Prozess

Laienrichter hatte jede Menge Kinderpornos auf seinem PC

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Ein aktiver Schöffe des Essener Landgerichtes ist am Donnerstag verurteilt worden. Er hatte Tausende kinderpornografische Filme auf dem Computer.

Schöffe ist er, muss Recht sprechen über Menschen, die Straftaten begangen haben sollen. Dafür sitzt der 56 Jahre alte Kettwiger neben den Berufsrichtern im Saal. Doch am Donnerstag war sein Platz vor der XXVII. Essener Strafkammer an einer anderen Stelle. Auf der Anklagebank. Weil er Tausende Bilder und Filme mit kinderpornografischen Inhalten auf dem Computer hatte, verurteilte ihn das Gericht zu zehn Monaten Haft mit Bewährung. 1800 Euro Geldbuße muss er außerdem ans SOS-Kinderdorf bezahlen.

Der 56-Jährige war bereits am 21. März vom Essener Amtsgericht verurteilt worden. Sechs Monate Haft mit Bewährung gab es für den Angeklagten, der jahrelang Schöffe am Amtsgericht war und seit Beginn des Jahres in dieser Position am Landgericht Essen zu einer Strafkammer gehört.

Angeklagter ist weiterhin Schöffe

Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt. Denn von der Schöffenliste gestrichen werden kann ein ehrenamtlicher Richter nur, wenn er für eine vorsätzliche Tat rechtskräftig zu einer Gefängnisstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt worden wäre. Das Urteil des Amtsgerichtes hätte ihn also weiter Recht sprechen lassen.

2017 hatte die Essener Polizei bei einer Hausdurchsuchung reichlich Material entdeckt. Gespeichert waren die Fotos und Filme auf einem Handy, einem Laptop, einem Stick und drei Festplatten. Rund 7500 Filme und 6000 Fotos zählten die Ermittler.

Richter spricht von harter Kinderpornografie

"Ich habe sie mir angesehen", sagte Richter Andreas Labentz jetzt in der Berufungsverhandlung. Sein Urteil war eindeutig: "Es sind wirklich harte Sachen." Sie zeigen unter anderem sexuelle Handlungen an gefesselten Säuglingen.

Der Hinweis auf den Kettwiger kam 2017 aus den USA. Dort war er aufgefallen, weil er sich im Darknet an einer Tauschbörse für Kinderpornografie beteiligt hatte. Er hatte sich als "Laura, 16 Jahre alt, aus Dortmund" bezeichnet.

Angeklagter: Filme aus Versehen heruntergeladen

Der Angeklagte gesteht zwar den Besitz der Filme und Fotos, will aber aus Versehen gehandelt haben. Er sei homosexuell, sagt er, sei auch mit einem älteren Mann verheiratet. Im Internet sei er auf der Suche nach Bildern von nackten Männern gewesen. Beim Herunterladen der Homosexuellen-Dateien sei auch immer viel Kinderpornografie dabei gewesen.Der Aufwand, die Bilder zu löschen, sei ihm irgendwann zu viel gewesen. Sein Verteidiger Roland Rautenberger: "Es ist ihm über den Kopf gewachsen."

Erfahrene Kripobeamte, die ermittelt hatten, werden als Zeugen vernommen. Sie sehen das eher als Schutzbehauptung an. "Bei der Menge an Dateien kann ich nicht an Zufall glauben", sagt einer. Und der andere erinnert daran, dass die Kinderpornografie sortiert gewesen sei, ein Ordner habe zudem den Namen "ich" getragen.

Gericht will ihn nicht mehr als Schöffen sehen

Aber zum Schluss kommt es gar nicht so sehr darauf an. Denn der Besitz der Dateien reicht aus. Staatsanwältin Franca Bandorski beantragt ein Jahr und drei Monate Haft, Verteidiger Rautenberger will die sechs Monate aus dem Urteil des Amtsgerichtes beibehalten.

Das Landgericht liegt mit zehn Monaten Haft dazwischen. Richter Labentz: "Wir haben uns auch davon leiten lassen, dass wir die Möglichkeit schaffen, Sie von der Schöffenliste zu streichen. Denn es kann nicht sein, dass Sie anderen sagen, was diese falsch gemacht haben." Damit das in Erfüllung geht, muss das Urteil rechtskräftig werden. Der Angeklagte hat es schon akzeptiert. Jetzt liegt es nur noch an der Staatsanwaltschaft, ob der Kettwiger weiter Recht sprechen darf.

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