Oldtimer

Oldtimer-Händler aus Essen präsentiert sein „Garagengold“

Erich Schulz handelt mit Oldtimern. Motor Show und Techno Classica sind Heimspiele für den Essener.

Erich Schulz handelt mit Oldtimern. Motor Show und Techno Classica sind Heimspiele für den Essener.

Foto: Foto: Julia Tillmann

Essen.  Erich Schulz aus Essen handelt mit Oldtimern. Auf der Essen Motor Show hat er ein Heimspiel. Zu seinen Kunden zählen Scheichs und Schrauber.

Diese geschwungenen Kotflügel, das Cockpit aus Edelholz… Elegant ist er, der Rolls Royce Silver Wraith Sedanca, Baujahr 1950. Ein Auto für gekrönte Häupter, erschwinglich aber auch für bürgerlich Geborene. Vorausgesetzt, man verfügt über ein gut gefülltes Bankkonto. 153.000 Euro verlangt Erich Schulz für die edle Karosse. Für diesen Preis würde er sich von seinem „Rolli“ trennen, wenn auch nur schweren Herzens, versteht sich.

Erich Schulz macht in Oldtimer. Ein Geschäft, das boomt. Kein Wunder. In Zeiten, in denen es für sein Geld auf dem guten alten Sparbuch nichts mehr gibt und Banken mit Negativzinsen drohen, suchen besser Betuchte nach lukrativeren Vermögensanlagen. Alte Autos versprechen Wertzuwächse wie sonst vielleicht noch Kunstwerke. Seit Jahren ging es nur in eine Richtung: nach oben. In der Branche sprechen sie schon lange vom Garagengold. „In diesem Jahr hat sich der Markt etwas beruhigt“, sagt Erich Schulz.

Oldtimer sind Exoten unter den aufgemotzten Kisten auf der Essen Motor Show

Es klingt nicht, als würde es den Händler beunruhigen. Warum auch? Zwei edle Autos hat er auf der Essen Motor Show verkauft: einen Mercedes-Benz Ponton 120, Baujahr 1960. Und einen Youngtimer, einen Porsche. „Ein Einsteigerauto“, sagt Schulz.

Die Essen Motor Show ist das Mekka der Tuning-Szene. Die Oldtimer in Halle 1 sind Exoten unter den vielen aufgemotzten Kisten, die das Interesse der Besucher auf sich ziehen. Dass sich auf der Motor Show ein Käufer findet für seine edlen Autos, sei – anders als auf der Techno Classica – eher Zufall. Trotzdem kommt er jedes Jahr wieder.

Den Weg ins Oldtimer-Business hat Erich Schulz über Umwege gefunden. Der heute 76-Jährige hat als junger Mann Mechaniker gelernt. Für Landmaschinen! Anfang der 1960er ging’s zur Polizei nach Essen. Schulz fuhr auf dem Motorrad Streife. Viel später erst vermietete und verkaufte er Autos. Bis 2003 führte er am Limbecker Platz einen Salon für exklusive Sportwagen.

Saß Krimiheld Magnum im Ferrari 308 GTS, der auf der Essen Motor Show zu haben ist?

Der Ferrari 308 GTS, Baujahr 1982, den Schulz an seinem Stand für 68.800 Euro anbietet, könnte einer davon sein. Oder saß einst Tom Selleck alias Thomas Magnum, der Krimiheld, hinterm Steuer?

Wer kauft so ein Auto?

Scheichs aus den Golfstaaten und Japaner seien vor wenigen Jahren ganz heiß auf die roten Flitzer aus der italienischen Autoschmiede gewesen. In Deutschland gehen auch im Oldtimer-Segment die Klassiker Mercedes und Porsche. Für alle Marken gilt: Baureihen mit geringer Stückzahl sind besonders gefragt. Von dem BMW DTM, der bei Schulz für 134.800 Euro zu haben ist, liefen gerade mal 200 vom Band.

Zu den Kunden des Essener Händlers zählen Sammler, die ihre Kostbarkeiten in der Garage verstecken und nur selten bewegen, aber auch Autoliebhaber, die an ihrem teuren Stück gerne selbst schrauben. „Dadurch identifizieren sie sich immer mehr mit ihrem Fahrzeug“, weiß der Oldtimer-Experte. Das Kind im Manne fährt immer mit.

Und wie kommt der Händler an seine Ware? Gute Kontakte sind das A und O, auch zu Sammlern, sollten sie sich von ihren Schätzen einmal trennen wollen. Dass ein vergessenes Auto in einer Scheune gefunden wird, Jahrzehnte nachdem sein Besitzer es dort abgestellt hat – auch so etwas habe es früher immer wieder mal gegeben, berichtet Schulz. Inzwischen hat sich bis auf den letzten Bauernhof im Land herumgesprochen, dass so ein verstaubtes Auto ein Vermögen Wert sein könnte.

Der persönliche Favorit von Erich Schulz ist übrigens ein Zweirad: eine BMW R 50, wie Schulz sie als junger Streifenpolizist fuhr. „Die habe ich gerade erst vollrestauriert bekommen“, strahlt der 76-Jährige.

Und wie wird sich das Geschäft in Zeiten von Klimakrise und Verkehrswende entwickeln? Noch müssen sich Oldtimerfreunde um Grenzwerte und Fahrverbote nicht scheren. Autos, die 30 Jahre oder älter sind, dürfen mit einem H-Kennzeichen fahren – auch in Umweltzonen. „Aber ob das so bleibt?“ Schulz ist skeptisch.

Dass in drei Jahrzehnten die ersten Elektroautos am Oldtimerstand gehandelt werden, kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Der vertraute Klang seines Vier-Liter-Motors würde ihm doch zu sehr fehlen.

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