie die Menschen, die seit 20 Jahren im Kreuzer an einem Tisch sitzen.

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