Musik kommt um die Ecke

Philharmoniker ebnen Kita-Kindern den Weg zur Musik

Patrick Fuchs, Kontrabassist der Philharmonie Essen, bei „Musik kommt um die Ecke“ im Jugendhof Vogelheim.

Patrick Fuchs, Kontrabassist der Philharmonie Essen, bei „Musik kommt um die Ecke“ im Jugendhof Vogelheim.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Vogelheim.   Kinder lernen spielerisch Musik kennen. Das ist das Ziel des Projekts „Musik kommt um die Ecke“ der Philharmonie Essen, das es fünf Jahre gibt.

Vor der Bühne im Jugendhof am Lütkenbrauk sitzen rund 40 Kita-Kinder auf roten Sitzkissen und warten darauf, was da kommen mag. Auf den Stühlen dahinter hockt etwa ein Dutzend Eltern und Betreuerinnen. Zwei Notenständer lassen erahnen, dass es etwas mit Musik zu tun haben muss. Matthias Rietschel, freischaffender Musikpädagoge, bittet die Kinder, die Namen der Musiker zu rufen. Auf „Ilka“ ertönt aus dem Nebenraum ein Fagott, und Ilka Wagner von den Philharmonikern kommt mit ihrem Instrument in den Raum. Auf „Patrick“ ertönt ein Kontrabass und Patrick Fuchs kommt mit dem großen Instrument um die Ecke.

Es begann vor fünf Jahren in Vogelheim

„Musik kommt um die Ecke“ heißt auch das Projekt der Essener Philharmoniker.

Und in Vogelheim schließt sich heute der Kreis. „Vor fünf Jahren haben wir hier begonnen“, sagt Merja Dworczak, bei den Philharmonikern für Education (Bildung, Erziehung) zuständig. „Es soll den Kindern nichts beigebracht werden, es ist kein Schulersatz. Es geht darum, dass Kinder Musik und Instrumente kennen lernen.“

Stadtteile wurden bewusst ausgewählt

Den Stadtteil habe man bewusst gewählt, so Merja Dworczak. Ziel des Projektes ist es, Kindern Erfahrungen mit im weitesten Sinne klassischer Musik zu ermöglichen, die von Hause aus keine Gelegenheit dazu haben. „Und auch nur selten in den Kitas“, fügt Merja Dworczak hinzu. Im ersten Schritt besuchen Musiker der Essener Philharmoniker die Kitagruppen, um dort ihre Instrumente vorzustellen und mit den Kindern zu musizieren. An einem weiteren Termin geben die Musiker ein kurzes Konzert, moderiert von erfahrenen Musikpädagogen. Anschließend besteht für die Kinder die Möglichkeit, die Instrumente selbst auszuprobieren. Das alles passiert im Idealfall zweimal pro Jahr pro Kita.

Drei Chinesen mit dem Kontrabass

Nachdem Ilka Wagner und Patrick Fuchs mit der Erklärung einige kurze Stücke gespielt haben, bei denen die Kinder teilweise im Rhythmus mitklatschten („Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ drängen sich geradezu auf), übernehmen sie den Schlussakkord. An drei Kontrabässen dürfen sie nach Lust und Laune den Bogen führen, während Musiker mit Griffen auf die Saiten die Töne verändern. Klingt manchmal schräg. Die Begeisterung steht den Kindern aber ins Gesicht geschrieben.

So ist es auch an diesem Morgen. In zwei Gruppen nehmen jeweils zwei Kitas am Abschlusskonzert teil.

Aus Sicht von Merja Dworczak, die von Anfang an dabei ist, ist der Versuch gelungen, was nicht heißen soll, dass „Musik kommt um die Ecke“ auslaufen kann. Im Gegenteil. „Idealziel wäre es, das stadtweit zu machen“, sagt Merja Dworczak. Da „Musik kommt um die Ecke“ zwar nicht die Welt koste, aber auch nicht völlig kostenfrei sei, stehe die Planung fast in jedem Jahr auf der Kippe. „Es wäre schön, wenn einmal fünf Jahre am Stück gesichert wären.“

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