Konzertkritik

Philharmonie: Markige Akzente beim Beethoven-Abend in Essen

Peter Simonischek legte dem griechischen Prometheus-Mythos seine Erzählung zugrunde.  

Peter Simonischek legte dem griechischen Prometheus-Mythos seine Erzählung zugrunde.  

Foto: Xenia Hausner

Essen.  Das Sinfonieorchester Basel unter Dirigent Ivor Bolton überzeugt beim Beethoven-Abend in der Philharmonie mit entschiedenem Zugriff.

Mit der Bühne verband Beethoven eine glücklose Liaison: Seine beiden Ballettmusiken sind Schmerzenskinder und an seiner einzigen Oper Leonore/Fidelio arbeitete er sich ein ganzes Jahrzehnt ab. Aus der umfangreichen Musik zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ kennt man gemeinhin nur die Ouvertüre als schwungvolles Konzertstück. Beim Beethoven-Abend der Pro Arte Konzertreihe in der Philharmonie rückt das Werk nun in den Mittelpunkt.

Den unbotmäßigen Prometheus an einer Felsen geschmiedet

Das Sinfonieorchester Basel lässt es in der Essener Philharmonie an entschiedenem Zugriff nicht fehlen: Die Partitur wird wie die von Prometheus zum Menschen geformten Lehmfigürchen durch Feuer zum Leben erweckt. Diese Variante des griechischen Mythos legt Peter Simonischek seiner Erzählung zugrunde: Zwischen den zwölf gespielten Nummern des – nicht mehr rekonstruierbaren – Balletts fesselt er die Zuhörer auf weitaus angenehmere Weise als Göttervater Zeus, der den unbotmäßigen Prometheus an einen Felsen im Kaukasus schmiedete.

Alain Claude Sulzers Nacherzählung einer Schöpfungsgeschichte liest der einstige Salzburger „Jedermann“ Simonischek nicht ohne leisen Humor; die Musik Beethovens wirkt wenig charakteristisch, verzichtet auf Pathos zugunsten eines lyrisch-pastoralen Tonfalls, hat aber im Adagio Nr. 5 einen zauberhaften Höhepunkt, wenn das Solo-Cello eine Kantilene singt und sich apart mit Harfe und Horn verständigt.

Mit liebevoll beleuchteten Details in einen lebendigen Dialog

Ivor Bolton, zur Zeit Residence-Künstler der Philharmonie, setzt mit „seinem“ Orchester – er ist seit 2016 Chefdirigent der Baseler – markige Akzente, ohne die Gegensätze von Laut und Leise modisch auszureizen. Der Klang ist aufgeraut, aber auch warmtönig verschmolzen. Im Fünften Klavierkonzert Beethovens darf das Orchester klassisch ausgewogen klingen, tritt aber mit liebevoll beleuchteten Details in einen lebendigen Dialog mit dem Solisten Alexander Melnikov, der sich jedes Dröhnen verbietet und gerade im zweiten Satz mit zärtlich zurückhaltendem Spiel in die Tiefe geht.

Wer Beethovens Bühnen-(Un-)Geschick weiter verfolgen will: Am 29. Februar gibt das Swedish Chamber Orchestra in der Philharmonie „Fidelio“ konzertant mit Nina Stemme als Leonore; am 29. Mai kommt Ivor Bolton mit dem Salzburger Mozarteumorchester und der Schauspielmusik zu „Egmont“.

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