Personalmangel

Pädagogen-Mangel: Essen will Hilfslehrer einstellen

Die Zahl der Schüler in Essen steigt und wird weiter steigen. Hier eine Szene aus Essens größter Gesamtschule, der „Bockmühle“ in Altendorf.

Die Zahl der Schüler in Essen steigt und wird weiter steigen. Hier eine Szene aus Essens größter Gesamtschule, der „Bockmühle“ in Altendorf.

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Die Zahl der Schüler steigt. Es gibt Raum-, und Pädagogen-Mangel: Landesweit sind keine Lehrer da. Die Stadt plant eine ungewöhnliche Lösung.

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Die Stadt will das fehlende pädagogische Personal an Essens Schulen und an manchen Kindergärten kurzfristig ersetzen – gesucht werden künftig so genannte „Lern-Coaches“. „Wir benötigen dringend mehr Man- und Woman-Power in den Klassenzimmern“, sagt Peter Renzel, der Schuldezernent der Stadt Essen.

Lehrer sind Landesbeamte. Sie einzustellen, ist nicht Sache der Stadt. Doch Erzieher, Sozialpädagogen und -arbeiter sind häufig bei der Stadt oder einer ihrer Tochtergesellschaften angestellt. Weil Lehrer – vor allem an Grundschulen – dringend fehlen und viele freie Stellen mangels Kandidaten gar nicht besetzt werden können, sollen die Lehrer, die da sind, künftig unterstützt werden.

Situation spitzt sich dramatisch zu

Was ist ein „Lern-Coach“? – „Das kann jeder sein – Bürger, die sich engagieren wollen, Menschen, die eine Affinität zur Pädagogik haben, womöglich auch Ehemalige“, sagt Renzel. Konkret sind die Pläne noch nicht. „Erst mal ist es nur ein Impuls.“

Doch die Zeit drängt: Die Stadt will diesen ungewöhnlichen Weg gehen, weil sich die Situation dramatisch zuspitzt – spätestens zum nächsten Schuljahr, wenn mindestens 300 Flüchtlinge ihren Status als „Seiten-Einsteiger“ nach zwei Jahren Deutschunterricht verlieren und in reguläre Klassen an weiterführenden Schulen überführt werden müssen.

Schon jetzt ist klar, dass die Stadt notdürftig Schulraum schaffen muss, indem sie Pavillons aufstellt (wir berichteten am Samstag). Ebenso klar ist, dass die Menge an Lehrern, die fehlt und künftig fehlen wird, kaum durch reguläre Kräfte besetzt werden kann. Nicht nur Schulen sollen künftig von „Lern-Coaches“ profitieren, sondern auch ausgewählte Kindertagesstätten.

Die künftigen Hilfslehrer oder Unterrichts-Assistenten sollen bezahlt werden vom Geld des Landes, das Essen künftig zusätzlich zur Verfügung steht: NRW-Kommunen sollen rund 100 Millionen Euro erhalten zur Bewältigung der Integration von Flüchtlingen. Essen bekommt davon nach aktuellen Schätzungen mindestens dreieinhalb bis vier Millionen Euro. Oberbürgermeister Thomas Kufen und Schuldezernent Peter Renzel wollen dieses Geld so gut wie komplett in die Schulen und Kitas der Stadt investieren. „Denn dies sind die Orte, an denen die Integration vorangebracht wird“, sagt Renzel.

Keine Wartelisten wie woanders

Schon am 11. Januar hatte sich Oberbürgermeister Thomas Kufen während einer Veranstaltung im Ratsaal bei Essens Schulleitern bedankt: „Sie haben in besonderer Weise für die Beschulung von Seiteneinsteigern Verantwortung übernommen“, sagte Kufen. Dass die Aufnahme von rund 6000 jungen Flüchtlingen an Essens Schulen weitgehend geräuschlos verlief und keine Wartelisten - so wie in anderen Städten - erstellt werden mussten, sei das große Verdienst der Lehrer.

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