Preisverleihung

Altenessener Reisebüro erhält Design-Preis für Ladenkonzept

Inhaber Jürgen Ohagen hat bei der Gestaltung seines Reisebüros Geschmack bewiesen. Dies kommt nicht nur bei seinen Kunden an, sondern wurde nun von einer Jury sogar prämiert.

Inhaber Jürgen Ohagen hat bei der Gestaltung seines Reisebüros Geschmack bewiesen. Dies kommt nicht nur bei seinen Kunden an, sondern wurde nun von einer Jury sogar prämiert.

Foto: Michael Korte

Essen-Altenessen.  Für sein Laden-Design im Zollverein-Look wurde das Reisebüro Ohagen ausgezeichnet. Das 1979 gegründete Geschäft wurde „Touristik Champion“.

Reisebüro-Chef Jürgen Ohagen (55) ist zufrieden. „Der Umbau hat sich in jeder Hinsicht gelohnt“, sagt er. Seit er den mutigen Schritt gewagt hat, den alten Laden für eine sechsstellige Summe komplett neu zu gestalten, laufen die Geschäfte bestens. Nun hat er auch noch einen Preis abgeräumt. Eine Fach-Jury der Reisebranche belohnte das schicke Interieur im Stammsitz in der Stauderstraße 73 mit der Auszeichnung „Touristik Champion“.

Mit den Designerstühlen, langen Holztischen und freigelegten Backsteinwänden hätte er auch in Essener Stadtteil Rüttenscheid punkten können. Aber das stand nie zur Debatte. „Ich bin in Altenessen und Stoppenberg zur Schule gegangen. Der Norden ist mein Zuhause.“ Zeche Carl und das Weltkulturerbe Zeche Zollverein liegen um die Ecke. Wer bei Ohagen einen Urlaub bucht, kriegt „Ruhri-Flair“ als Gratis-Bonus.

Designer aus Baden-Württemberg setzte die ersten Ideen des Unternehmers um

Das Team hat viele Stammkunden. „Aber nun kommen Leute aus ganz Essen zu mir, um zu sehen, was Frank Kungl aus meinem Laden gemacht hat“, sagt Ohagen. Kungl, Designer aus Baden-Württemberg, pendelt beruflich zwischen Genf und dem Ruhrgebiet. Er erstellte das Konzept für den Umbau nach ersten Ideen von Jürgen Ohagen. Ort und Aufgabe fand der Designer spannend. „Ich wollte, dass meine Kunden nicht das Gefühl haben, als kämen sie in ein Reisebüro, sondern vielmehr, als kämen sie uns besuchen“, erklärt Jürgen Ohagen die Idee.

An den aufwändigen Umbau kann sich auch Magdalene Ohagen (80) gut erinnern. Im Mai 2016 war der Laden sechs Wochen zu. Kungl ließ Wände und Böden herausreißen, fast nichts blieb im Urzustand. Der Einheitslook mit grauen Fliesen und meterhohen Buchenholzregalen für die Katalogflut fand ein Ende im dicken Baustaub.

Die Mama startete mit einem kleinen Lotto-Geschäft vor 40 Jahren

Die luftige Gestaltung mit Stahlträgern, Betonpfeilern, klaren Linien, warmen Farben und hochwertigen Möbeln überzeugte nun auch die Jury bei der Preisvergabe des bundesweiten Wettbewerbs „Touristik Champion“. In „Bestes Ladendesign“, einer von zehn Kategorien, landete Ohagen auf Platz eins. Jährlich ausgeschrieben wird der Award von FVW Medien, einem mittelständischen Fachverlag mit Sitz in Hamburg. In Köln nahmen Ohagen und Kungl Ende September die Auszeichnung in Empfang.

„Meine Mutter hat hier ganz klein angefangen“, erinnert sich der Junior. Mit einer Lotto-Filiale und einer Leihbücherei startete die Familie 1979 ins Geschäftsleben. In seiner Kindheit verkaufte die Mutter neben Lottoscheinen auch Panini-Sticker, Süßes und Fotozubehör von Porst. Nach Schule und Lehramtsstudium wechselte Jürgen Ohagen in den Verkauf. „Im Hinterzimmer habe ich die ersten Reisen angeboten.“ Das war 1986. Mit einem Fax und einem damals fortschrittlichen Bildschirmtextgerät buchte er die Urlaube seiner Kunden. 2008 übernahm Ohagen den Laden, seine Mutter hilft bis heute mit.


Klare Linien kombiniert mit warmen Farben

Die Reise-Lounge im Wohngebiet hat einen Wartebereich mit gemütlichem Ledersofa. Das hat einen Grund. „Wir nehmen uns gern Zeit“, sagt der Chef. Ihm stehen zwei Mitarbeiterinnen und eine Auszubildende zur Seite. Wichtig ist den Touristik-Experten eine ausführliche Beratung. „Wir sind ein freies Reisebüro und nicht an einen Anbieter gebunden.“ Preise habe man da schon immer verglichen.

Dass junge Leute verstärkt im Internet buchen, kann er nicht bestätigen. „Unsere Kunden sind zu 70 Prozent jünger als 40 Jahre“, freut er sich. Vielleicht liegt das am alten Firmengrundsatz. Der lautet: „Familien mit Kindern werden besonders gut bedient.“ Oder zieht das regionale Design die Jüngeren an? Am Ende ist es egal. Aber eines weiß der Altenessener Reiseprofi jetzt ganz sicher: „Das Auge bucht mit.“

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