Rettungsaktion

Fünf Frauen retten junge Tauben-Babys vor dem sicheren Tod

Gabrielle Laupenmühlen (li.) und Sabine Schmitt versuchen, junge Tauben vor dem Tod zu retten. Die Brückensanierung an der Altenessener Straße vertreibt die Tauben, ihre Jungen bleiben zurück.

Gabrielle Laupenmühlen (li.) und Sabine Schmitt versuchen, junge Tauben vor dem Tod zu retten. Die Brückensanierung an der Altenessener Straße vertreibt die Tauben, ihre Jungen bleiben zurück.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen-Nord.  Die Sanierung der Autobahnbrücke der A 42 an der Altenessener Straße hat Folgen: Die Tauben werden vertrieben, die Jungen bleiben zurück.

Die Sanierung der Autobahnbrücke der A 42 an der Altenessener Straße, die seit Ende Juli läuft, fordert ihre Opfer. Durch die Bauarbeiten werden die Tauben, die unter der Brücke leben und brüten, vertrieben. Dabei lassen sie ihre Jungtiere zurück.

Seitdem Straßen NRW am Montag begonnen hat, die Kunststoffabdeckungen für die Stromkabel der U-Bahn abzunehmen, fallen viele Nester deshalb ungeschützt auf die Gleise. Seit Montagmorgen sind deshalb fünf Frauen an der Brücke unterwegs, die die Jungtiere retten wollen. „Die Eltern flüchten und die Jungtiere sterben“, erklärt Sabine Schmitt von der Essener Taubenhilfe. „Viele sind erst einen Tag alt und können noch nicht fliegen.“

Bauarbeiter von Straßen NRW helfen bei der Tierrettung

Scharf verurteilen die Frauen das Vorgehen der Bauplaner, schließlich seien die Tauben unter der Brücke lange bekannt. „Das kann man doch einplanen. Die Taubennester hätten schon vor Wochen mit Gipsattrappen ausgestattet werden können. Dann müssten diese Tiere nicht sterben.“ Die fünf Freiwilligen haben den Bauarbeitern ihr Anliegen erklärt – und diese helfen nun mit. Auf Hebebühnen arbeiten die Männer, montieren die Platten ab. Finden sie dort ein Nest, rufen sie die Frauen herbei, die die Tiere mit Fangnetzen entgegennehmen.

Am Straßenrand haben sie mittlerweile ein kleines Lager eingerichtet. Dort werden die kleinen Tauben sofort aufgepäppelt – mit Futter, Wasser und Wärme. „Einige können wir allerdings nicht mehr retten“, sagt Schmitt. „Die Eltern haben die Nester teilweise seit vielen Stunden nicht mehr anfliegen können, deshalb verhungern die Kleinen kläglich.“ Dann kommt auch die engagierte Hilfe zu spät.

Zukunft der Tiere ist ungewiss

Noch einige Wochen dürfte die komplette Sanierung der Brücke in Anspruch nehmen. Deshalb kann auch die U-Bahn-Linie U11 die Haltestellen zwischen II. Schichtstraße und Buerer Straße in Gelsenkirchen nicht anfahren. Ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet.

Die fünf Damen werden bis zum Abschluss der Bauarbeiten jeden Tag vor Ort sein, sagen sie. „Ich kann so ein Tiersterben nicht mit ansehen“, erklärt Sabine Schmitt. Nach zwei Tagen hätten sie bereits über 60 junge Tauben vor dem Tod gerettet. „Wir werden sie aufpäppeln und großziehen. Doch die große Frage ist: Wohin danach?“ Die Tiere könnten nicht einfach in die Welt entlassen werden: „Ihre Eltern haben ihnen ja nie beibringen können, wie man überlebt.“ Sabine Schmitt hofft auf Hilfe und Engagement aus der Bevölkerung. Unter der Nummer 0177/5031742 kann sich jeder gerne melden, der Tauben aufnehmen kann oder bei der Rettung mithelfen möchte.

Leserkommentare (7) Kommentar schreiben