Radverkehr

Nach 22 Jahren! Stadt Essen will Radwegenetz vollenden

Essens Radwegenetz ist noch oft Stückwerk. Die Stadt will Lücken nun bis Ende 2025 schließen.

Essens Radwegenetz ist noch oft Stückwerk. Die Stadt will Lücken nun bis Ende 2025 schließen.

Foto: Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  Das Fahrrad-Hauptroutennetz wurde 1997 geplant. Zu einem Viertel ist es unvollendet. Die letzte Lücke soll nun Ende 2025 geschlossen werden.

Mehr als 20 Jahre nachdem die Stadt Essen den Beschluss für den Bau eines stadtweiten Radwegenetzes gefasst hat, machen sich Politik und Verwaltung daran, das Werk endlich zu vollenden. Im Jahr 2025 soll die letzte Lücke geschlossen werden. Jörg Brinkmann, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) kommentiert es lakonisch: „Es wird auch langsam Zeit.“

Essens Fahrradverbände sind Kummer gewohnt. Dabei lief es aus ihrer Sicht gut an in Sachen Radverkehr im August 1997. Damals beschloss der Bauausschuss des Stadtrates, die Innenstadt und die Stadtbezirke durch ein Netz aus Radwegen miteinander zu verbinden, so dass Radfahrer sicher und unabhängig vom Autoverkehr in der Stadt fahren können. Zwei Jahre zuvor war Essen in die Landesarbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte aufgenommen worden.

Der anfängliche Elan sei schnell verflogen, bedauert Jörg Brinkmann. Der ADFC-Sprecher führt dies nicht zuletzt auf den „Machtwechsel“ im Rathaus Ende der 1990er Jahre zurück. Als CDU und FDP die Mehrheit stellten, seien viele gut gemeinte Radverkehrsprojekte leider in den Schubladen verschwunden. „Jetzt werden sie wieder rausgeholt.“

Durch das drohende Diesel-Fahrverbot erhöht sich der Druck beim Radwegebau

Warum, liegt auf der Hand: Angesichts drohender Fahrverbote für Diesel und alte Benziner ist reichlich Druck im Kessel. Und die jüngste Mobilitätsbefragung der Essener hat auf ernüchternde Weise gezeigt, dass der Radverkehr nur im Schneckentempo vom Fleck kommt. Die Leute zum Umstieg zu bewegen vom Auto auf umweltfreundliche Verkehrsmittel – es will einfach nicht gelingen. Der Anteil des Autoverkehrs verharrt seit Jahrzehnten auf hohem Niveau von über 50 Prozent.

Gerade in Sachen Radverkehr gilt es Boden gut zu machen. Eine Bestandsaufnahme der Verwaltung liest sich so: Es habe sich herausgestellt, dass rund drei Viertel des 197 Kilometer langen Hauptroutennetzes „bereits über Radverkehrsanlagen verfügen“. Was sich nach einer Erfolgsmeldung anhört, ist nichts anderes als das Eingeständnis, dass man sich als Stadt seit dem Beschluss von 1997 mit dem Ausbau des Radwegenetzes sehr viel Zeit gelassen hat. Dazu passt, dass es im zuständigen Amt für Straßen und Verkehr für die Planung von Radwegen gerade einmal eine Planstelle gibt.

Die Lücken im Hauptroutennetz addieren such auf 52,3 Kilometer

Die Lücken im Hauptroutennetz addieren sich auf 52,3 Kilometer, auf denen Radfahrer im Verkehr mitschwimmen müssen.

Davon verlaufen immerhin 18,8 Kilometer über Hauptverkehrsstraßen, wo das Radfahren schon mal lebensgefährlich sein kann. „So kriegt man niemanden aufs Rad“, kritisiert ADFC-Sprecher Jörg Brinkmann.

Insgesamt 33,5 Kilometer laufen über Nebenstraßen, auf denen Tempo 30 gilt. Immerhin das.

Die Lücken im Netz will die Stadt innerhalb der kommenden sechs Jahre schließen. Zunächst soll ein Gutachter das Netz untersuchen, soll sich ein Bild machen vom Zustand der Wege, von der Beschilderung…

Erst dann will die Bauverwaltung festlegen, welche Lücke wann geschlossen wird und was das kosten wird. Allein für das einzuholende Gutachten veranschlagt die Verwaltung 400.000 Euro.

Der Lückenschluss kostet die Stadt ein Vielfaches. Die Verwaltung spricht vorsichtig von 4,8 Millionen Euro für so genannte „Kleinmaßnahmen“ im Hauptroutennetz. Damit gemeint ist das simple Markieren von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Für das Ausweisen von Nebenstraßen als Fahrradstraßen kalkuliert die Stadt mit weiteren 500.000 Euro. Das entspricht genau jener Summe, die im städtischen Etat für den Radverkehr vorgesehen ist.

Wesentlich teurer wird’s, wenn für den Lückenschluss der gesamte Straßenraum neu gestaltet werden muss, betont die Verwaltung. Dann gehen die Kosten schnell in die Millionen. Die Stadt setzt auf finanzielle Förderung und hofft, dass die Rechnung bis 2025 aufgeht.

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