Konzert

Mark Forster feiert in Essen eine Beachparty mit 20.000 Fans

Die einsame Dorfjugend-Zeit liegt lange zurück: In Essen begeisterte Mark Forster rund 20.000 Fans beim Auftritt am Seaside Beach.

Die einsame Dorfjugend-Zeit liegt lange zurück: In Essen begeisterte Mark Forster rund 20.000 Fans beim Auftritt am Seaside Beach.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Open-Air-Konzert am Baldeneysee wird zum großen Familienevent. Beim Publikum herrscht unbeschwerte Stimmung – trotz des Unglücks vor zwei Wochen.

Eine Dorfjugend kann einsam sein. Mark Forster wuchs in einem Ort bei Kaiserslautern auf, wie er an diesem Samstagabend erzählt: „Das erste, woran ich zurückdenke ist, wie ich alleine mit meinem Fahrrad fahre.“ Worauf der Star mit dieser Anmoderation hinauswill: Alleine lässt sich träumen. „Es kann alles wahr werden.“ Für Forster ist der Traum von der ganz großen Karriere längst wahr geworden. Und wie zum Beweis singen 20.000 Besucher seine Lieder an diesem Abend in Essen mit. Die Station am Seaside Beach markiert den Abschluss seiner Open-Air-Tournee. „Wir enden mit dem größten Konzert in diesem Sommer“ bedankte sich der Singer-Songwriter bei seinen Fans.

Seine Anhänger rekrutieren sich aus allen Generationen. Viele Familien pilgern an den Baldeneysee. So jubeln auch die Kleinsten lautstark mit, als ihr Idol den „Special Guest“ des Abends präsentiert. Doch den muss Forster erst einmal per Videoanruf herbeiholen. „Wer ist der stadionmäßigste Star, den ich kenne?“ Michael Patrick Kelly grölen die Massen. Und Forster tippt auf sein Handy, um den irisch-amerikanischen Sänger anzurufen. Doch er schläft bereits. Nächster Versuch. Sido soll es diesmal sein. Der Gangster-Rapper brummt am Hörer nur verlegen: „Ja!“ Bis er schließlich in einem Video auf der Leinwand zu sehen ist.

Den gemeinsam aufgenommen Titel „Au revoir“ oder Hits wie „Sowieso“ sehnen die Fans herbei. „Wegen diesem Lied habe ich eine ganz besondere Beziehung zu ihm“, erzählt Werner. Der 68-Jährige hatte gerade einen Behördengang hinter sich, es gab schlechte Nachrichten vom Finanzamt. Dann lief der Forster-Song „Sowieso“. „Die Botschaft war: Irgendwie geht wieder eine Tür auf und alles wird gut“, so Werner, der sich und seine 64-jährige Frau scherzhaft als den „Ältestenrat“ bei diesem Konzert bezeichnet. Er fügt hinzu: „Aber heute haben wir einfach das schöne Wetter genutzt.“

Denn selbstverständlich ist die diese spätsommerliche Sause am Seaside Beach nicht. Es ist das erste Konzertwochenende nach dem Unglück vor zwei Wochen an gleicher Stelle: Beim Materia und Casper-Konzert löste sich eine der großen LED-Leidwände von der Bühne und stürzte auf einige Zuschauer. 31 Konzertbesucher wurden verletzt. Unruhig macht das nur wenige Besucher. „Wir würden uns jetzt nichts ins Gedrängel stellen und bleiben lieber im Hintergrund“, sagt Lisa (34) am Samstagabend.

24 Stunden zuvor, beim Alligatoah-Auftritt, stößt man allerdings kaum auf Unwetter-Angst – auch wenn kurz dunkle Wolken über dem Baldeneysee aufziehen. Jan Schmidt hat seiner Freundin ein Ticket zum Geburtstag gekauft. Und das wollten sie trotz der jüngsten Vorkommnisse einlösen. „Verunsichert fühle ich mich nicht“, sagt der 31-Jährige aus Tönnisvorst. Die Stimmung ist entspannt. Vor allem junge Fans zieht es zum Alligatoah-Auftritt. Melissa sitzt mit einer Freundin am Strand. Vom Unglück beim letzten Konzert haben die Düsseldorferinnen erst kurz zuvor von Bekannten erfahren. Sorgen haben sie jedoch keine gemacht, so Melissa (29): „Bei der heutigen Wetterlage nicht, aber damals hätte man das absagen können.“

Nora und Ramona waren sogar beim Konzert von Casper und Materia dabei, als die Sänger plötzlich ganz klein wurden und der Sturm die Technik wegfegte. Panik sei in diesem Moment jedoch nicht ausgebrochen, wie die 26-jährige Ramona versichert: „Es gab kein Chaos, wir sind einfach raus gekommen.“

Alligatoah wollten sich die beiden Saarländerinnen ohnehin nicht entgehen lassen. „Seine Texte sind gesellschaftskritisch und ironisch“, so Nora (25). „Und er macht eine geile Stimmung auf der Bühne.“ In der Tat: Für seine Show hat er gleich eine ganze Hotelfassade mit Bar und Terrasse auf der Bühne errichten lassen. Der Rapper legt an diesem Abend im senfgelben Stresemann einen knallbunten Auftritt hin. Derb-ironisch wie K.I.Z. und extravagant wie einst Falco. Da erschien es für viele Konzertbesucher nur noch eine erfreuliche Nebensache zu sein, dass der Himmel über den Baldeneysee am späten Abend wieder wolkenfrei war.

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