Organisierte Kriminalität

Razzia gegen irakische Rocker - 49 Objekte in NRW durchsucht

Bei der Razzia in NRW ist am Mittwoch auch das SEK im Einsatz.

Bei der Razzia in NRW ist am Mittwoch auch das SEK im Einsatz.

Foto: ANC News

Essen.  Mit einer Razzia geht die Polizei gegen organisierte Kriminalität vor: Verdächtige sollen aus dem Umfeld einer irakischen Rockergruppe stammen.

Mit 800 Einsatzkräften hat die Polizei seit 5 Uhr am Mittwochmorgen 49 Objekte in zwölf Kommunen im Ruhrgebiet und im Rheinland durchsucht - darunter Essen, Duisburg, Heiligenhaus, Bonn, Dortmund, Krefeld, Olpe, Ennigerloh Velbert, Hünxe, Köln und Siegburg. Grund für die Razzia ist der Verdacht der organisierten Kriminalität - der Einsatz richtete sich gegen 34 Personen aus dem Irak und Syrien. Unter anderem wird wegen Waffen- und Rauschgifthandel sowie Schleuserdelikten vorgegangen. Zudem sollen Sprachzertifikate für Amtsanhörungen sowie Pässe gefälscht worden sein.

Für die Aktion wurden auch Einsatzhundertschaften und SEK-Kräfte hinzugezogen, da bei den Tatverdächtigen eine "gewisse Gefährlichkeit" anzunehmen sei, hieß es weiter. Es wurden unter anderem Räumlichkeiten in verschiedenen Stadtteilen von Essen durchsucht, um Beweismittel zu sichern. Demnach war die Polizei an der Frillendorfer Straße und Frintroper Straße im Einsatz. Es gab in Essen eine vorläufige Festnahme. Das Ermittlungsverfahren gegen die Tatverdächtigen wird von der Staatsanwaltschaft Essen sowie der Essener Polizei geführt.

Bei den Durchsuchungen wurden laut NRW-Innenminister Reul Falschgeld, Drogen, Computer, Handys und Datenträger beschlagnahmt. "Nach dem bisherigen Stand war das ein erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität", sagte Reul. Die Polizeiaktion sei über Monate vorbereitet worden. Der Einsatz zeige, dass die Polizei in NRW "konsequent gegen jede Form der Kriminalität vorgeht". Die Arbeit der Ermittler fange jetzt aber erst an. Die Gruppe "Al-Salam-313" sei in der Öffentlichkeit bisher weniger diskutiert worden, aber der Polizei wohl bekannt gewesen.

Rockergruppe namens „Al Salam 313“ im Fokus

Die Tatverdächtigen sollen nach Informationen der Redaktion aus dem Umfeld einer kurzlebigen irakischen Rockergruppe namens „Al Salam 313“ stammen, die zwischen 2016 und 2017 vor allem im Internet Präsenz gezeigt hatte. Die Gruppe bestand seinerzeit in Deutschland aus rund 50 Personen, hatte aber rasch Ableger in anderen europäischen Ländern, unter anderem in Dänemark, Holland und Schweden.

Angeblich erhielt sie Anweisungen aus dem Umfeld des irakischen Schiiten-Führers Muqtada as-Sadr in Bagdad. Wie aus exilirakischen Kreisen zu vernehmen ist, soll die Gruppe mehrere zehntausend Euro aus dem Irak erhalten haben, um vor den irakischen Parlamentswahlen im vergangenen Jahr Landsleute auf as-Sadr einzuschwören.

20 Männer überfielen 2017 eine Teestube in Essen

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde „Al Salam 313“ Anfang Dezember 2017 bekannt, als 20 Männer im Essener Südostviertel eine Teestube überfielen, deren Besitzer Muhamad B. war, der Anführer der Rockergruppe. Dem Vernehmen nach stammte das Überfallkommando aus dem Umfeld des sunnitisch-arabischen Al-Zein-Clans, mit dem sich die Rocker von „Al Salam 313“ überworfen hatten. Konkreter Anlass soll damals der geplante Auftritt eines irakischen Sängers gewesen sein.

Wie es hieß, hatten sich Muhamad B. und seine Gefolgsleute geweigert, für diesen Auftritt Schutzgeld an die Konkurrenz zu zahlen, die ihrerseits in Düsseldorf einen Club betreiben soll. Nach diesem Überfall verschwand „Al Salam 313“ von der Bildfläche, im vergangenen Jahr erklärte Muhamad B. die Auflösung der Gruppe.

Im aktuellen Lagebild Clankriminalität warnt das LKA vor einem neuen Verdrängungswettbewerb um kriminelle Märkte, die die alteingesessenen und häufig türkischstämmigen Clans unter Druck setzt. Die neuen Spieler in der Szene „mit Herkunft aus Syrien bzw. dem Irak“ würden im Milieu als besonders durchsetzungsstark und gewalttätig wahrgenommen, heißt es im Lagebild. (mit dpa)

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