Schiedsamt

Streit schlichten: Schiedsperson für Altenessen-Nord gesucht

Hofft auf Interessierte für das Schiedsamt: Schiedsmann Stefan Hagemann aus Kray.

Hofft auf Interessierte für das Schiedsamt: Schiedsmann Stefan Hagemann aus Kray.

Foto: Knut Vahlensieck / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Neue Schiedsperson für Altenessen-Nord, Karnap und Vogelheim gesucht: Meistens geht es um Streit unter Nachbarn, manchmal um Körperverletzung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eigentlich hatte sie das Amt noch viele Jahre ausüben wollen. Doch die Gesundheit hat ihr Grenzen gesetzt. „Im Februar habe ich einen Schlaganfall erlitten“, sagt Claudia Marks. Die nunmehr 55-Jährige hatte sich schon vier Wochen später als ehrenamtliche Streitschlichterin zurückgemeldet. „Doch das war vorschnell“, sagt sie jetzt. Mittlerweile habe sie erkannt, dass sie die nötige Kraft fürs Schiedsamt nicht mehr aufbringen könne. „Wer anderen helfen möchte, muss stark sein.“

Bis zur Neuwahl einer Schiedsperson durch die Bezirksvertretung V wird sie Schiedsfrau Manuela Molitor, Kollegin für den Süden Altenessens, vertreten und ihre Amtsgeschäfte fortführen. „Wir suchen aber sobald wie möglich einen Nachfolger“, betont Stefan Hagemann, seit 2007 Schiedsmann für Kray und Steele und seit 2016 Vorsitzender der Bezirksvereinigung Essen im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V., kurz BDS. Der Vater von vier Kindern ist von Beruf Krankenpfleger im Schichtdienst auf der Intensivstation des Uniklinikums. Dass er nach Feierabend noch den verantwortungsvollen Job als Schiedsmann übernimmt, grenzt schon an ein Wunder. Doch Hagemann liebt die Aufgabe.

Ärger, Beleidigungen oder gar Körperverletzung an den Grundstücksgrenzen

Ungefähr jeden Monat einen Fall habe sie als Schiedsfrau bearbeitet, erzählt Claudia Marks. Das in Essen im Jahr 1879 eingeführte Schiedsamtswesen mit insgesamt 18 Bezirken dreht sich meist um Streit unter Nachbarn. Ärger, Beleidigungen oder gar Körperverletzung an den Grundstücksgrenzen seien dabei am häufigsten. Im Winter werden die Schiedsleute seltener gerufen. „Das liegt ganz einfach daran, dass mit dem Ende der Gartensaison das Konfliktpotenzial sinkt.“

Marks erinnert an die lange Tradition des juristischen Ehrenamtes: „Früher ging man immer erst zum Schiedsmann. Der war eine Institution im Stadtteil.“ Heute habe fast jeder eine Rechtsschutzversicherung. Und damit sei der Anwalt oft die erste Adresse. „Doch eigentlich sind wir zunächst zuständig.“ Unter dem Motto „sich vertragen ist besser als klagen“ empfangen die Schiedspersonen die Parteien in ihren Wohnzimmern. „Da saßen dann schon mal bis zu sechs Menschen bei mir, Rechtsanwälte inklusive“, berichtet Marks.

Verfahren ist relativ unbürokratisch und wird per Antrag des Klägers eingeleitet

Auch Hausfriedensbruch, Verletzung des Briefgeheimnisses und Sachbeschädigung kommen bei den Schiedsfrauen und -männern auf den Tisch, alles so genannte „Privatklagendelikte“, die außergerichtlich verhandelt werden. Dabei ist das Verfahren relativ unbürokratisch und wird durch einen Antrag des Klägers eingeleitet. Das Papier enthält die Namen der beteiligten Parteien und den Grund des Streites. „Dann setzt man einen Termin fest, zu dem alle erscheinen müssen. “ Bleibt jemand ohne ausreichende Entschuldigung dem Treffen fern, kann ein Ordnungsgeld verhängt werden. Doch meist kommen die Aussprachen zustande. Der Antragsteller muss vorab 60 Euro Vorschuss bezahlen. „Am Ende wird entschieden, wieviel dieser Kosten die andere Partei tragen soll.“

Als Claudia Marks 2017 das Amt antrat, war der Bezirk durch sie schnell wiederbesetzt. „Doch bis ich endlich anfangen durfte, ist ein Jahr vergangen“, erzählt sie. Das liege am komplizierten Einstellungsverfahren. So prüfen Stadt und Amtsgericht die Kandidaten, am Ende müssen sie von den jeweiligen Bezirksvertretungen gewählt werden.

Residenzpflicht in Altenessen-Nord, Karnap oder Vogelheim

Wer sich für die Nachfolge von Marks interessiert, muss einige Bedingungen erfüllen: Neben der Residenzpflicht in Altenessen-Nord, Karnap oder Vogelheim müssen Bewerber mindestens 30 Jahre alt sein, höchstens jedoch 70. Doch bei der Obergrenze gebe es auch Ausnahmen. Juristische Vorbildung ist hilfreich, aber nicht vorgeschrieben – aber ein gutes polizeiliches Führungszeugnis. Was man auf jeden Fall brauche, seien jedoch „gesunder Menschenverstand, Einfühlungsvermögen und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl“, so die scheidende Schiedsfrau.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben